25/08/2026
Im Lesesaal des Westfälischen Wirtschaftsarchivs wird zu den verschiedensten Themen geforscht. Alle Veröffentlichungen, die auf Forschungen in unserem Lesesaal basieren, werden der Bibliothek als Belegexemplar geschickt. Ein Exemplar möchten wir euch heute vorstellen:
Baur, Joachim (Hg.): Muster und Märkte. Auf den Spuren westfälischer African Prints, 1. Aufl., Bönen 2026
Es handelt sich um den Begleitband zur gleichnamigen Ausstellung der im die Studierende der TU Dortmund unter der Leitung von Professor Baur kuratierten. Ausstellung und Buch handelt von einer kolonialen und postkolonialen Wirtschaftsbeziehung zwischen Westfalen und afrikanischen Staaten. Genauer gesagt geht es um zwei Textilproduzenten aus Herdecke und Hohenlimburg, die sogenannte "African Prints" produziert haben und nach Afrika verkauft haben. Das Buch ist dabei gestaltet wie eines der Textilmusterbücher, die im WWA im Bestand der Habig AG verwahrt werden. "African Prints" wurden von vielen verschiedenen europäischen Firmen produziert. Westfälisch sind diese nun, da sie in Westfalen produziert worden sind.
In den 50er und 60er Jahren setzte die Habig AG, Herdecke, gut ein Viertel ihrer Exporte in Afrika ab, u. a. in Südafrika, Nigeria, Kenia, Uganda und Marokko. Die kolonisierten Gebiete dienten europäischen Wirtschaftsinteressen. In diesem Fall sieht man auch, dass deutsche Firmen auch ohne deutsche Kolonien am Kolonialismus der Nachbarstaaten profitierten. Überkapazitäten der Industrie konnten mithilfe dieser abhängigen Absatzmärkte erlöst werden. Oft blieben wirtschaftliche Abhängigkeiten auch nach der Erlangung der Unabhängigkeit. Im Fall der westdeutschen Textilindustrie konnte das Afrika-Geschäft aber keine tiefgreifende Strukturkrise lösen. Sowohl die Heinrich Habig AG, Herdecke, als auch die Göcke & Sohn AG, Hohenlimburg, schlossen 1966 bzw. 1972 ihre Tore.
20/08/2026
Am Sonntag, den 13. September 2026, laden wir euch in das Westfälische Wirtschaftsarchiv bzw. dem denkmalgeschützten Gebäude der IHK zu Dortmund zum Tag des offenen Denkmals ein. Unter dem Motto NetzWERKE: Denkmale und Infrastruktur werden an diesem Tag in ganz Dortmund Denkmäler präsentiert. Das Wirtschaftsarchiv präsentiert historische Quellen zur städtischen Infrastruktur, zum Dortmunder Konsumverein, Dortmunder Brückenbauer, dem Flughafen Dortmund, und der Brauindustrie. Außerdem gibt es eine Führung durch das denkmalgeschützte IHK-Gebäude von 1930.
Der Tag des offenen Denkmals wird bundesweit koordiniert durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz und in Dortmund von der Unteren Denkmalbehörde der Stadt organisiert. Auf der Webseite der Stadt oder im WWA findet ihr auch die Broschüre zum Denkmaltag mit einem Text von unserer stellvertretenden Leiterin Nancy Bodden zu den frühen Verkehrsprojekten der Dortmunder Handelskammer.
20/08/2026
Am Sonntag, den 13. September 2026, laden wir euch in das Westfälische Wirtschaftsarchiv bzw. dem denkmalgeschützten Gebäude der IHK zu Dortmund zum Tag des offenen Denkmals ein. Unter dem Motto NetzWERKE: Denkmale und Infrastruktur werden an diesem Tag in ganz Dortmund Denkmäler präsentiert. Das Wirtschaftsarchiv präsentiert historische Quellen zur städtischen Infrastruktur, zum Dortmunder Konsumverein, Dortmunder Brückenbauer, dem Flughafen Dortmund, und der Brauindustrie. Außerdem gibt es eine Führung durch das denkmalgeschützte IHK-Gebäude von 1930.
Der Tag des offenen Denkmals wird bundesweit koordiniert durch die und in Dortmund von der Unteren Denkmalbehörde der Stadt organisiert. Auf der Webseite der Stadt oder im WWA findet ihr auch die Broschüre zum Denkmaltag mit einem Text von unserer stellvertretenden Leiterin Nancy Bodden zu den frühen Verkehrsprojekten der Dortmunder Handelskammer.
18/08/2026
Es war eine Sensation: Am 10. August 1930 landete das Luftschiff LZ 127 „Graf Zeppelin“ in Dortmund-Brackel. Der Zeppelin, in der damaligen Zeit eine technische Sensation und Revolution des Langstreckenflugs, sorgte für großes Aufsehen und lockte laut zeitgenössischer Berichterstattung zehntausende Zuschauer:innen nach Dortmund-Brackel. Aus Friedrichshafen kommend landete der Zeppelin für eineinhalb Stunden in Dortmund. Quellen zufolge soll die Dortmunder Bevölkerung von einer unglaublichen Begeisterung erfasst worden sein. So soll es Stunden vor der prognostizierten Ankunftszeit zu Verkehrsstaus auf der Märkischen Straße und rund um den Hauptbahnhof gekommen sein, der Dortmunder Flughafen war festlich geschmückt.
12/08/2026
✨ ✈️ Wusstest du, dass der Dortmunder Flughafen eine hundertjährige Geschichte hat? In den nächsten Wochen werden wir die ersten Jahre des Dortmunder Flughafens unter die Lupe nehmen und auf spannende Momente der Dortmunder Flughafen-Geschichte zurückblicken.
Offiziell eröffnet am 24. Mai 1925, etablierte sich der Dortmunder Flughafen, der damals noch in Dortmund-Brackel war, schnell als feste Größe im deutschen Luftverkehr. Schnell etwa gleich auf mit den Flughäfen von Köln, Düsseldorf und Essen, konnte man 1926 von Dortmund aus z. B. direkt nach Hamburg oder Amsterdam, und im Jahr 1927 über Zwischenstopps z. B. nach Malmö, Prag oder Budapest fliegen.
Im Jahr 1926 gründete sich schließlich die betreibende „Dortmunder Flughafen G.m.b.H.“ – welche dieses Jahr damit ihr 100-jähriges Jubiläum feiert. Beteiligt an der Gründung waren unter anderem das Deutsche Reich, das Land Preußen und die IHK zu Dortmund.
03/08/2026
✨ Wie Otto Seidel um eine traditionsreiche Industrie Westfalens kämpfte
Bis zum nahezu vollständigen Verschwinden in den 1980er Jahren war die Juteindustrie ein bedeutender Wirtschaftszweig für die Westfälische Wirtschaft. So waren 1962 von 20 Betrieben der deutschen Juteindustrie allein 12 in Westfalen, davon 6 in Emsdetten.
Doch im Zuge der Öffnung neuer internationaler Märkte geriet die Juteindustrie ab den Sechzigerjahren durch Importe aus dem Ausland, vor allem Indien, unter Druck. Die bedeutendste Figur der deutschen Juteindustrie in dieser Zeit: der gelernte Kaufmann Otto Seidel.
Otto Seidel, geboren 1920 in Berlin, war ab 1961 Geschäftsführer des „Fachverbandes der Juteindustrie e. V.“, der seinen Sitz in Emsdetten hatte. Bereits zuvor hatte sich Otto Seidel in dem Verband engagiert.
Sich der mangelnden wirtschaftlichen Perspektive der deutschen Juteindustrie bewusst, setzte sich Otto Seidel für niedrige Einfuhren ausländischer Juteerzeugnisse und hohe Zölle auf diese ein, um die deutsche Industrie zu schützen und langfristig geordnet abzuwickeln. Engagieren tat er sich auch auf europäischer Ebene, da die gesamte europäische Juteindustrie unter dem neuen Freihandel litt. Otto Seidel führte den „Fachverband der Juteindustrie e. V.“ bis zu seiner Auflösung im Jahr 1983.
31/07/2026
✨ 💻 Wusstet ihr, dass Europas erste Softwarefirma in Dortmund gegründet wurde?
Digitale Pionierarbeit aus Westfalen – Dortmunder IT-Branche mit langer Geschichte
Vor dem Strukturwandel waren unter anderem Kohle und Stahl die Motoren der westfälischen Wirtschaft, heute ist unter anderem die IT-Branche für die Wirtschaft Westfalens bedeutend.
Einen wichtigen Beitrag dazu leistete ihrer Zeit die Mathematische Beratungs- und Programmierungsdienst GmbH (mbp) – die erste Software-Firma Europas. Gegründet wurde das Unternehmen am 26. Februar 1957 von vierzehn Dortmunder Unternehmen, darunter die Hoesch Werke AG, die Dortmunder Bergbau AG, die Vereinigte Elektrizitätswerke Westfalen AG und die Dortmunder Stadtwerke.
In den Folgejahren entwickelte sich die mbp rasant und erzielte im Jahr 1982 einen Gewinn von über zwei Mio. DM. Zuvor hatte die Hoesch AG im Jahr 1971 sämtliche Anteile des Unternehmens übernommen und das Stammkapital auf 1 Mio. DM erhöht. Nach der Fusion von Hoesch und Krupp wurde mbp schließlich im Jahr 1993 an den amerikanischen Konzern EDS verkauft.
Du findest die Unternehmensgeschichte von mbp spannend? Dann komme gerne vorbei und untersuche sie mithilfe unserer Archivalien.
25/07/2026
Das Westfälische Wirtschaftsarchiv sammelt seit Jahrzehnten historisches Schriftgut und andere Überlieferungen der Wirtschaft in Westfalen und Lippe und macht die Quellen für die Wissenschaft und die Öffentlichkeit nutzbar. Was das konkret bedeutet und inwiefern uns der Förderverein Gesellschaft für Westfälische Wirtschaftsgeschichte e.V. unterstützt, haben wir für euch einmal zusammengefasst.
25/07/2026
✨ 🪑 Der moderne Bürostuhl? Seine Geschichte beginnt in Westfalen.
Westfälische Pionierarbeit in der Sitzergonomie: Büromöbelhersteller Drabert
Die im Jahr 1889 in Minden gegründete Firma Drabert war ein Pionierunternehmen der modernen Sitzergonomie.
Entstanden aus handwerklichen Wurzeln – Kunstschmiede und Schlosserei mit Dampfbetrieb – ließ sich Drabert 1922 den Stahlrohrdrehstuhl patentieren und brachte ihn anschließend 1926 auf den Markt. Ein wichtiger Abnehmer war die Reichspost. Der „Drabert-Stuhl“ wurde 1928 Normstuhl der deutschen Reichspost. Zwischen 1927-1932 stieg die Produktion auf etwa 2.500 Stühle an. Die Firma Drabert stellte seit 1936 ihre Produktion weitestgehend auf Rüstung um.
Nach 1945 stand der Name Drabert für wichtige Innovationen in der Sitzergonomie von Bürostühlen:
- 1954 Stufenlose Höhenverstellung
- 1958 Erste bewegliche Rückenlehne
- 1967 Deutsches Bundespatent für Antikyph-Modell, die erste ansteigende Sitzfläche
- 1973 Erste für einen Drehstuhl zu vergebene TÜV-Prüfplakette
- 1980 ergo data, Bundespatent für den ersten Bildschirmarbeitsplatz geeigneten Drehstuhl
- 1991 Erste automatische Körpergewichtseinstellung und Beckenbettung entwickelt in Kooperation mit Professor Hanns Schoberth
Mittlerweile gehört die Marke Drabert zum schwedischen Büromöbelhersteller Kinnarps. Die Produktion wurde 2015 von Minden nach Schweden verlagert.