18/04/2026
💚💚💚Ein Beitrag, den ich gerne teilen möchte, denn ich gehörte auch zu denen, die gedacht und gehofft haben, dass die ad-libitum Heu Fütterung das einzige sei, das für Offenstallpferde gut und für uns Menschen als Selbstversorger machbar ist.
Zum Glück haben wir in unserm kleinen Offenstall-Team vor einigen Monaten einen Entschluss gefasst: Wir probieren etwas neues aus um stoffwechselbedingte Erkrankungen unserer Pferde zu reduzieren und/oder vorzubeugen. Ein Pferd hatte plötzlich asthmatische Symptome und war aufgebläht wie ein Luftballon, eins hatte ständig dicke Sehnen, einen geblähten Dickdarm und eins Hufballen-/ Hufabszesse und war auch zu dick. Das Heu war gut, die Pferde wurden auch regelmäßig moderat bewegt.
"Wenn es nicht klappt, können wir immer noch zurück zum alten Plan" sagten wir uns. Glücklicherweise war das nicht nötig, denn wie Sonja schreibt, gibt es immer eine Lösung! Ich möchte Mut machen weiter- und umzudenken, nicht mehr haltbare Glaubenssätze zu hinterfragen und neue und bessere Strategien zu entwickeln.
Was unser Aufwand ist bzw. war? Eigentlich lächerlich, wenn man ihn zur Verbesserung der Gesundheit der Pferde in Relation setzt: 2 Zeitsteuerungs-Eieruhren, ein paar T-Pfosten, etwas Litze, Torgriffe und eine Kamera um die Technik zu überwachen. Mehraufwand: 3 Heunetzte pro Tag stopfen. That´s it. Wirklich. 💚
Ja, der Pferdedarm ist nicht dafür gemacht länger als 4 Stunden ohne Raufutter zu sein, aber eine ständige Überladung des Verdauungsapparates macht die Pferde dick, träge und krank."
Das Auge füttert mit" - das wichtigste ist, die Futtersituation täglich im Auge zu haben, um rechtzeitig reagieren zu können. Starre Futterpläne gehören meines Erachtens in die Tonne, genauso wie es ein no-go für mich ist Pferde hungern zu lassen.
Dafür gehört reichlich gutes Heu in die Raufe und ich denke (Bitter-) Kräuter sind heute in der Pferdeernährung wegen der Bitterstoffe und sekundären Pflanzenstoffen unverzichtbar.
☝️Ein ernstes Wort an alle PferdebesitzerInnen!
Wer wünscht sich nicht ein Reitpferd, das auch im Alter fit und gesund ist und noch so gut ausschaut wie hier der Lusitanohengst Marialva mit 27 Jahren? Einer der wichtigsten Faktoren hierfür ist natürlich eine fundierte Ausbildung aber auch eine vernünftige Fütterung ist dabei unerlässlich! Leider ist eine Verfettung der Pferde mit verheerenden Folgen wie verschiedene Stoffwechselerkrankungen heutzutage weit verbreitet und kann zum frühzeitigen Tod der Pferde führen. In der Verantwortung für unser geliebtes Pferd müssen wir das unbedingt verhindern und dürfen keine Ausreden dafür haben, dass das nicht ginge! Wir können diese Verantwortung nicht an den Reitstallbesitzer abgeben. Wie soll ein Stallbesitzer es allen recht machen??? Der eine möchte unbedingt 24 Stunden Heu und der andere möchte dies und der Dritte das. Die Pferde sind alle sehr unterschiedlich, so dass man immer individuelle Lösungen finden muss - und es gibt immer eine Lösung! Alles hat seinen Preis was bedeutet, dass man immer irgendetwas dafür in Kauf nehmen muss. Man muss wissen welche Faktoren wichtig sind und welche nicht. Die Orientierung bietet allein die Verfassung des Pferdes selbst. Keine Tabelle und keine Empfehlung und keine Haltungsform und keine Expertenmeinung, nur das Pferd selbst! Also muss es genau beobachtet werden und seine Entwicklung evtl. mit Fotos oder Filmen festgehalten werden, falls man es selbst nicht gut erinnert. Die anstehende Weisesaison ist erneut eine Phase, in der die Pferde verfetten können und besonders das fruktanreiche Gras am Anfang und zu bestimmten Wetterlagen kann äußerst schädlich auf verschiedene Rassen wirken, die nicht an unsere Breitengrade angepasst sind. Das betrifft nordeuropäische Pferde genauso wie südeuropäische Pferderassen.
Man muss also kreativ sein und sich mit den anderen Einstellern und dem Stallbesitzer um eine Lösung für das individuelle Pferd bemühen, welches sich auch im Laufe seines Lebens stark verändern kann (man sieht viele alte Pferd, die halb verhungert sind). Zur Futteraufnahmereduzierung gibt es so viele Möglichkeiten: Heunetze, Fressbremse, Wanderzaun, Intervall-Zugang zu Weise oder Heu und und und. Es erfordert Kreativität und manchmal auch einen Stallwechsel aber es gibt immer eine Lösung und es gibt keine Ausreden! Beispielsweise bekommt man Hufrehe nie mehr ganz weg und auch daran kann das Pferd qualvoll sterben. Ich habe viele Pferde daran sterben sehen oder es wurden erst nach schweren Schüben mit Hufbeinsenkung und Lebensgefahr gute Lösungen gefunden. Warum muss man darauf erst warten??? Und man kann gegen die Verfettung nicht durch Bewegung ankommen! Wobei ein gutes und ausreichendes Training natürlich unerlässlich ist. Dann müsste man schon den ganzen Tag reiten und dadurch wäre die Fresszeit auch reduziert. Natürlich muss das Pferd mit Raufutter ausreichend versorgt sein und sollte nicht viel länger als 4 Stunden ganz ohne Raufutter sein. Aber die Vorstellung die Pferde könnten das selbst regulieren lernen ist ein absoluter Irrtum, denn sie sind an andere Lebensumstände durch ihre Herkunft instinktiv angepasst und Verhalten sich nach ihrem genetischen Programm und nicht nach ihrer Verfassung! Es gibt Nordpferderassen, die sind auf ein so karges Nahrungsangebot angepasst, dass sie 18 Stunden täglich mit Fressen verbringen. Lässt man sie das mit dem hiesigen Futter tun, verfetten sie umgehend. Auch ein riesiger Heubauch (ohne Verfettung) ist für ein Reitpferd für die Entwicklung seiner Tragfähigkeit äußerst hinderlich. Wie soll es den Rumf heben, wenn der Bauch es ins Hohlkreuz zieht?
Um die Fresszeit besonders über Nacht lang genug zu halten, ist ein Netz mit Stroh oder ähnliches eine mögliche Lösung. Überhaupt ist zu grünes Heu für viele Pferde nicht gut. Es mit Stroh zu mischen oder eine spätere Ernte anzustreben sind mögliche Varianten. Viele Pferde brauchen trotzdem für den Muskelaufbau einiges an Getreide, was vollkommen aus der Mode gekommen ist.
Sich an Angaben aus Tabellen wie XY Kilo Heu/100 kg Lebendgewicht zu halten macht nur Sinn, wenn diese Menge zum Einzelfall passt. Es sind nur Richtwerte!
Man kennt es von den Menschen: bei derselben Kalorienmenge ist der eine sehr dünn und der andere zu dick und für den dritten passt es. Demnach muss man immer beobachten und evtl. nach individuellen Lösungen suchen und darf die Verantwortung weder an Tabellen noch an sonst irgendjemanden abgeben!
In Liebe und Verantwortung zu meinen Mitreitern und den Pferden! Eure Sonja 😘
Mehr zur gesunderhaltenen Reitpferdeausbildung in meiner Filmreihe:
https://www.sonja-weber-reitkunst.de/filme/
́gèreté
☝️ A serious word to all horse owners!
Who doesn't want a riding horse that is fit and healthy in old age and still looks as good as Marialva here at 27? One of the most important factors for this is, of course, sound training, but sensible feeding is also essential! Unfortunately, fatty horses with devastating consequences such as various metabolic diseases are widespread nowadays and can lead to the premature death of horses. In our responsibility for our beloved horse, we must prevent this at all costs and have no excuses for not being able to do so! We cannot hand over this responsibility to the stable owner. How is a stable owner supposed to please everyone? One wants 24-hour hay and the other wants this and the third wants that. The horses are all very different, so you always have to find individual solutions - and there is always a solution! Everything has its price, which means that you always have to accept something in return. You have to know which factors are important and which are not. The only orientation is the condition of the horse itself. No table and no recommendation and no way of keeping and no expert opinion, only the horse itself! So it has to be observed closely and development possibly recorded with photos or films if you don't remember it well yourself. The upcoming pasture season is again a phase in which horses can become fatty and especially the fructan-rich grass at the beginning and in certain weather conditions can be extremely harmful to various breeds that are not adapted to our latitudes. This affects northern European horses just as much as southern European horse breeds.
So you have to be creative and work with the other boarders and the stable owner to find a solution for the individual horse, which can also change a lot in the course of its life (you see many old horses that are half-starved). There are so many options for reducing feed intake: Hay nets, feeding brakes, moving fence, interval access to sage or hay and and. It requires creativity and sometimes a change of stable but there is always a solution and there are no excuses! For example, laminitis can never be completely eradicated and the horse can also die in agony. I have seen many horses die of laminitis, or good solutions were only found after severe episodes with sinking of the coffin bone and danger to life. Why do you have to wait for that? And you can't fight fatty degeneration by exercise! Then you would have to ride the whole day, which would also reduce the feeding time. Of course, the horse must be sufficiently supplied with roughage and should not go much longer than 4 hours without any roughage at all. But the idea that horses can learn to regulate themselves is an absolute mistake, because they are instinctively adapted to other living conditions by their origin and behave according to their genetic programme and not according to their condition! There are northern horse breeds that are adapted to such a meagre food supply that they spend 18 hours a day eating. If you let them do that with the local fodder, they immediately become fat. Even a huge hay belly (without fattening) is extremely detrimental to the development of a riding horse's carrying capacity. How is it supposed to lift its rump if its belly pulls it into a hollow back?
In order to keep the feeding time long enough, especially during the night, a net with straw or similar is a possible solution. In general, hay that is too green is not good for many horses. Mixing it with straw or trying to harvest it later are possible options. Many horses still need some grain for muscle building, which is completely out of fashion.
It only makes sense to follow tables like XY kilos of hay/100 kg of live weight if this amount fits the individual case. They are only guidelines!
We know it from humans: with the same amount of calories, one is very thin and the other too fat and for the third it fits. Therefore, one must always observe and possibly look for individual solutions and must not hand over the responsibility to tables or anyone else!
In love and responsibility to my fellow riders and the horses! Your Sonja 😘
More about the healthy training of riding horses in my film series:
https://www.sonja-weber-reitkunst.de/films/