01/10/2026
„Wir haben nicht darüber gesprochen.“
Dieser Satz ist uns von unserem Besuch in Maillé besonders in Erinnerung geblieben.
Am 25. August, am Tag der Gedenkfeier, trafen wir Überlebende und Zeitzeuginnen des Massakers in Maillé. Frau Châtenet (geborene Gandar) war zum Zeitpunkt des Massakers noch ein kleines Baby. Sie überlebte gemeinsam mit ihrer Familie mit viel Glück in einem Keller, in dem sie sich versteckt hatten. Ihre eigene Erinnerung an den 25. August ist deshalb vor allem mit den Erzählungen ihrer Eltern verbunden.
Ihre Eltern waren Lehrkräfte in der Umgebung von Maillé und erlebten nach dem Massaker, wie ihre Schulklassen plötzlich deutlich kleiner waren. Diese schreckliche Erfahrung, dass die Hälfte der Mitschülerinnen und Mitschüler nicht mehr lebten, teilen auch Frau Guitton und Frau Decout. Beide waren damals zehn Jahre alt und lebten in umliegenden Dörfern, sodass sie und ihre Familien das Massaker glücklicherweise überlebten.
Frau Guitton kam am Tag nach dem Massaker gemeinsam mit ihrer Mutter nach Maillé um nach den Großeltern und ihrer Tante, Onkel und Cousine zu sehen. Sie erinnert sich an diesen Besuch und daran, wie ihre Mutter versuchte, sie vor dem zu schützen, was sie dort vorfinden würde.
Doch das Gesehene geht ihr bis heute nicht aus dem Kopf. Über das Erlebte zu sprechen, blieb für beide Frauen lange schwierig. In vielen Familien wurde kaum über den 25. August gesprochen. Die Kinder wussten und spürten, dass etwas geschehen war. Sie merkten, dass die Erwachsenen darunter litten. Aber sie fragten nicht nach, aus Angst, den Schmerz ihrer Eltern noch größer zu machen. Auch unter den Kindern selbst wurde wenig darüber gesprochen. Deutschland und alles, was damit verbunden war, ist lange Zeit für viele Menschen ein Tabu gewesen. Erst im hohen Alter entstand bei Frau Châtenet und Frau Guitton der Wunsch, über die eigenen Erfahrungen zu sprechen und Erinnerungen an die nächsten Generationen weiterzugeben. Für ihre Kinder oder Enkel*innen, die sie auch zu der Gedenkzeremonie begleiten. Gleichzeitig bleibt das Bedauern, mit den eigenen Eltern nie über deren Erlebnisse gesprochen zu haben. 🕊🕯