05/04/2026
Aus dem Spiegel vom 05.04.2026 -
An dieser Stelle sprechen wir jede Woche mit einem Leser oder einer Leserin über die Kritik an einem unserer Beiträge
»Singen sollte man nicht abwerten.«
Der Leser Hans Bärenfänger aus dem nordhessischen Willingen hat die Kolumne »Letzte Patrone der FDP« kritisiert (hier der ganze Text (S+)). Blattmacher Hendrik Ternieden hat ihn angerufen.
SPIEGEL: Herr Bärenfänger, was hat Sie geärgert?
Bärenfänger: Ich schätze Markus Feldenkirchen und bin immer neugierig auf seine Texte. Aber in dieser Kolumne schreibt er, dass ein früherer Parteichef »Hoch auf dem gelben Wagen« geträllert habe. »Trällerte« – genau dieses Wort stört mich, auch wenn es eigentlich unbedeutend ist.
SPIEGEL: Warum?
Bärenfänger: Es klingt so salopp. Ein Lied allein oder im Chor zu singen, ist anspruchsvolle Kunst, trällern hingegen ist anspruchsloses Singen. Ich, 79-jähriger ehemaliger Musiklehrer, kann mich noch genau an den späteren Bundespräsidenten Walter Scheel von der FDP erinnern, wie er dieses Lied sang, nicht trällerte. Ich kann mich nicht daran erinnern, nachfolgende Bundespräsidenten so sangesfreudig erlebt zu haben, schade! Singen sollte man nicht abwerten, sondern aufwerten.