02/07/2021
Danke für den Beitrag 😂
5 Arten von Ausritten
1. Die Bummelrunde
Hört man es schon von weiten schnattern, kann es nur eines sein: Zwei Reiterinnen auf ihrer Bummelrunde. Die Bummelrunde ist an den meisten Reitställen eine feststehende Institution, auf welche bereits neunzehnhundertdrölf unsere Urgoßväter ihre Kreise zogen. Dabei ist die Bummelrunde meistens nicht mal besonders schön. Ihr einziger Vorteil ist eigentlich, dass sie gerade so lang ist, dass man ohne Probleme den neusten Stalltratschen austauschen kann, aber auf gar keinen Fall ins Schwitzen kommt. Ambitionierte Reiter nutzen die Bummelrunde sogar zum Warmreiten, während der Rest des gemeinen Fußvolkes sich nach dieser Anstrengung noch schnell eine Dose Prosecco in der Stallgasse gönnt, um die letzten dreckigen Details von Dressur-Doris Techtelmechtel mit dem Hufschmied zu diskutieren. Dadurch dass die Bummelrunde schon etwa eine Milliarde mal von sämtlichen Pferden des Stalls absolviert wurde, ist sie zudem nicht nur ideal für Lästerschwestern, sondern auch eine Alternative für faule Reiter. Da Heinz-Peter den Weg eh schon drölfzig Mal gelaufen ist, macht es keinen Unterschied mehr, ob da oben noch der Reiter wie der Affe auf dem Schleifstein hockt oder eben nicht. So tritt Heinz-Peter auch alleine ganz gemütlich seine Bummelrunde an, während Frau Reiterin entspannt ihre erste Dose Prosecco öffnet.
2. Das Selbstmordkommando
Jeder Reiter hat schon mindestens einen Ausritt erlebt, der nichts mit einer gemütlichen Bummelrunde zu tun hatte, sondern mehr einer plötzlichen Massenpanik glich. Die Zutaten für ein solches Fest für Adrenalinjunkies braucht eigentlich nur eine Zutat: Ein einziges beklopptes Pferd - oder einen einzigen bekloppten Reiter. Tatsächlich ist es nämlich so, dass es reicht, wenn ein einziges Pärchen wie eine besengte Sau nach vorne prescht. Da gibt es einen Konstruktionsfehler bei Pferden, denn sobald sie einen von sich rennen sehen, brennen sämtliche Synapsen durch. Dies führt dazu, dass plötzlich eine Meute von wildgewordenen Unpaarhufern durch die Innenstadt rennt und ohne Rücksicht auf Verluste Omas auf dem Zebrastreifen umrennt und Kindern ihren Lutschern klaut. Auch die berüchtigten Stoppelfeldrennen werden plötzlich zum Nahtoderlebnis, wenn zwanzig Pferde mit oder ohne Reiter unkontrolliert in Richtung der nächsten Autobahn laufen. Doch ein gutes hat das Selbstmordkommando: Hat man einmal einen solchen Ausritt überlebt, kann einem danach erstmal nichts mehr aus den Socken hauen.
3. Der Survival-Trip
Es gibt Ausritte, bei denen alles durchgeplant: Strecke, Gangart, Versorgung und mögliche Pipi-Pausen für Reiter mit besonders kleinen Blasen. Und dann gibt es den Survival-Trip. Diese entsteht meist dann, wenn eine oder mehrer verpeilte Reiterinnen sich überlegen „Lass mal da lang, da war ich noch nie!“. Dieser Ausruf führt immer zum selben Szenario: Nach zwei Stunden Ritt durch Fauna und Flora muss sich auch das naivste Reiterchen eingestehen, dass man hoffnungslos verloren ist. Irgendwie sieht alles gleich aus, gleichzeitig kommt einem aber nichts bekannt vor und man fragt sich ernsthaft ob man überhaupt noch in Deutschland ist. Erschwerend kommt noch hinzu, dass das Gelände immer unwegsamer wird und man sich nun nicht nur mit vollkommener Orientierungslosigkeit, sondern auch mit tiefhängenden Ästen, drei Meter hohen Brennnesseln und plötzlich auftauchenden Bächen herumärgern muss. Im besten Fall hat man in diesem Moment ein Pferd mit der Spezialfähigkeit Kompass unterm Sattel, dass sicher den Weg Richtung Stall einschlägt, solange Madam nur die Zügel locker lässt. Im schlimmsten Fall ergibt sich die Reiterin ihrem Schicksal und versucht schon einmal einen Unterstand aus Tannenzweigen für sich und das Pony zu bauen, während dieses sich an Waldbeeren satt frisst. Hier wird sie Stunden später von Dornen zerstochen, mit faustdicken Brandblasen von Brennnesseln und leicht dehydriert von Wanderern entdeckt, welche sie sicher zum Stall geleiten, welche nur wenige Meter Luftlinie entfernt liegt.
4. Das Training
Es gibt Leute, die sehen Ausritte als entspannte Runde im Gelände an. Und dann gibt es Leute, die es stattdessen eine zweistündige Trainingseinheit daraus machen. Wenn das Pferd einen Bikinibody haben will, muss schließlich etwas dafür getan werden. Darum steht statt Bummelrunde ein straffes Programm aus Galopp-Intervalltraining, Geländesprüngen und Dressurübungen auf dem Programm. Während die Tanten von der Bummelrunde maximal vom Öffnen des Proseccos verschwitzt sind, ist für den Sportler alles unter 10 Liter Schweißverlust kein richtiger Ausritt. Lustig wird es, wenn der Sportler mit seinem Arnold Schwarzenegger-Pferd mal einen anderen Reiter mit zu seinem Training nimmt: Während er mit seinem Pferd noch locker flockig durch die Gegend trabt, pfeift sein Opfer bereits aus dem letzten Loch pfeift und im Schneckentrab hinterherhechelt.
5. Die Wetterkatastrophe
Weiter reitet so spät durch Regen und Wind? Wenn das nicht bekloppte Reiter sind!
Normalerweise bevorzugt ein Reiter ja strahlenden Sonnenschein für seinen Ausritt. Wenigstens trocken sollte es aber alle mal sein. Leider werden wir Reiter nicht immer vom Wetter gesegnet. Und Frau Holle muss natürlich immer dann ihre Betten ausschütteln, wenn wir genau in der Mitte unserer Ausreitrunde sind. Ich meine was gibt es schöneres als ein hübscher Regenschauer im November, der dich bis auf die Knochen durchweicht? Oder ein bisschen Hagel? Insbesondere wenn sich dein Pferd während des Unwetters dafür entscheidet, dass es sich quer auf die Straße stellt und solange keinen Schritt vorwärts macht, bis das Unwetter abgeklungen ist. Übrigens ist es ein ungeschriebenes Gesetz, dass das schlechte Wetter genau dann aufhört, wenn man wieder am Stall ankommt. Nur die blauen Flecken vom Hagel zeugen dann noch von unseren Heldentaten.
Foto: Hier sehen Sie einen Bummel-Büffel.
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