21/06/2023
Keine Regeln auf der Straße. Das ist einer dieser Sätze, der zu gleichen Teilen wahr und komplett falsch ist. Natürlich gibt es keinen Schiedsrichter in einer Gewaltsituation, der Dich disqualifiziert, wenn Du einen "verbotenen" Schlag benutzt. Im Gefecht ist jede Aktion legitim, die Dich sicherer macht. Wir dürfen nur nicht den Kontext vergessen.
Wir leben in einem Rechtsstaat und müssen uns eventuell für unsere Handlungen vor Gericht verantworten. Gerade bei schwerer Gewalt ist eine polizeiliche und staatsanwaltliche Aufarbeitung wahrscheinlich. Einen Kampf zu überstehen, nur um danach wegen schwerer oder gefährlicher Körperverletzung verurteilt zu werden, ist kein Erfolg. Alle Konsequenzen von Gewalt müssen überstanden werden.
Neben juristischen Grundkenntnissen spielen die internen Regeln des Menschen eine große Rolle. Kein Verhalten ist völlig frei. Alle gelernten Normen, trainierten Fähigkeiten und prägende Erfahrungen bestimmen, wie Du eine Situation definierst und interpretierst. Zwei Menschen kämpfen. Einer ist, seit er denken kann mit Gewalt sozialisiert und hat keine Hemmungen, Menschen zu verletzen. Der andere ist friedlich aufgewachsen und denkt ein Straßenkampf wäre ein Kampf um Ansehen und Status. Wer wird wohl gewinnen?
Sozialer und psychologischer Kontext bestimmen, was wir tun. Sich in der Vorbereitung auf Gewalt nicht mit Notwehrrecht und Ethik auseinanderzusetzen ist fahrlässig. Vollständiger Selbstschutz bereitet auf alle erwartbaren Probleme vor.