31/12/2020
Die Schwere des Jahres hat sich nach und nach wie eine dunkle Decke über das gedeckt, was unsere Gesellschaft als Kindheit versteht. Vielleicht seid ihr persönlich gut durch das Jahr gekommen mit eurer Familie. Das ist schön. Und dennoch hat sich ein Schatten gelegt auf den Blick auf Kinder und Kindheit.
In diesem Jahr wurden Kinder in besonderer Weise instrumentalisiert für die Interessen erwachsener Menschen, für Wirtschaft und Politik. Kinder wurden auf Demonstrationen als Schutzschilde genutzt, im Dienste der Kindheit wurden Kitas und Schule entweder unbedingt offen gelassen oder geschlossen. Kein Musikunterricht, das sei eine Katastrophe, erklärte eine Musiklehrerin. Ist das die Katastrophe der Kinder? Viel von dem, was über Kinder gesagt wurde, ging an der Realität dessen vorbei, was Kinder wirklich gebraucht hätten, was der Vielfalt ihres Seins Rechnung trägt: Dass wir nämlich beispielsweise Konzepte für Kitas und Schulen brauchen, die sowohl Distanz ermöglichen als auch gut geschützte Präsenz (auch im Sinne der dort arbeitenden Menschen) anbieten für jene, die das dringend brauchen.
Es wurde erklärt, dass Kinder Schule und Kita als Schutzraum brauchen würden vor Gewalt. Und ja: Wir HABEN noch immer ein Problem mit Gewalt in Familien und nun ganz besonders. Zum Tag der Kinderrechte hörten wir dieses Jahr, dass die Hälfte der Menschen hierzulande Ohrfeigen und Schlagen auf den Po akzeptieren. Die Forderung, Schule/Kita deswegen offen zu halten zeigt auch, dass es versäumt wurde, Kinder anderweitig richtig zu schützen und diesen Schutz auszubauen & ausreichend zu finanzieren.
Es wurde über Kinderrechte gesprochen, ohne dass die wirklichen Bedürfnisse der Kinder beachtet wurden. Und während wir hier über Schutz und Rechte sprachen, wurden woanders in Schlamm und Kälte nachts Kinder von Ratten angenagt. Es war ein dunkles Jahr für Kindheit und Kinderrechte.
Dieser Post endet deswegen mit dem Aufruf: Lasst es uns im nächsten Jahr anders machen. Lasst uns gemeinsam für echte Kinderrechte, Beteiligung, Wertschätzung und Achtung eintreten. Hier und weltweit, denn Bedürfnisorientierung kann nur ganzheitlich gesehen werden.
Foto: für geborgen-wachsen.de, Susanne Mierau mit einem ihrer Kinder