12/04/2026
Letztens ist mir ein Buch in die Hände gefallen: "Die besten Wege das Kita-Chaos zu überleben. Das Anti-Stress Buch für Erzieher“.
Da habe ich mir gedacht, was läuft falsch in Deutschlands Kitas, wenn Erzieher*innen Survivaltipps bekommen und am liebsten nur noch Teilzeit arbeiten wollen, weil man einen 8 Stunden Tag in einer Kita vom Lärm und Stress her nicht als „normalen Arbeitstag“ bezeichnen kann?
Kitas in Deutschland sind unterfinanziert, das ist wohl allen klar, die ein Kind in einer Kita haben und den ständigen Personalmangel live erleben. Nicht nur der Fachkräftemangel ist schuld, sondern auch ein Personalschlüssel, der ohne Freiwillige und Praktikant*innen gar nicht funktioniert. Der Personalmangel tritt ein, wenn auch nur einer krank ausfällt. Also sozusagen ständig! Und die verbleibenden Erzieher*innen werden derart überbelastet, dass sie selbst bald krank werden.
Aber Geld allein ist noch nicht das ganze Problem. Es gibt noch ein systemisches: und das lautet, dass eine normale Kita für ein Kind ein Ort ist, an dem es sich mehr fremdbestimmt als selbstbestimmt fühlt. Ein Ort an dem man als Kind mehr funktionieren lernt als einfach sein kann. Ein Ort an dem man „überleben“ lernt, aber wenig Selbstwirksamkeit und Selbstbestimmung erfahren kann – zwei unabdingliche Grunderfahrungen für die mündige demokratischen Bürgerin (weitere Geschlechter sind hier mitgedacht), die später noch Vertrauen in ein demokratisches System aufbringen soll.
Wollen wir wirklich so unsere Kinder „erziehen“? Ihnen erst die Selbstbestimmung abtrainieren und uns dann wundern (oder aus Sicht einer Wirtschaftselite es auch wahrscheinlich toll finden), dass die meisten Menschen kein Vertrauen in demokratische Mitgestaltungs-Prozesse haben?
Geht es auch anders?
Wie sieht eine Kita aus, in der die Selbstbestimmung von Kindern ganz oben auf der Prioritätenliste steht? Ohne dass Erwachsene die klare Führung abgeben und Kinder sich selbst überlassen?
Es gibt einige engagierte Kitas, die ihr pädagogisches Konzept nicht danach gestrickt haben, was Kinder noch alles lernen sollen. Sondern wie die Kita ein Raum sein kann, wo Erwachsene gerne „arbeiten“ und Kinder RUHE finden, sich in selbstgewählte Aktivitäten zu versenken, die ihrer Entwicklung gerade am meisten dienen. Wo es das Vertrauen in Kinder gibt, dass diese – sofern sie nicht im Stress sind und außer sich – sehr gut wissen, wann und wieviel sie essen oder schlafen wollen und was sie tun wollen, um innerlich den nächsten Entwicklungsschritt machen zu können.
Was braucht es, damit Erwachsene solche „Lebensorte“ statt Kindergärten im Stress schaffen können?
Wie kommt man weg vom übergriffig-pädagogischen Handeln hin zu einem Ort, wo Kinder authentisch Erwachsene erleben, die tätig sind und wo Kinder mitmachen, nachmachen und selbst ausprobieren dürfen, was sie können oder nicht können. Ein Ort, der prall gefüllt mit Erfahrungsangeboten ist, aber nicht mit pädagogischem Programm, das absolviert werden muss.
Welche Visionen helfen Erwachsenen, diese offenen und gleichzeitig beschützten Kindheitsräume zu erschaffen? In denen Kinder viel, aber nicht alles dürfen und nie allein gelassen sind. In denen unterschiedlichste Kinder glücklich werden können, z.B. auch neurodivergente Kinder, weil es keinen einen richtigen Alltagsablauf gibt, der für alle passen muss.
Wenn Du einen Einblick bekommen willst, was diese Kitas anders machen, dann bist Du herzlich eingeladen zum Tagesworkshop „Reinventing Kindergarten“, wo Du etwas mehr über die Kita Wilde9 lernst und vor allen Dingen mit der Gründerin selbst ins Gespräch kommen kannst.
Samstag, 9. Mai 2026 – Fortbildungstag auf dem Mirabellenhof
„Reinventing Kindergarten“
https://integermiteinander.de/reinventingkindergarten/