26/06/2026
Mit Sieb und Bratpfanne gegen den Drachen (Theater)
Die beängstigende Aktualität von Jewgeni Schwarz´ politischem Märchen aus dem Jahr 1943 hat zur erneuten Aufführung von „Der Drache“ durch die Biesdorfer Theatergruppe Ludigaudens am SJG Biesdorf geführt. Bereits 1995 wurde das Stück unter Christine Conradt inszeniert.
Die Neuinszenierung im Jahr 2026 unter Stephanie Jost und Johanna Dillenburg lebte von dem richtigen Maß an Ernst und Komik, erwachsen aus dem Zusammenspiel verschiedener Faktoren. Sei es durch die sehr gelungene überspitzte Darstellung des dreiköpfigen Drachen durch Franziska Decker, Finja Heckel und Jan Frieberz-Wittmer, die jede/r in ihrem eigenen Stil verschiedene Charaktereigenschaften des Drachen verkörperten – schmeichlerisch-hinterlistig, autoritär, rational. Oder durch die Belustigung über die gelungene komödiantisch-ironische Darstellung der Opportunisten wie dem Bürgermeister seitens Noah Moon und seinem Sohn, gespielt von Raphaela Kockelmann (im Wechsel mit Emma Fouts). Mitleid und Bewunderung erregte die zu opfernde Jungfrau Elsa, die sich von naiver Opferbereitschaft zu kritischem Denken wandelte, eindrücklich dargestellt von Saskia Nusbaum. Zum Schmunzeln regte die Euphorie um den Helden Lanzelot – zunächst nur mit Sieb und Bratpfanne ausgestattet – an, der dennoch mutig mit Verstand und Skepsis gegen den Drachen und den Untertanengeist des Volkes in den Kampf zog. Beherzt verkörpert wurde er von Marlo Allar. Auch weitere, überzeugend dargestellte Märchenfiguren durften nicht fehlen, und so verwunderte es nicht, dass sich Kater (Frida Neumann) und Esel (Dennis Büttner) über die ungerechte Weltordnung und Dummheit der Menschen unterhielten. Im Sinne der Aktualisierung fanden sich auch immer wieder Anspielungen auf gegenwärtige Debatten, etwa um die Inflation mit Teuerung von Lebensmitteln und Benzin, „Ja heißt ja“ oder Populismus und Propaganda.
Die musikalische Untermalung, gezielte Lichteffekte, eine gekonnte Choreographie der Gruppenauftritte und das reduzierte, aber durch den dreiköpfigen Drachen als omnipräsente Instanz nicht weniger imposante Bühnenbild rundeten die gelungene Inszenierung ab. Wieder einmal zeigte sich, dass der Theater-Nachwuchs der Schauspieler und Bühnentechniker (Jonas Eiden, Ben Mayer, Felix Nusbaum) von Ludigaudens bereits versierte Könner ihres Metiers sind.
Mitzunehmen bleiben Appell und Mahnung der Jungfrau Elsa an das Volk, alle werden zum Drachen, wenn wir nicht aufpassen.