25/10/2021
Wie stark Wissenschaftler*innen, die sich in der Öffentlichkeit äußern, von Hatespeech betroffen sind, zeigt dieser Artikel in Nature. Dazu Prof. Dr. Michael Brüggemann,
Professor für Kommunikationswissenschaft, Klima- und Wissenschaftskommunikation, Universität Hamburg, in einem Beitrag des Deutschen Science Media Center:
„Der Artikel in ‚Nature‘ weist auf durchaus gravierende Probleme hin, die einige Wissenschaftler*innen bekommen haben, die sich zum Thema COVID-19 geäußert haben. Allerdings beruht die zugrundeliegende Umfrage auf einer für einige Länder sehr schwachen Datengrundlage. Es ist leider keine wissenschaftlich begleitete Umfrage, so wissen wir zum Beispiel nichts über die Antwortrate in den verschiedenen Ländern. Daher ist es so, dass wir die Prozentwerte in der Befragung mit größter Zurückhaltung interpretieren müssen. Offenbar gibt es ein Problem mit Aggression gegenüber Wissenschaftler*innen. Aber offen ist: Wie weit verbreitet ist diese Aggression wirklich und in welchen Ländern und Randbedingungen trat sie auf? Die Befunde sind also ein Ansporn für eine systematische, wissenschaftliche Untersuchung.
Die Studie sollte niemanden entmutigen, sich frei gegenüber Journalist*innen und auf Social Media zu äußern. Nur müssen wir in einer polarisierten Debatte auf sozialen Netzwerken auch mit unsachlichen und überzogenen Reaktionen rechnen. Das heißt umgekehrt nicht, dass wir Beleidigungen, Verleumdungen oder Drohungen passiv erdulden müssen. Sowohl die Arbeitgeber*innen, also Universitäten und Forschungsinstitute, sollten eine Anlaufstelle für Betroffene anbieten, aber auch die Science Media Center selbst könnten überlegen, ob Sie eine zentrale Anlauf- und Beratungsstelle anbieten können."
Dozens of researchers tell Nature they have received death threats, or threats of physical or sexual violence.