09/06/2015
"Historisch gesehen, ist der Satz vom Antisemitismus, der in der Mitte der Gesellschaft 'angekommen' sei, falsch. Antisemitismus war immer zunächst ein Phänomen der Gebildeten. Er ging von den Schreibtischen der Gelehrten aus, von den Theologen und Hofpredigern, von Philosophen, Juristen und Journalisten. Das wissen viele nur nicht, weil 1900 Jahre Judenfeindschaft gegenüber den zwölf Jahren der NS-Herrschaft in den Hintergrund treten. Oder anders gesagt: 60, 70 Jahre Aufklärungsarbeit in der Nachkriegszeit stehen gegen zwei Jahrtausende kulturell tradierte Judenfeindschaft. Auch deshalb ist die Annahme gefährlich, verbale Gewalt sei ja nicht so schlimm."
Die Frankfurter Rundschau interviewt Monika Schwarz-Friesel zu aktuellem Antisemitismus in Deutschland.
http://www.fr-online.de/kultur/antisemitismus-in-deutschland-der-gebildete-antisemit,1472786,30899588.html
Der Antisemitismus, so die Erkenntnis der Forscherin Monika Schwarz-Friesel, grassiert gerade unter Gebildeten. Und: „Die Gegenwehr schwindet.“ Ein FR-Gespräch über deprimierende Entwicklungen, die im Windschatten einer Überdruss-Mentalität Platz finden.