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Encyklopedia Polek za granicą / Enzyklopädie polnischer Frauen im Ausland

13/05/2024

Autorin: Julia Szenwald
Mirosława Kocowa
Geboren am 31. Januar 1908 in Stanisławów, hingerichtet am 16. Februar 1943 in Plötzensee.
Mirosława war eine gelernte Buchhalterin, wohnte in Warschau, arbeitete in einer Bank. Sie gehörte zu den polnischen Frauen, die direkt mit dem polnischen Untergrund zusammenarbeiteten. Sie engagierte sich in den Nationalen Streitkräften (NSZ), einer antinazistischen und antikommunistischen Gruppierung, und gehörte dem Nachrichtendienst an, der für den Bereich Berlin Tegel zuständig war. Sie galt als eine Verbindungsperson (Botin) der Außenstelle "Z" der Heimatarmee zwischen Berlin und Warschau. Sie gehörte der Militärorganisation Związek Jaszczurczy (OWZJ, dt.: Eidechsenverband), einer polnischen Widerstandsorganisation mit nationalistischer Ausrichtung, die 1939–1942 tätig war. Hierhin gehörten Mirosława Kocowa, Halina Konieczna, Henryka (Nina) Veith und Wanda Węgierska. Die Berliner Gruppe wurde von Kollaborateuren denunziert, ihre Mitglieder wurden am 18. II. 1942 verhaftet und alle oder fast alle hingerichtet.

Leider fungiert Kocowa als historische Figur nur als Ergänzung zu den Biografien anderer Widerstandskämpfer, Männern, nie als Frau oder eigenständige Person.

"die Stille der Landschaft"
hallt dumpf wider
es gibt nur Schnee
und diese glänzende Klinge
der Augenblick ist gleich
vorüber
Blut wird die Hände beflecken
die Menschlichkeit ist dahin
ich schaue
der Qual ins Gesicht
die Stille der Landschaft
hallt dumpf wider
die Wasserfläche bleibt unerbittlich
regungslos
Warten wird mich auslöschen
doch mein Gedanke
wird nie
verglimmen
die Stille der Landschaft
hallt dumpf wider
mit erhobenem Haupt
werde ich mich
der Ungerechtigkeit stellen
und am nächsten Tag
taucht die Welt
in grenzenlose Freiheit

Übersetzt von Dorota Cygan

Mehr: polkopedia.org/wiki/Mirosława_Kocowa_(DE) / https://polkopedia.org/wiki/Miros%C5%82awa_Kocowa_(PL)

Bild von Anna Krenz.
Beitrag gefertigt vor, während und nach dem Workshop "Frauen im Schatten der Guillotine. Polinnen im Gefängnis Plötzensee" am 2.12.2023". Das Projekt ist gefördert von der Stiftung EVZ (Erinnerung Verantwortung Zukunft): www.stiftung-evz.de. Diese Veröffentlichung stellt keine Meinungsäußerung der Stiftung EVZ dar. Für inhaltliche Aussagen tragen die Projektleiterinnen die Verantwortung.

10/05/2024

Autor: Norbert Kollenda

Wiesława Jezierska
Geboren am 13. Oktober 1912 in Vorkarpatenland, hingerichtet am 09. März 1943 in Plötzensee.

Wiesława Jezierska wurde zusammen mit der schwangeren Olga Prokop bei der Operation „Dorsche“ - so die Bezeichnung für britische Gefangene - an der bulgarisch-serbischen Grenze verhaftet. Sie waren dabei, zwei britische Piloten über die Grenze zu lotsen. Die beiden Briten konnten zuerst die Grenze passieren, die Frauen wurden sofort verhaftet und in ein Wiener Gefängnis überführt. Dort blieben sie, bis Olga entbunden hatte. Dann wurden sie nach Berlin gebracht und wegen „Feindbegünstigung” zum Tode verurteilt. Beide erhielten ein grausames Todesurteil durch die Guillotine, das am 9. März 1943 vollstreckt wurde. Die Briten dagegen haben den Krieg in Offlags überlebt. Während der Prozesse haben die Frauen niemanden verraten, die britischen Offiziere dagegen verrieten alle polnischen Helfer, die sie bei der Flucht aus dem Gefängnis und quer durch Europa unterstützten.
Wiesława Jezierska wurde am 09. März 1943 in Plötzensee mit dem Fallbeil hingerichtet.

Mehr: polkopedia.org/wiki/Wies%C5%82awa_Jezierska_(DE)

Bild von Anna Krenz.

Beitrag gefertigt vor, während und nach dem Workshop "Frauen im Schatten der Guillotine. Polinnen im Gefängnis Plötzensee" am 2.12.2023". Das Projekt ist gefördert von der Stiftung EVZ (Erinnerung Verantwortung Zukunft): www.stiftung-evz.de. Diese Veröffentlichung stellt keine Meinungsäußerung der Stiftung EVZ dar. Für inhaltliche Aussagen tragen die Projektleiterinnen die Verantwortung.

06/05/2024

Autorin: Ela Kargol

Wilhelmine Günther
Geboren am 18. Juli 1917 in Posen, hingerichtet am 9. Juni 1944 im Strafgefängnis Plötzensee.
Wilhelmine wurde 1917 in Poznań geboren. Ihre Eltern lebten in Jeżyce (Jersitz) in der heutigen ul. Staszica, damals Moltkestraße.
Die katholische Familie Günther gehörte wahrscheinlich der St.-Florian-Gemeinde in der Kirchstraße an. Möglicherweise wurde Wilhelmine dort getauft.
Die Tochter einer Polin und eines Deutschen wuchs in der multikulturellen Vielvölkerstadt Posen auf. Sie besuchte die Grundschule in Jersitz. Später kam sie auf das Schiller-Gymnasium, eine der Posener Schulen für die deutsche Minderheit. Nach dem Ersten Weltkrieg, als viele Deutsche Posen verließen, sind die Günthers dort geblieben. Sie wuchsen in die Stadt hinein, weil in ihrem Leben das Handwerk und die Klientel zählten. Günthers waren Schneider, geschätzte Handwerker.
Wilhelmines Jugend fiel in die Zeit, als in Poznań das Polnische infolge der Wiedererlangung der polnischen Staatlichkeit mit besonderem Nachdruck gepflegt wurde. Sie nahm die Stadt und beide Kulturen in sich auf, die polnische und die deutsche, und die Tatsache, dass sie sich in einen Polen aus demselben Wohnhaus verliebte, brachte ihr einerseits viel Freude und Hoffnung, andererseits führte es zum großen Unglück.
1938 kam Wilhelmine auf eine renommierte Städtische Handelsschule. Hier befreundete sie sich mit den polnischen Schülerinnen, die später einen großen Einfluss auf sie hatten. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges engagierten sie sich im Widerstand und wurden alle verhaftet.
Inzwischen war Wilhelmine mit dem Polen Antoni Jagła verlobt. Er wurde inhaftiert und in Auschwitz ermordet, ihr gemeinsames Kind Maria starb wenige Tage nach der Geburt im Krankenhaus. Wilhelmine setzte sich bewusst mit der NS-Schreckensherrschaft auseinander. Sie war eine deutsche Frau, die sich gegen den Faschismus stellte, die Rassengesetze, das Morden, die Folter, die Unrechtsurteile, die Konzentrationslager und die Vernichtung der Juden missbilligte.
Im Winter 1942 legte Wilhelmine den Eid auf die Heimatarmee ab und wurde AK-Soldatin. Sie war im Widerstand aktiv und arbeitete für den Geheimdienst S-7.
In ihrer sicheren deutschen Wohnung in der Bäckerstraße gab es eine Kontaktstelle. Die als Kuriere tätigen Frauen trafen sich und übernachteten dort. Um näher an nützliche Informationen zu kommen, wechselte Wilhelmine ihren Arbeitsplatz.
Anfang November 1943 wurde sie zusammen mit ihrer Mutter verhaftet. Das Urteil für die Mutter war ein Freispruch, für Wilhelmine - das Schlimmste vom Schlimmsten. Wilhelmine wurde ins Gefängnis Moabit verlegt, dann in die Barnimstraße. Die letzte Station war Plötzensee.
Das Urteil wurde am 9. Juni 1944 vollstreckt. Zeitpunkt des Todes: 13.03 Uhr.

Mehr: polkopedia.org/wiki/Wilhelmina_Günther

Bild von Anna Krenz.

Beitrag gefertigt vor, während und nach dem Workshop "Frauen im Schatten der Guillotine. Polinnen im Gefängnis Plötzensee" am 2.12.2023". Das Projekt ist gefördert von der Stiftung EVZ (Erinnerung Verantwortung Zukunft): www.stiftung-evz.de. Diese Veröffentlichung stellt keine Meinungsäußerung der Stiftung EVZ dar. Für inhaltliche Aussagen tragen die Projektleiterinnen die Verantwortung.

03/05/2024

Autorin: Marzena Zajączkowska

Weronika Augustyniak

Geboren am 30. November 1899 im Landkreis Konin, hingerichtet am 15 August 1942 in Plötzensee.

Weronika Augustyniak, geborene Nowak, wurde am 30. November 1899 in Borki bei Konin geboren. Sie war Landwirtin und lebte mit ihrem Mann Józef, ihrer 9-jährigen Tochter und ihrer 75-jährigen Mutter in Borki.
Im September 1941 half das Ehepaar Augustyniak dem sowjetischen Kriegsgefangenen Fjodor Asarow, der aus einem deutschen Kriegsgefangenenlager geflohen war. Das Paar versorgte ihn mit Unterkunft und Essen. Aufgrund einer Denunziation wurde der 28-jährige Asarow im November 1941 von einer deutschen Gendarmeriepatrouille aus einem Versteck in der Nähe des Augustyniak-Hofes verschleppt. Dann verhaftete die Polizei am 25. November 1941 weitere Personen, darunter Józef Augustyniak, und am 21. Februar 1942 wurde auch Weronika Augustyniak verhaftet. Weronika wurde in Konin und anschließend im Gefängnis Alt-Moabit in Berlin inhaftiert. Der Volksgerichtshof verurteilte das Ehepaar am 28. Mai 1942 wegen „Schadens“ des Reiches im „Krieg gegen das Deutsche Reich“, wie es im Urteil heißt, zum Tode.

Mehr: polkopedia.org/wiki/Weronika_Augustyniak

Bild von Anna Krenz.

Beitrag gefertigt vor, während und nach dem Workshop "Frauen im Schatten der Guillotine. Polinnen im Gefängnis Plötzensee" am 2.12.2023". Das Projekt ist gefördert von der Stiftung EVZ (Erinnerung Verantwortung Zukunft): www.stiftung-evz.de. Diese Veröffentlichung stellt keine Meinungsäußerung der Stiftung EVZ dar. Für inhaltliche Aussagen tragen die Projektleiterinnen die Verantwortung.

Photos from Polkopedia's post 29/04/2024

Autor: Wiktor Pahl

Melania Kmiotek
Geboren am 17. September 1892 im preußischen Broniewo im Kreis Hohensalza, hingerichtet am 12. September 1942 in Plötzensee.
Melania Kmiotek war die Ehefrau von Leo (Leon) Kmiotek, dem Begründer und Leiter der polnischen Widerstandsbewegung im Rahmen der Militärorganisation der Westgebiete (WOZZ - Wojskowa Organizacja Ziem Zachodnich). Die Organisation wurde von polnischen Berufsoffizieren gegründet und plante einen Militär-Aufstand gegen die Deutschen.
Melania unterstützte ihren Mann und war somit über seine Geheimpläne unterrichtet.
Sie wurde am 28. Juni 1940 festgenommen, am 11. August 1942 vom 1. Strafsenat des Oberlandesgerichts Posen wegen „Vorbereitung zum Hochverrat” zum Tode verurteilt und am 12. September 1942 im Plötzensee hingerichtet.

12. September am See:

"am Winkler 18
in Posens Lazarus
werden sie nicht
zurückkehren

niemals

sie werden nicht
Spaß haben
lachen
weinen
lieben
leben

die Klinge schnitt
ihre Hälse
durch
am selben
Septembernachmittag

nur weil

weil sie mehr
als sich
die Freiheit
liebten"

Übersetzt von Dorota Cygan

Mehr: polkopedia.org/wiki/Melania_Kmiotek_(DE) / polkopedia.org/wiki/Melania_Kmiotek_(PL)

Bild von Anna Krenz.

Beitrag gefertigt vor, während und nach dem Workshop "Frauen im Schatten der Guillotine. Polinnen im Gefängnis Plötzensee" am 2.12.2023". Das Projekt ist gefördert von der Stiftung EVZ (Erinnerung Verantwortung Zukunft): www.stiftung-evz.de. Diese Veröffentlichung stellt keine Meinungsäußerung der Stiftung EVZ dar. Für inhaltliche Aussagen tragen die Projektleiterinnen die Verantwortung.

Photos from Polkopedia's post 26/04/2024

Autorin: Marzena Zajączkowska

Pelagia Dobrzykowska

Geboren am 23. Oktober 1911 im Umkreis von Poznań, hingerichtet am 16. März 1940 in Plötzensee.

Pelagia geb. Jerzewska war Tochter des Landarbeiters Władysław und dessen Frau Wiktoria. Sie verlor sehr früh ihren Vater. Nach seinem Tod zogen Pelagia und ihre Mutter zu ihren Großeltern und 1924 zu ihrem Stiefvater Jan Górny. Pelagia beendete die Schule und lernte in Poznań Stickerei. Im Alter von 18 Jahren verlor sie ihren Stiefvater, der bei einem Arbeitsunfall bei der Eisenbahn verunglückte. In dieser Zeit half sie ihrer Mutter bei der Feldarbeit und übernahm verschiedene Stickerei-Aufträge. Am 13. April 1936 heiratete sie Leon Dobrzykowski aus Łagiewniki und brachte 1937 ihren Sohn Henryk zur Welt. Kurze Zeit später starb plötzlich ihr Mann. In ihrem kurzen Leben verlor sie drei Männer, die ihr nahe standen.
Am 2. September 1939 wurde sie sowie die Bewohner der Dörfer Łagiewniki, Morasko, Suchy Las, Glinno und Glinienko, die auf den umliegenden Feldern arbeiteten, Zeugen eines Luftgefechts zwischen dem polnischen Piloten Włodzimierz Giedymin (der ein Flugzeug vom Typ P-11c flog) und einem deutschen Flugzeug vom Typ Heinkel He 111J. In diesem Gefecht wurden die beiden überlebenden deutschen Piloten (Prugel und Hackl) von den Polen gefangen genommen und den polnischen Behörden übergeben.
Als die NS-Armee in das Gebiet vorrückte, kam es zu Massenverhaftungen der polnischen Bevölkerung, die Zeugen des Gefechts waren, zu denen neben Pelagia Dobrzykowska auch Bronisław Łuczak, Marta Buszka, Józefa Ratajczak, Jan Lipiński, Jan Maciejewski, Władysław Cichoszewski und Józef Wróblewski gehörten. Die sieben Angeklagten wurden vom Gericht zunächst zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Durch ein Urteil des NS-Sondergerichts in Poznań vom Januar 1940 wurden jedoch alle zum Tode verurteilt. In dieser Zeit wurde Pelagia aufgrund ihrer Körpergröße in den sog. Schauen als lebendes Exemplar des Feindes “ausgestellt”.
***
Am 12. Mai 1968 wurde an der Stelle des ehemaligen Dorfes Łagiewniki, auf dem Gelände des heutigen Truppenübungsplatzes Biedrusko, das Denkmal für die Opfer des Faschismus feierlich enthüllt.

Mehr: polkopedia.org/wiki/Pelagia_Dobrzykowska_(DE) / polkopedia.org/wiki/Pelagia_Dobrzykowska_(PL)

Bilder von Anna Krenz.

Beitrag gefertigt vor, während und nach dem Workshop "Frauen im Schatten der Guillotine. Polinnen im Gefängnis Plötzensee" am 2.12.2023". Das Projekt ist gefördert von der Stiftung EVZ (Erinnerung Verantwortung Zukunft): www.stiftung-evz.de. Diese Veröffentlichung stellt keine Meinungsäußerung der Stiftung EVZ dar. Für inhaltliche Aussagen tragen die Projektleiterinnen die Verantwortung.

Photos from Polkopedia's post 22/04/2024

Autor: Pascal Folleher

Marta Buszka
Geboren am 23. Januar 1916 im Kreis Posen, hingerichtet am 16. März 1940 in Plötzensee.
Martha Buszka war die Tochter von Emil und Dorothea Bomke. Ihr Ehemann, Jan Buszka starb 1936 bei dem Versuch, ertrinkende Kinder zu retten, die in einen zugefrorenen See gefallen waren. Sie hatte zwei Kinder, Bogdan und Hieronim.
Zu Kriegsbeginn im September 1939 wohnte sie weiterhin in ihrem Geburtsort Erdmannswalde (Łagiewniki).
Am 2. September 1939 stürzt eine deutsche „Wettererkundungsmaschine” nach einem Feuergefecht mit einem polnischen Jagdflugzeug bei Erdmannswalde ab. Zwei Besatzungsmitglieder des Flugzeugs landen mit ihren Fallschirmen schwer verletzt in der Nähe des Dorfes und ergeben sich der versammelten Menge von Dorfbewohnerinnen und Dorfbewohnern. Bis die zwei deutschen Kriegsgefangenen einem Beamten übergeben werden können, werden sie von mehreren anwesenden Männern und Frauen beraubt, mit Gegenständen geschlagen und beschimpft. Auch Martha Buszka beteiligt sich an der physischen Misshandlung der Gefangenen. (Dies ist eine der Versionen dessen, was passiert ist. Andere bezeugt, dass beide Gefangene versorgt und verarztet wurden Wo liegt die Wahrheit?)
Das Sondergericht Posen verurteilte die Arbeiterin deswegen am 18. Januar 1940 wegen „bewaffneten schweren Landfriedensbruchs” zum Tode. Martha Buszka wurde am 16. März 1940 ermordet.

Mehr: polkopedia.org/wiki/Marta_Buszka_(DE)

Bild von Anna Krenz.
Beitrag gefertigt vor, während und nach dem Workshop "Frauen im Schatten der Guillotine. Polinnen im Gefängnis Plötzensee" am 2.12.2023". Das Projekt ist gefördert von der Stiftung EVZ (Erinnerung Verantwortung Zukunft): www.stiftung-evz.de. Diese Veröffentlichung stellt keine Meinungsäußerung der Stiftung EVZ dar. Für inhaltliche Aussagen tragen die Projektleiterinnen die Verantwortung.

19/04/2024

Autor: Michael G. Müller

Olga Kamińska-Prokop

Geboren am 22. Juli 1922 in Brody, Woiwodschaft Tarnopol (heute Ukraine), hingerichtet am 9. März 1943 in Plötzensee.
Zu einer Heldin des Widerstands und gefährlichen Gegnerin des Nazi-Reichs sollte Olga Prokop durch ihre Verwicklung in eine spektakuläre Aktion des polnischen Widerstands werden – die Operation „Dorsche“. Aber ihre persönliche Geschichte der Widerständigkeit begann schon früher. Als aktive Pfadfinderin in ihrer Gruppe am Kattowitzer Gymnasium beteiligte sie sich an dem verzweifelten Versuch polnischer Pfadfinder, sich dem Überfall der Wehrmacht auf die Stadt am 1. September 1939 entgegenzustellen. Nach der endgültigen Niederlage Polens flüchteten die Kattowitzer Pfadfinder in die westungarische Kleinstadt Somlószőlős. Obwohl sie offiziell feindliche Ausländer waren, konnten sie sich dort niederlassen, als Pfadfinder organisieren und Kontakte zum besetzen Polen herstellen. Olga legte im örtlichen Gymnasium ihr Abitur ab und dort lernte sie auch den polnischen Pfadfinderführer Jan Prokop kennen, den sie heiratete. Auf dem Weg nach Jugoslawien trennten sich ihre Wege aber für immer. Olga, inzwischen hochschwanger, musste im (nunmehr auch von den Deutschen besetzten Belgrad) vorerst zurückbleiben. Hier wurde sie Teil der Operation „Dorsche“.
Die Operation war Teil eines großen Netzwerks von polnischen Widerständlern, meist Angehörige der Polnischen Heimatarmee, und zielte darauf, britischen Kriegsgefangenen aus dem besetzten Polen zur Flucht zu verhelfen. Im Mai 1941 wurden drei britische Offiziere aus der Festungshaft in Posen geholt, mit falschen Papieren versorgt und über Lodz, Warschau, Slowakei und Ungarn nach Belgrad geschleust. Dort ging mit ihnen die schwangere Olga Prokop nach Bulgarien weiter. Das Ziel war die Türkei. Schon nach zwei Tagen gerieten sie in die Fänge deutscher Besatzungssoldaten.
Olga Prokop wurde in Belgrad inhaftiert, wo im Februar 1942 ihr Sohn Marek zur Welt kam. Nach der Überführung nach Wien wurde sie von ihrem Sohn getrennt. Sie sah ihn nicht wieder. Der Prozess wurde Olga durch das Reichskriegsgericht gemacht. Er verurteilte sie im Dezember 1942 wegen „Feindbegünstigung“ zum Tode. Die Hinrichtung in Berlin am 9. März 1943 erfolgte mit dem Fallbeil.

Mehr: polkopedia.org/wiki/Olga_Kamińska-Prokop_(DE) / https://polkopedia.org/wiki/Olga_Kami%C5%84ska-Prokop_(PL)

Bild von Anna Krenz.

Beitrag gefertigt vor, während und nach dem Workshop "Frauen im Schatten der Guillotine. Polinnen im Gefängnis Plötzensee" am 2.12.2023". Das Projekt ist gefördert von der Stiftung EVZ (Erinnerung Verantwortung Zukunft): www.stiftung-evz.de. Diese Veröffentlichung stellt keine Meinungsäußerung der Stiftung EVZ dar. Für inhaltliche Aussagen tragen die Projektleiterinnen die Verantwortung.

15/04/2024

Autorinnen: Aleksandra Puciłowska & Katarzyna Kalin

Marianna Pietrzak
Geboren am 16. Mai 1900 in Stanisławów (Gemeinde Wysokie), hingerichtet am 22. September 1942 in Plötzensee.
Marianna bewirtschaftete mit ihrem Mann Stanisław Pietrzak (geb. 1897 in Pogorzałki) einen Bauernhof. Sie wurde verhaftet und zum Tode verurteilt, weil sie einem sowjetischen Flüchtling entflohenen Gefangenen Fjodor Azar geholfen hatte. Er entkam einem Eisenbahntransport von Häftlingen und versteckte sich etwa zwei Monate lang im Bezirk Konin. Aufgrund einer Denunziation wurde er im November 1941 verhaftet, was zu Repressionen unter der örtlichen Bevölkerung führte, die ihm half.
Zusammen mit Weronika Augustyniak, Leokadia Zbierska und Agnieszka Łaszkiewicz wurde Marianna für diese Hilfe verhaftet. Auch Mariannas Ehemann wurde wegen der gleichen Tat eingesperrt, im Prozess jedoch freigesprochen. Das Gericht entschied, es könne nicht bewiesen werden, dass er Fjodor Asarow als sowjetischen Gefangenen erkannte. Im Gegensatz zu Marianna sprach er nicht mit ihm und sah ihn nur für einen Moment im Hof.
Marianna wurde am 28. Mai 1942 vom Volksgerichtshof der Schädigung des Reichswohls und der Feindbegünstigung für schuldig befunden. In seiner Begründung stellte das Gericht fest, dass sie bei dem Gespräch mit Fjodor ihn als entflohenen Gefangenen erkannt haben müsse. Er soll eine sowjetische Uniform getragen und mit ihr auf Russisch kommuniziert haben. Marianna selbst gab nicht zu, dass sie ihn als Russen erkannte.
Sie wurde am 22. September 1942 in Plötzensee im Alter von 42 Jahren hingerichtet.

Mehr: polkopedia.org/wiki/Marianna_Pietrzak_(DE)/ polkopedia.org/wiki/Marianna_Pietrzak_(PL)

Bild von Anna Krenz.

Beitrag gefertigt vor, während und nach dem Workshop "Frauen im Schatten der Guillotine. Polinnen im Gefängnis Plötzensee" am 2.12.2023". Das Projekt ist gefördert von der Stiftung EVZ (Erinnerung Verantwortung Zukunft): www.stiftung-evz.de. Diese Veröffentlichung stellt keine Meinungsäußerung der Stiftung EVZ dar. Für inhaltliche Aussagen tragen die Projektleiterinnen die Verantwortung.

Photos from Polkopedia's post 12/04/2024

Autor: Wiktor Pahl

Nina (Henryka) Veith
Geboren am 19. Dezember 1914 in Warschau, hingerichtet am 25. Juni 1943 in Plötzensee.

Ich habe beschlossen, über Nina Veith zu schreiben, weil sie eine Figur ist, die viele interessante Eigenschaften in sich vereint. Sie ist zur Hälfte schottischer Abstammung, war Schauspielerin und Sozialistin, was mich als Sympathisanten von Bewegungen, die gegen den Kapitalismus kämpfen, besonders interessiert hat. Leider wurde sie ein weiteres Opfer des Faschismus, und das im Alter von nur 28 Jahren. Die Absolventin der Staatlichen Schauspielschule in Warschau schloss sich dem polnischen militärischen Widerstand an. Sie wurde am 4. Dezember 1942 vom Reichskriegsgericht wegen „Vorbereitung zum Hochverrat” und „Feindbegünstigung” zum Tode verurteilt.
Es gab nicht viele Informationen über sie, aber ich habe versucht, die im Internet verstreuten Informationsbrocken zu sammeln und sie in diesen Beitrag aufzunehmen. Aufgrund von Ninas Beruf sind jedoch viele Fotos von ihr erhalten geblieben, vor allem aus Theatern.
Ich hoffe, dass unser Projekt dazu beiträgt, den in Plötzensee ermordeten polnischen Frauen durch den Platz, den sie im Bewusstsein der Menschen einnehmen werden, ein ewiges Leben zu geben, denn sie in Vergessenheit geraten zu lassen würde ihren endgültigen Tod und den Triumph des Faschismus bedeuten.

Mehr: https://polkopedia.org/wiki/Nina_Veith
Bild von Anna Krenz.

Beitrag gefertigt vor, während und nach dem Workshop "Frauen im Schatten der Guillotine. Polinnen im Gefängnis Plötzensee" am 2.12.2023". Das Projekt ist gefördert von der Stiftung EVZ (Erinnerung Verantwortung Zukunft): www.stiftung-evz.de. Diese Veröffentlichung stellt keine Meinungsäußerung der Stiftung EVZ dar. Für inhaltliche Aussagen tragen die Projektleiterinnen die Verantwortung.

Photos from Polkopedia's post 08/04/2024

Marianna Gąszczak
Geboren am 28. Dezember 1914 in Duisburg, Ruhrgebiet, hingerichtet am 28. September 1943 in der Berlin-Charlottenburg, Justizvollzugsanstalt Plötzensee.
Ihr Vater war Arbeiter und Arbeitsmigrant im Ruhrgebiet. Die Familie erzog ihre Töchter Marianna und Marta in polnischer Tradition. Sie wurden katholisch getauft. Marianna besuchte in Duisburg die Volks- und Mittelschule. Sie gehörte dem Polnischen Pfadfinderverband in Deutschland und dem Verband der Polen in Deutschland an. 1929 wurde sie in das Lehrerseminar im polnischen Leszno aufgenommen. Dort legte sie 1934 ihr Lehrerinnen-Examen ab und war zuerst als Hilfslehrerin und von 1936 bis 1939 als Lehrerin an einer Schule in Glomsko (Glumen) beschäftigt. Sofort nach dem Überfall auf Polen im September 1939 schlossen die deutschen Besatzer die Schule. Gąszczak wurde, da sie als deutsche Staatsbürgerin an einer polnischen Schule tätig war, der Sympathie und potenziellen Kollaboration mit Polen verdächtigt und deshalb kurz in Złotów (Flatow) inhaftiert. Sie kam zwar nach wahrscheinlich einer Woche wieder frei, musste aber die noch immer frontnahe Region verlassen. Sie ging nach Berlin und wurde dort, wegen ihrer Sprachkenntnisse, im Oktober 1939 als “Prüferin“ bei der Auslandsbriefstelle des Oberkommandos der Wehrmacht angestellt. Sie sollte polnischsprachige Briefe auf verdächtige Inhalte hin überprüfen. Von Februar 1941 bis November 1942 arbeitete sie als Stenotypistin bei einem Berliner Bauunternehmen (Hermann Müller-Bau).
In Berlin kam Gąszczak in Kontakt mit Angehörigen einer polnischen Untergrund- und Widerstandsorganisation. Sie wurde Mitglied einer Spionageeinheit, die der Abteilung für Information und Aufklärung des Oberkommandos der Heimatarmee (AK) in London unterstand. Über ihre konspirative Tätigkeit ist nichts bekannt, ebenso wenig darüber, wann und wie die Gestapo ihrer Widerstandsgruppe auf die Spur kam. Im März 1943 ordnete der Oberreichskriegsanwalt an, Gąszczak sowie zwei weitere Personen wegen Spionage zu verhaften. Aber erst am 30.4.1943 wurde Gąszczak durch die Gestapo tatsächlich verhaftet und in das Untersuchungsgefängnis Moabit eingeliefert, wo sie in Einzelhaft kam.
Der Strafprozess gegen Gąszczak war offenbar nur ein formaljuristischer Akt, dessen Ausgang – das am selben Tag gefällte Todesurteil – offenbar von vornherein feststand. Entsprechend kurz war der juristisch-bürokratische Weg zum Vollzug des Todesurteils – Gąszczaks Überstellung in Plötzensee erfolgte schon zwei Tage nach dem Urteil. Dennoch hielt auch die Strafanstalt Plötzensee an rechtsförmlichen Prozeduren fest. Gąszczaks Schwester Marta erhielt am 25.9.1943, drei Tage vor der Hinrichtung, die Erlaubnis zu einem letzten Treffen mit ihrer Schwester. In einem ausführlichen Briefwechsel zwischen den zuständigen Gerichten und Behörden im Oktober und November 1943 wurde letztlich beschlossen, den gesamten, mehr als bescheidenen Besitz der Hingerichteten zwecks Deckung der Gerichtskosten zu beschlagnahmen. Alles rechtskonform und ordentlich!
Autor: Michael G. Müller

Ela Kargol:
Sterbeurkunde Marianna Gąszczak

"Wer könnte schon ihren Namen richtig aussprechen?
Damals im Gerichtssaal?
GĄSZCZAK.
So viele Konsonanten auf einmal und noch ein nasaler Vokal.
Den Nasalvokal ließen sie verschwinden.
Damals im Gerichtssaal.
GĄSZCZAK.
Dann verschwand noch ein „Z“
GĄSZCZAK:
Damals unter Guillotine.

Und alle Buchstaben waren auf einmal weg.
Und sie auch."

Mehr: https://polkopedia.org/wiki/Marianna_G%C4%85szczak_(DE)

Bild von Anna Krenz.

Beitrag gefertigt vor, während und nach dem Workshop "Frauen im Schatten der Guillotine. Polinnen im Gefängnis Plötzensee" am 2.12.2023". Das Projekt ist gefördert von der Stiftung EVZ (Erinnerung Verantwortung Zukunft): www.stiftung-evz.de. Diese Veröffentlichung stellt keine Meinungsäußerung der Stiftung EVZ dar. Für inhaltliche Aussagen tragen die Projektleiterinnen die Verantwortung.

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