05/10/2018
ATS 21/18 - Cascais (Lissabon) nach Faro vom 26.9.2018 bis 06.10.2018
Endlich hatte es geklappt: Erstmalig wurde der Törn Lissabon–Faro (Algarve) als zehntägiger Törn angelegt. Los ging es am 26.9. in Cascais, ein Vorort westlich von Lissabon mit geschützter Marina. Cascais ist gut erreichbar vom Flughafen mit Taxi oder ÖPNV, Aerobus Route 1 bis Bahnhof Cais do Sodré und dann weiter mit der Regionalbahn nach Cascais. Die Marina ist gut ausgestattet, einige kleine Restaurants sind direkt am Kai, zum Provianteinkauf gibt es einen großen Supermarkt beim Bahnhof. Für den Transport zum Schiff lohnt sich ein Taxi, um das Geschleppe zu reduzieren. Am 27.9. hieß es: Leinen los und auf zum ersten Schlag nach Sesimbra.
Von dort ging es am 28.9. weiter nach Sines. Von oben grüßt in den Stadthafen Vasco da Gama als Bronzestatue. El Castello (wochentags geschlossen) ist ein kleines, aber sehr gutes Restaurant, familiengeführt. Der Fisch und das Fleisch wird in der Vitrine ausgewählt. Was aus ist, gibt es nicht mehr zu bestellen. Sehr lecker auch die selbst-gemachten Desserts. Am Besten mehrere wählen und ausreichend Löffel verteilen lassen. Frühzeitiges Erscheinen im Lokal ab 19.30 Uhr ist ratsam. Als wir das Lokal verließen, warteten die Menschen in langer Schlange auf einen Sitzplatz.
Von Sines ging es am 29.9. weiter Richtung Lagos. Das war ein Tagestörn mit über 60 Seemeilen. Einige Stunden davon ließen sich raumschots segeln mit achterlichen Wind aus Nord, die längere Zeit allerdings musste unter Motor gefahren werden. Es kamen Delphine, unter anderem Rundkopfdelphine, bis ans Schiff. Schließlich wurde dann der Leuchtturm vom Cabo de São Vicente recht voraus am Ende der imposanten Steilküste sichtbar. Nach dem Umrunden des Caps ankerten wir in der Bucht vor Sagres, da Lagos nicht mehr vor Einbruch der Dunkelheit erreichbar war. Das Baden vor dem Abendbrot war eine tolle Erfrischung nach dem heißen und langen Törn. Allerdings war auch mächtig Schwell in der Bucht, sodass für einige eine unruhige Nacht auf der rollenden Antares verbracht wurde.
Am nächsten Morgen (30.9.) ging es dann weiter nach Lagos. Unterwegs wurde noch ein Badestop eingelegt und mittags gab es dann auch frischen Wind, sodass wir mit einem Amwindkurs bis fast zum Ziel segeln konnten. In Lagos liegt die Marina hinter dem Besucherponton rechts am Kanal der Stadt. Die linksseitige Altstadt ist von der Marina gut über eine Fußgängerbrücke mit Hebevorrichtung für den Schiffsverkehr erreichbar (aktuelle Öffnungszeiten im Hafenbüro erfragen). An diesem Sonntag war die Brücke bereits stark eingeschränkt in Betrieb. Als wir festgemacht hatten, rissen Bolzen aus der Hebeaufhängung. Da für die Antares eine Maschinenwartung terminiert war, wollten wir aber sowieso über Nacht am Besucherponton bleiben und waren nicht betroffen vom Stau und anderen Unwägbarkeiten für die ein- und auslaufenden Segler.
Die Marina ist sehr gut ausgestattet. Einige feine Restaurants jeder Preisklasse, zum Teil mit Livemusik, sind im Marinazentrum untergebracht. Zu empfehlen ist das Lokal "Quay" als Frühstücksrestaurant. Die Spezialität sind Egg Benedict (pochierte Eier) in unterschiedlichen Ausführungen. In Lagos blieben wir länger als geplant wegen der Technik. Es gibt in der Stadt gute Einkaufsmöglichkeiten direkt an der Promenade, u.a. eine Markthalle (hinter der Autotankstelle). Im Erdgeschoss wird fangfrischer Fisch in großer Auswahl angeboten, in der ersten Etage ein großes Gemüse- und Obstangebot, frische und getrocknete Kräuter und mancherlei regionale Spezialitäten (Käse, aber auch Wurst und Fleisch, Wein und Spirituosen).
Von Lagos aus ging es am späten Nachmittag des 1.10. mit einem kurzen Schlag in die Lagune vor Alvor auf einen Ankerplatz. Eine sehr ruhige, sternenklare Nacht, ganz im Gegensatz zur Bucht von Sagres wurde verbracht.
Von Alvor aus entschieden wir uns, am 2.10. weiter zu segeln bis in die Bucht vor Faro. Dort gibt es drei Möglichkeiten, die Nacht zu verbringen: südlich bei Faro, rechts davon bei Olhão oder in der Ankerzone vor Arrairais (Ilha da Culatra). Wir entschieden uns für letzteres. Arrairais bietet eine kleine Marina mit einigen Restaurants (Dingi der Antares klarmachen bei Bedarf). Der Schlag von Lagos bis dorthin wurde erneut sehr lang, bei stetigem Ostwind wurden es über 60 Seemeilen, davon einige Stunden mit respektablen Wind von um die 12 Knoten.
Am nächsten Morgen (3.10.) ging es dann weiter nach Ayamonte, dem spanischen Städtchen im Grenzfluss Rio Guadiana zwischen Portugal und Spanien. Gegenüber von Ayamonte liegt das portugiesische Pendant Vila Real de Santo António. Wegen der Gezeitenströmungen ist es dort eine schwierig zu belegende Marina.
Der breite Rio Guadiana ist ein gut schiffbarer Fluss und ein echter Geheimtipp. Ein Grund dafür, den Algarve-Trip in diesem Jahr zehntägig zu gestalten, um Zeit zu haben, den Fluss zu erkunden.
Am Tag der deutschen Einheit hat die deutsch-deutsche Crew das Grenzland zwischen Algarve und Andalusien also als Kurs genommen.
Kurz hinter den Hafenstädten liegt eine Autobahnbrücke, die in der nautischen Literatur bei Highest Astronomical Tide eine angegebene Durchfahrthöhe von 18 m aufweist. Schon eine Herausforderung, diese bei den 18,15 m Masthöhe der Antares zu unterfahren: wenn der Boden der Fahrbahn der Autobahn den Antennen der Yacht nahe kommt, entsteht bei der Crew ein überaus mulmiges Gefühl. Natürlich hat alles gepasst, der Fluss hatte ablaufendes Wasser und die Tidenhöhe ist die maximale Angabe, die an diesem Tag um diese Zeit bis zwei Meter unter der Marke lag.
Von da an wurde also aus dem Algarvetörn eine Flusskreuzfahrt 20 Seemeilen den Fluss hinauf bis zu den gegenüberliegenden Städtchen Alcoutim (Portugal) und Sanlúcar de Guadiana (Spanien). Der Atlantik drückt noch ein bisschen höher in den Fluss, als bis zu diesen Orten. Die Strecke ist gut betonnt, die Fahrrinne ordentlich tief und mit nicht viel Verkehr leicht zu befahren. Auf der Strecke zeigt sich die mediterrane Landschaft in Wildnis und Kultur. Viele Vögel sind zu beobachten in den von Schilf, Weidegräsern und Bambus gesäumten Ufern. Die Landschaft selbst ist sehr hügelig, mal mit Bäumen bewachsen, mal kahl. Entlang des Weges liegen immer wieder Yachten vor Anker. Schon von weitem kündigt sich auf dem mäandrierendem Fluss vor den Städtchen der Zielort mit dem beeindruckenden Castelo de San Marcos hoch oben auf dem Berg an. Nach insgesamt über 60 Seemeilen konnten wir am Besucherponton auf der spanischen Seite festmachen (alternativ kann dort geankert werden und die Städtchen per Dingi besucht werden). Auf der spanischen Seite ist im Rathaus ein Schlüssel für ein einfaches WC mit Duschen erhältlich. Der Liegeplatz ist äußerst preiswert. Auf der portugiesischen Seite soll es nach Auskunft kundiger Segler öffentliche Anlagen geben, die wir allerdings nicht gesehen haben. Zwischen den Städtchen pendelt eine Personenfähre. Auf der spanischen Seite gibt es zwei kleine Lebensmittelläden, auf beiden Seiten eine Reihe von kleinen Restaurants. Wir hatten in Sanlúcar im El Llano ein ausgezeichnetes Abendessen mit frischen Fisch, Fleisch und Tapas. Die Städtchen haben beide viel Charme, unterscheiden sich aber doch sehr. In Sanlúcar ist der Aufstieg zum Castell sehr zu empfehlen. Es gibt einen weiten Blick über die hügelige Landschaft mit Einblicken in das Flusstal und auf die beiden Städtchen. In Alcoutim wirkt das Flair des Ortes deutlich ursprünglicher.
Die Lage am Fluss ist sehr ruhig und still. Am Abend bellen die Hunde durch das Tal, am Morgen krähen nur die Hähne um die Wette. Auf spanischer Seite läuten die Kirchen in mitteleuropäischer Sommerzeit, auf der portugiesischen Seite einen Schlag weniger.
Zurück ging es am nächsten Tag (4.10.) nach Ayamonte. Nach ausgiebiger Besichtigung der Städtchen am Morgen machten wir bei ablaufendem Wasser nach drei Stunden Fahrt mit 7 Knoten über Grund flussabwärts in Ayamonte fest. Die Marina ist ganz in Ordnung, es gibt in der Stadt eine ganze Zahl von Restaurants und Einkaufsmöglichkeiten, einschließlich einer Markthalle.
Der letzte Törntag (5.10.) war dem Segeln nach Vilamoura, dem Zielort, gewidmet, nochmal über 50 Seemeilen. Am Morgen des 6.10. geht es dann zurück nach Hause.
Insgesamt haben wir zehn sehr erlebnisreiche Tage verbracht. Gut gefallen haben uns die Möglichkeiten, langes Segeln zu kombinieren mit Badeaufenthalten, Liegen vor Anker in den Lagunen und Buchten und einer Flusskreuzfahrt. Die Stimmung an Bord war außerordentlich gut; Christian unser stets gut gelaunter und kreativer Skipper. An den Ankertagen haben sich unsere Kochkünste zu aller Zufriedenheit hervorragend ergänzt. Mit den zwei Flammen und dem Backofen der Antares sind wir bis zum Drei-Gänge-Menü vorangekommen. Es war sehr köstlich. Nicht zu umgehen und unbedingt einzubauen sind die kleinen Puddingtörtchen Pasteis de Nata. Und zwar die portugiesische Variante, da konditorisch deutlich besser gewürzt als die spanischen. Hüftgold pur: Blätterteig gefüllt mit Vanillepudding.
Die Seemannschaft war ausgezeichnet. Unsere unterschiedlichen Fähigkeiten und Kompetenzen haben sich perfekt ergänzt.
Und zum Fazit über Wetter und Temperatur, also den unbeeinflussbaren Faktoren eines Segeltörns gilt nun mal: den Wind kann man nicht bestimmen. Wenn es nicht windet, oder die Richtung des Windes ungünstig in Hinsicht auf das eigene Ziel ist, dann ist es eben so! Etwas weniger Motoren hätte allen trotzdem gut gefallen. Ein toller Törn, vielen Dank an Christian und das Team der Segelschule Hering.
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