29/09/2026
Predigtimpuls von Prof. Dr. Christina Costanza für das Erntedankfest:
Ein doppeltes Wunder, ein Verbindungs- und Verbundenheitswunder: Von der Speisung der 4000 wurde immer wieder gesagt, dass sie im Markusevangelium die Öffnung der Jesusgeschichte für die nicht-jüdische Welt symbolisiere. So spiele sie anders als die Speisung der 5000, nur zwei Kapitel davor erzählt, auf überwiegend „heidnischem“ Gebiet. Die These ist exegetisch umstritten. Zugleich liegt in ihr ein Hinweis, warum dieses Wunder doppelt erzählt wird: Es geht um Verbindung und Verbundenheit. Denn die Plots der beiden Erzählungen laufen ja zusammen: im Dankgebet für die Gaben der Erde, im Wunder des gemeinsamen Essens, im Sattwerden trotz allem, was dagegenspricht. Mit der Speisung der 4000 werden dieser Deutung nach die sog. „Heiden“ hineingenommen in die großen Erzählungen des Volkes Israel, dessen Kind und Prophet Jesus ist: in die Erzählungen aus der Vergangenheit, als das Volk beim Auszug aus Ägypten auf wundersame Weise in der Wüste mit Brot versorgt wurde (Ex 16); in die Erzählungen aus der Zukunft, für die ein wunderbares messianisches Festmahl für alle Völker verheißen ist (Jes 25,6). Selbst wenn die These vom heidnischen Speisungswunder in Ergänzung zum jüdischen Speisungswunder nicht stimmt: Die Einbettung der Jesusgeschichte in jene Speisungswundergeschichten des Volkes Israel ist so wichtig, dass von der wundersamen Brot- und Fischvermehrung gar nicht oft genug erzählt werden kann.
Predigttext: Mk 8,1-9 (BigS):
1 Als sich in jenen Tagen wiederum viel Volk eingefunden hatte und sie nichts zu essen hatten, rief er die Jüngerinnen und Jünger zu sich und sagte ihnen: 2 »Ich werde durch das Volk angerührt, denn sie bleiben schon seit drei Tagen bei mir und haben nichts zu essen. 3 Wenn ich sie ohne Essen nach Hause gehen lasse, werden sie unterwegs entkräftet zusammenbrechen; einige von ihnen sind von weit her gekommen.« 4Da antworteten ihm seine Jüngerinnen und Jünger: »Wie könnte hier in der Einöde irgendeine Person diese große Menschenmenge mit Broten sättigen?« 5 Er fragte sie: »Wie viele Brote habt ihr bei euch?« Sie sagten: »Sieben«. 6 Da gebot er dem Volk, sich wie zum Essen auf die Erde niederzulegen. Und er nahm die sieben Brote, sprach den Brotsegen, brach sie und gab sie seinen Jüngerinnen und Jüngern, damit sie die Speise austeilten. Sie teilten sie an das Volk aus. 7 Außerdem hatten sie einige kleine Fische. Er sprach das Segensgebet und gebot, auch diese auszuteilen. 8 Und sie aßen und wurden satt. Sie hoben auf, was an Resten übrig blieb: sieben Körbe. 9 Sie waren aber ungefähr 4.000 Menschen. Und er schickte sie fort.