02/06/2026
Lilli Tollkien: Mit beiden Händen den Himmel stützen
Von Lina Barsig & Lily Gruhl
TW: verbale, psychische und sexualisierte Gewalt, Drogen- und Alkoholmissbrauch
„Es sind die Achtzigerjahre, und überall wird geraucht.“ (S.64) West- und Ostberlin sind zwei verschiedene Welten, im Fernsehen läuft die Lindenstraße und im Radio Nena und Ton Steine Scherben. Hier wächst Lale in der Westberliner Männerkommune ihres linksalternativen Vaters auf, ihre Mutter ist drogenabhängig und selten präsent. Drogen, Partys, Vernachlässigung und auch Missbrauch sind an der Tagesordnung.
Lale versucht, die trüben und unruhigen Gewässer dieser Welt zu durchdringen und sich in den Unwägbarkeiten der Erwachsenen zurechtzufinden, doch „wo eben ein sicherer Hafen war, ein Erwachsener, dem [sie] vertraute, konnte plötzlich ein glitschiger Steg sein.“ (S.77)
Viel zu früh muss Lale lernen, auf eigenen Beinen zu stehen, und wird von Beginn an auf sich allein zurückgeworfen. Sie versucht ihrer Verlorenheit im Laufe ihres Erwachsenwerdens mit verschiedensten Strategien zu entkommen, probiert sich immer wieder neu aus, träumt davon, die eigene Haut abzuschälen und zu erneuern, sucht Vorbilder in Musikikonen, in ihren Freundinnen und Liebhabern, kopiert deren Eigenschaften und Wesenszüge, um sich dadurch eine schützende zweite Haut zu konstruieren, nur um sich selbst dabei zu verlieren. In Perspektivwechseln zwischen Kindheit und Erwachsenenleben schildert Lilli Tollkien eindrücklich, poetisch und mit stiller Wucht Lales Suche nach sich selbst und ihre Versuche, einen Halt und ihren Platz in der Welt zu finden.
Tollkien’s Debütroman ist vielschichtig, berührend und macht einen oft sprachlos vor Wut und Schock darüber, wie Lale von allen Instanzen - seien es ihre Eltern, deren Freund*innen und Bekannte, das Jugendamt oder später ihren eigenen Partner*innen - immer wieder allein und im Stich gelassen wird. Doch trotz der eigentlich erdrückenden Thematik erzählt der Roman Lales Geschichte zugleich zärtlich und hoffnungsvoll, immer verflochten mit der Perspektive der erwachsenen Lale auf die Geschehnisse ihrer Kindheit und deren Konsequenzen für ihre Zukunft.⤵️
01/06/2026
Ulrikka S. Gernes: Ein Mädchen verließ das Zimmer
Übersetzung: Ursel Allenstein
Empfehlung: Antonia v. Wissel
Puh! Dieses Buch war echt kaum auszuhalten. Ehrlich gesagt bin ich froh, dass ich es jetzt hinter mir habe… und ja, es hat mich ganz schön mitgenommen.
Im Zentrum steht Tanja, gerade einmal 14 Jahre alt, die auf den 40-jährigen Schriftsteller Eg trifft. Klingt nach einem klassischen „alter Mann, junges Mädchen“-Szenario und genau das ist es: alles andere als romantisch, dafür umso verstörender. Zwischen den beiden entsteht eine intensive, aber von Anfang an völlig ungleiche Beziehung. Eg ist fasziniert von Tanja, sie fühlt sich geschmeichelt, und schon beginnt die Brieffreundschaft, die immer intimer wird, bis sie sich ihre Gefühle gestehen. Treffen folgen, das Machtungleichgewicht wird immer deutlicher und ja, die Eltern schauen einfach zu. Wirklich, nichts. Erst gekonntes Ignorieren, dann bloßes Zuschauen und schließlich einfach ein Daumen hoch und weiterschauen, als wäre es nur eine spannende Netflix-Serie und nicht das eigene Kind.
Eg manipuliert Tanja, formt sie nach seinen Vorstellungen und überschreitet immer wieder körperliche und psychische Grenzen, ja, er vergewaltigt sie auch. Diese „Beziehung“, wenn man sie so nennen kann, prägt Tanjas Leben tief. Nicht nur ihre Kindheit und Jugend werden zerstört, sondern auch als Erwachsene trägt sie Narben dieser Erfahrung.
Der Roman zeigt schonungslos, wie Machtmissbrauch, Manipulation und das stumpfe Zuschauen von Erwachsenen ein junges Leben zerstören können. Es geht um Erwachsenwerden, das erste Erwachen von Sexualität, Verwirrung, Sehnsucht nach Nähe und Anerkennung und die bittere Frage, wie Erfahrungen aus der Jugend das ganze weitere Leben prägen. Tanja sucht Halt und Schutz in einer zerrütteten familiären Situation und blickt als Erwachsene zurück, immer noch fassungslos darüber, warum niemand eingegriffen hat und was aus ihrer Jugend geworden ist.⤵️
29/05/2026
Regina Denk: Der Fährmann
Empfehlung: Antonia v.Wissel
Regina Denk hat es wieder getan … Und diesmal hat sie mir glatt das Herz aus der Brust gerissen, nur um es danach wieder zusammenzuflicken. Uff. Man denkt: „Ach, ein paar Seiten lesen, ganz entspannt…“ Pustekuchen! Schon nach den ersten Seiten sitzt man mit offenem Mund da und denkt nur: „Warum habe ich nicht heute Morgen schon angefangen?“ Und ja, ich liebe solche Bücher! Spannend, emotional und herzzerreißend.
Schon „Die Schwarzgeherin“ war einfach der Wahnsinn! Vielleicht, nur vielleicht, einen winzigen Ticken besser, aber ehrlich: Kaum der Rede wert. Der Fährmann knallt trotzdem rein wie ein emotionaler Schlag mitten in die Magengrube! Hach, hach, hach!
Hier gibt’s alles, was Drama ausmacht: Liebe, die eigentlich verboten ist, Traditionen, die jeden erwürgen, Neid und Eifersucht, die sich wie Unkraut ausbreiten, das tägliche Dorfchaos und obendrauf noch Krieg und gesellschaftlicher Wandel. Wir werden quasi von einer Krise in die nächste geschubst.
Die Geschichte schmeißt uns mitten hinein in die Zeit um den Ersten Weltkrieg, in ein kleines Dorf an der Salzach, wo sich Hohenwart und Siegering per Fähre die Hand geben. Dort stolpert Hannes durchs Leben, überlebt knapp eine Lungenentzündung und wird durch den Gesang von Elisabeth, diesem Mädchen mit den blonden Locken, wieder ins Leben zurückgeholt. Romantik pur? Klar, aber kaum zu genießen, denn Elisabeth ist natürlich schon Josef, dem reichen Bauernsohn, versprochen. Und Josef? Ein klassischer egozentrischer Schnösel, der wirklich denkt, die Welt läge ihm zu Füßen. Dann ist da noch Annemarie, die Wirtstochter. Man könnte meinen, ihr Leben sei ein bisschen langweilig, aber nein: Sie hilft nonstop im Gasthaus, wächst unter strenger Hand auf und muss sich den Blicken, Worten und Taten der Männer aussetzen. Zum Haare raufen, aber leider Realität.
Denk begleitet diese drei Figuren von der Kindheit bis ins Erwachsenenalter und zeigt, wie Liebe, Neid, Traditionen und der Krieg das Leben in einem kleinen Dorf komplett auseinanderreißen können. ⤵️
27/05/2026
Son Lewandowski Die Routinen
lewando
Empfehlung: Antonia v.Wissel
Wow. Puh. Ächz…
Die Beste sein, die Dünnste sein, keine Fehler machen, Lob ergattern, keine Strafe bekommen, sich nicht verletzen und bloß nicht zunehmen… Klar, kein Problem! Genauso fühlt sich das Leben einer Leistungsturnerin an. Die Routinen nimmt die Leser*innen mit in die Welt des Leistungsturnens, eine Welt voller Druck, Konkurrenz und Kontrolle über Körper und Psyche.
Puhhh, allein beim Lesen spürt man schon den ganzen Stress, als würde man selbst unter diesem ganzen Druck turnen.
Am Anfang war ich ehrlich gesagt ein bisschen überfordert. Perspektivwechsel hier, Sprünge in die Vergangenheit da… Man muss sich erstmal reinfinden. Aber wenn man das geschafft hat, dann läuft die Geschichte wie ein sauber gelandeter Salto. Die Erzählung ist spannend, poetisch geschrieben und vermittelt sehr eindrücklich, wie belastend das Leben im Leistungssport ist.
Was da alles passiert, ist echt krass! Ich wusste vorher kaum etwas über die dunklen Seiten des Turnens, habe dann sogar gegoogelt, weil ich’s nicht glauben konnte, aber das Buch macht deutlich: Hinter all dem Glanz steckt ein System voller Machtmissbrauch, Druck und Kontrolle. Die Hauptfigur kämpft nicht nur mit Sprüngen und Übungen, sondern auch mit Erwartungen, Verletzungen, Gewichtsvorgaben und der ständigen Konkurrenz. Das Buch erzählt von Druck, Kontrolle, Rivalität und den ganzen unschönen Seiten des Leistungssports, und das alles so, dass man mit der Protagonistin mitfiebert.
Dabei ist die Geschichte fiktional, auch wenn Lewandowski sich an realen Vorfällen aus der Vergangenheit orientiert: echte Trainer*innen, bekannte Turnerinnen, Medialisierung, körperliche Anforderungen, Trainingsroutinen, historische Missbrauchsskandale und sexualisierte Gewalt, alles kunstvoll verfremdet, aber mit genug Realität, dass einem manchmal die Luft wegbleibt.
Lesen bedeutet hier: fasziniert sein von der poetischen Sprache, die trotz Brutalität schön ist, gleichzeitig schockiert darüber, wie viel Druck, Machtmissbrauch und psychische Belastung in diesem Sport stecken.⤵️
17/05/2026
Matilda Gyllenberg: 100 Tage zu Hause
gyllenberg
Empfehlung: Antonia v.Wissel
Okay, wow. Was für ein gutes Kinderbuch war das bitte? 100 Tage zu Hause hat mich wirklich überrascht. Ein Buch über Schulangst, psychische Gesundheit, Klimawandel, Mut, persönliches Wachstum, Eltern, Freundschaft, Unterstützung, Erwachsenwerden UND nebenbei wird auch noch eine kleine Detektivgeschichte erzählt. Puh, klingt erstmal nach ein bisschen viel, funktioniert hier aber erstaunlich gut.
Das Buch ist ernst, aber gleichzeitig auch lustig. Manchmal traurig, aber trotzdem voller Hoffnung, Wärme und Freude.
Im Mittelpunkt steht Nike, die plötzlich kaum noch in die Schule gehen kann. Ja, sie hat große Angst vor der Schule, alles wird ihr einfach zu viel. Aber warum eigentlich? Das weiß sie selbst nicht so genau. Und genau das fand ich so stark beschrieben. Diese Angst ist für Nike selbst erstmal gar nicht richtig greifbar, sie lässt sich schwer in Worte fassen, aber sie ist trotzdem da. Verwirrend, unangenehm und schwer erklärbar. Vor allem Erwachsenen gegenüber, die gern einfache Antworten hätten. Ihre Mutter versteht vieles nicht direkt, was manchmal frustrierend ist, aber eben auch sehr realistisch.
Und dann gibt es Mia. Beste Freundin, Rettungsanker, Partnerin für alles. Mit Mia fühlt sich die Welt plötzlich wärmer an. Nicht perfekt, aber zumindest aushaltbarer. Mia gibt Nike Sicherheit und manchmal sogar in der Schule ein warmes, gutes Gefühl. Doch das reicht nicht immer aus, denn da sind auch die vielen anderen Kinder, die eben nicht so nett sind wie Mia. Ich mochte die Freundschaft der beiden richtig gern! Beim Lesen wird einem dabei richtig warm ums Herz.
Nike hasst übrigens ihren Namen. Klingt erstmal nach einem kleinen Detail, ist aber für sie ein richtig großes Ding. Das Buch nimmt solche Gefühle ernst, ohne sie jemals übertrieben dramatisch zu machen.
Und dann die Oma! Absolute Lieblingsfigur. Sie interessiert sich für den Klimawandel, beobachtet mit Nike Vögel und erklärt ihr die Welt. Ganz nebenbei steckt also auch noch ziemlich viel Umwelt- und Naturthema im Buch, aber angenehm unaufdringlich und null belehrend.⤵️
12/05/2026
Nefeli Kavouras: Gelb, auch ein schöner Gedanke
kavouras
Empfehlung: Antonia v.Wissel
Mir hat dieses Buch unglaublich gut gefallen. Es behandelt Themen, bei denen man eigentlich tonnenweise Taschentücher bräuchte (Krankheit, Pflege, Verlust) und schafft es trotzdem, absurd witzig, leicht schräg und überraschend zugänglich zu bleiben.
Klingt wie eine gewagte Mischung, funktioniert hier aber verblüffend gut.
Ich hab mich jedenfalls mehr als einmal dabei erwischt, mitten in einem emotionalen Moment, der echt reinhaut, plötzlich loszukichern. Ja, wirklich…
Wir begleiten Lea und ihre Mutter Ruth, während sie hilflos dabei zusehen müssen, wie der Vater/Ehemann nach und nach zum Pflegefall wird. Ein Prozess, der das Familienleben komplett durchschüttelt.
Und die beiden? Könnten unterschiedlicher kaum reagieren: Lea hat diesen fast schon ungeduldigen Wunsch nach einem Ende (auch wenn das hart klingt, aber genau das macht es so ehrlich), während Ruth sich tief in ihre Emotionen hineinziehen lässt und die ganze Tragik auf ihre eigene Weise durchlebt.
Zwischen Sorge, Trauer und dem täglichen Chaos des Pflegewahnsinns entsteht ein ziemlich vielschichtiges und ehrliches Bild von Familie, Nähe und auch Entfremdung. Wir tauchen tief in Leas Gedankenwelt ein, erleben ihren Alltag, ihre Beziehungen, ihre Versuche, irgendwie die Kontrolle zu behalten… und merken dabei ziemlich deutlich, wie sie langsam den Halt verliert. Nicht dramatisch inszeniert, sondern leise, fast schleichend. Und genau das trifft.
Aber auch Ruth bekommt ihre Bühne: erschöpft, überfordert, und trotzdem irgendwie weitermachend. Ihre Perspektive bringt nochmal eine ganz eigene, teils bitter-komische Note rein, besonders in den Konflikten mit Lea, die aus ihrer Sicht plötzlich ganz anders wirken. Beide entwickeln sich, beide kämpfen, beide gehen völlig unterschiedliche Wege und bleiben doch untrennbar miteinander verbunden. Gerade dieses Nebeneinander fand ich extrem spannend.
Und dann, zack, kommt diese herrlich absurde, komische Wendung, die dem ernsten Thema eine überraschende Leichtigkeit verleiht. So ein Moment, bei dem man kurz innehalten muss, weil man nicht weiß:⤵️
07/05/2026
Osín McKenna: Hitzetage
Übersetzung: Hans-Christian Oeser, Alexandra Titze-Grabec
Empfehlung: Antonia v.Wissel
„Äh, hallo? Herr Schriftsteller, können Sie in die Zukunft sehen?“Beim Lesen musste ich genau das denken. Da taucht plötzlich ein Wal in London an der Themse auf, wird zur medialen Großsensation und McKenna entlarvt dabei mit feiner Ironie, wie schnell aus einem Tier ein globales Ereignis wird, inklusive Hype, Drama und kollektiver Aufregung. Und dann passiert genau das plötzlich auch hier: ein Wal vor der deutschen Küste, Dauerberichterstattung, Live-Updates, große Aufmerksamkeit und die Frage, ob er überleben wird.
Beim Lesen musste ich deshalb unweigerlich schmunzeln, fast lachen, weil diese Dynamik so vertraut wirkt: die überbordende Berichterstattung, die kollektive Faszination und gleichzeitig dieses leise Unbehagen darüber, wie leicht dabei die wirklich großen Probleme in den Hintergrund rücken. Kriege, Krisen, Klimafragen: alles da, aber plötzlich weniger sichtbar. Fast schon absurd. Und genau da trifft das Buch ziemlich gut.
Ich habe Hitzetage unglaublich gern gelesen. Es ist dicht, vielschichtig und voller miteinander verknüpfter Geschichten und Figuren, die alle auf unterschiedliche Weise miteinander verbunden sind. Immer wieder entstehen kleine Nebenstränge, die sich ineinanderschieben und das Ganze sehr lebendig machen.
Worum es eigentlich geht, ist gar nicht so leicht zu sagen: heiße Stadt, schwüle Luft, Menschen kurz vorm Überhitzen, nicht nur durch die Hitze draußen, sondern auch innerlich…
Im Zentrum stehen Figuren, die alle auf ihre Weise versuchen, ihr Leben zusammenzuhalten: Ed, Fahrradkurier, geplagt von Angstzuständen und Identitätsfragen, permanent leicht überfordert. Maggie, seine Freundin, schwanger und alles andere als sicher, was sie eigentlich will. Und ihr bester Freund Phil, unglücklich verliebt und irgendwie auch auf der Suche.
Dazu kommt ein ganzes Netz an Nebenfiguren, deren Geschichten sich immer wieder kreuzen und überlagern.⤵️
29/04/2026
Noah Eggert: Besprechung
Noah Eggerts Comic „Ida – keine Katzengeschichte“ hat unsere Herzen im Sturm erobert. Darin zeichnet Noah Eggert die Lebensgeschichte von Ida, einer Katze, die noch auf Kinderpfoten läuft und deren Leben zuhause geprägt ist von einem zerrütteten Verhältnis zu ihrer alleinerziehenden Mutter. Wieder und wieder werden Idas Grenzen von ihrer Mutter übertreten, sie muss viel Verantwortung übernehmen und aufbrausende Emotionen aushalten. Wieder und wieder schneiden die Krallen ihrer Mutter durch die Luft und durchs Comicpapier, dunkle Wolken ziehen auf und drängen Ida in Bild- und Zimmerecken zurück. Doch was hat es mit dem Gefühl auf sich, das Ida zuhause die Luft abschnürt? Und warum ist das Verhalten ihrer Mutter eine ständige Achterbahnfahrt -von liebevoll zu gleichgültig zu wütend und verletzend- und das oft ohne ersichtlichen Grund? Doch woher soll Ida wissen, dass das, was sie erlebt, nicht normal ist?
In der Schule hat sie keinen Anschluss, erst bei einer Flucht in den Wald lernt sie den gleichaltrigen Kater Moritz kennen. Eine Begegnung, aus der sich bald eine Freundschaft entwickelt und die Ida den Halt und Mut verleihen wird, ihrem Leben eine entscheidende Wendung zu geben.
Noah Eggert greift all diese komplexen Gefühle in seinem ausdrucksstarken Zeichenstil auf, in dem Worte sichtbar verletzend sein können, Zuneigung und Hoffnung aber ebenso zum Ausdruck kommen. Der Comic nimmt die Lesenden an die Hand, wir fühlen mit Ida mit, und finden dadurch einen Zugang zu dem Themenkomplex familiäre, psychische und physische Gewalt aus einer sehr nahbaren, kindgerechten Perspektive.
Wir hatten das große Glück, Noah Eggert ein paar Interviewfragen stellen zu dürfen. Seine Antworten könnt Ihr Euch in diesem Post genauer durchlesen.
Anfang des Jahres gab es zudem eine Crowdfunding-Kampagne, die zum Ziel hatte, Idas Geschichte für möglichst viele kleine Katzen in (Schul-)Bibliotheken zugänglich zu machen. Weitere Informationen dazu findet Ihr auf den Instagramprofilen von und .maximilan_
24/04/2026
Peggy Mädler: Selbstregulierung des Herzens
Empfehlung: Lily Gruhl
Peggy Mädlers neuester Roman “Selbstregulierung des Herzens” hat mich umgehauen. Nicht auf eine imposante, alles verschlingende Weise, sondern auf diese stille, verbindende Art, die das Bewusstsein in feinen Fäden durchzieht und Knoten bildet, wo immer sich Informationen mit Emotionen verknüpfen. Mädler liefert ein dichtes Geflecht neuer Betrachtungen der DDR und ihrem dysfunktionalen System, welche sie immer wieder explizit mit kybernetischen Ansätzen unterfüttert und damit ein umfassendes Bild der Wechselwirkungen, Rückkopplungen, Impulse und Störungen bildet, das ein solches System auf sich selbst, seine Umwelt und seine (menschlichen) Bestandteile hat. Und wem nicht geläufig ist, um was sich die Kybernetik dreht, der:dem ist schnell geholfen mit einleitenden Zitaten aus wissenschaftlichen Wälzern, die Mädler konsultiert hat und deren Ansätze immer wieder auch ihren Weg in die inneren Reflexionen der Figuren finden. Was grundsätzlich die Idee der Selbstregulierung eines Systems über verschiedene sich wiederum selbstregulierende Untersysteme ist, Stichwort Herz, fand in den 1960ern seinen Weg in die Ökonomie der DDR mithilfe neuer Systeme der elektronischen Datenverarbeitung. Dies bildet den Aufhänger für Mädlers Roman, der den Zeitraum von 1960 bis 2023 umspannt. Im Zentrum stehen gleich mehrere Figuren, in deren Leben, Gedanken und Begegnungen wir immer wieder eintauchen dürfen. Da wäre zum einen Georg, dem die elektronische Datenverarbeitung als Hoffnungsträger erscheint, Marlies, die die Planwirtschaft von innen heraus zu verbessern versucht und Mona, die bei ihrem Versuch, als Künstlerin Fuß zu fassen, immer wieder auf Widerstände trifft. Hinzukommen viele weitere Freund:innen, Arbeitskolleg:innen, und Nachbar:innen, die Impulse geben, ausbremsen, bestärken oder die zeitgeschichtlichen Entwicklungen widerspiegeln. Ein zentraler Vernetzungspunkt ist dabei eine Datschensiedlung in einem Brandenburger Dorf, in dem die Figuren Zuflucht und Begegnungen und auch einander finden. ⤵️
19/04/2026
Lesung mit Zoran Drvenkar
Wir laden herzlich ein zu einem Abend mit dem geschätzten Autor Zoran Drvenkar, der aus seinem Thriller Asa liest
Im Mittelpunkt des Romans steht Asa, die in einer abgeschotteten Gemeinschaft eine über Generationen bestehende, von Gewalt und strengen Machtstrukturen geprägte Tradition überlebt hat. Jahre später kehrt sie in ihre Vergangenheit zurück und setzt sich mit den Menschen und Bedingungen auseinander, die ihr Leben geprägt haben. Die Geschichte handelt von Rache, Familie, Schuld und der Frage, wie man mit einer Vergangenheit umgeht, die nicht abgeschlossen ist.
📅 Dienstag, 28.04.2026
🕖 19:00 Uhr
📍 Kulturhaus Schwartzsche Villa .schwartzsche.villa
Grunewaldstraße 55, 12165 Berlin
💶 Eintritt: 18,00 €
Altersempfehlung: ab 16 Jahren
Tickets sind an der Abendkasse erhältlich
Reservierungen: [email protected]
Wir freuen uns auf euch!