LiteraturInitiative Berlin

LiteraturInitiative Berlin

Teilen

Kontaktinformationen, Karte und Wegbeschreibungen, Kontaktformulare, Öffnungszeiten, Dienstleistungen, Bewertungen, Fotos, Videos und Ankündigungen von LiteraturInitiative Berlin, Bildung, Berlin.

31/07/2026

Jacqueline Harpman: Ich, die ich Männer nicht kannte
 
Übersetzung: Luca Homburg
 
Klett-Cotta Verlag
 
Empfehlung: Antonia v.Wissel
 
Stell dir vor, du bist dein ganzes Leben in einem Keller eingesperrt, zusammen mit 39 anderen Frauen. Die meisten erinnern sich wenigstens noch an das „Davor“. Du nicht. Du bist als kleines Kind dort gelandet und kennst buchstäblich nichts anderes. Kein Himmel, kein Regen, kein Wind, keine Orangen, nicht mal eine Toilette, wie wir sie kennen. Da stellt sich ziemlich schnell die Frage: Was bleibt vom Menschen übrig, wenn man ihm einfach alles Menschliche wegnimmt, Gesellschaft, Geschichte, Kultur?
 
Genau dieses philosophische Gedankenexperiment bildet den Kern dieses dystopischen Romans. Und ja: Das Ganze ist ziemlich beklemmend. Ich hatte beim Lesen teilweise Gänsehaut. Gleichzeitig ist es extrem spannend, ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Ich habe mit der Protagonistin mitgefiebert, mitgelitten und alles durch ihre Augen erlebt, die mit einer Mischung aus Unwissen, Neugier und vorsichtigem Verstehen durch diese seltsame Welt stolpert.
Niemand weiß, warum sie überhaupt dort sind. Und genau das macht einen fast wahnsinnig beim Lesen, weil diese Frage ständig im Raum steht. Die Frauen leben ohne jegliches Zeitgefühl, ohne echte Orientierung. Bewacht werden sie von Männern, die nichts sagen, nur da sind, als reine Kontrolle. Kein Gespräch, keine Erklärung, nur Regeln und Strafen. Eines Tages ertönt ein Alarm und plötzlich verändert sich alles…
 
Mehr möchte ich hier nicht verraten, ihr solltet das Buch einfach selbst lesen.
Der Roman stellt dabei ziemlich große Fragen: Warum existieren wir überhaupt? Hat ein Leben ohne soziale Kontakte überhaupt Sinn? Kann Identität ohne andere Menschen entstehen? Was macht einen Menschen aus? Wer bin ich ohne Vergangenheit? Und was bedeutet Freiheit ohne Orientierung?
 
Richtig stark ist auch, wie die Autorin das soziale Gefüge der Frauen in der Gefangenschaft beschreibt und zeigt, wie sich aus dem Nichts so etwas wie eine kleine Gesellschaft bildet und wie sich Menschen unter extremen Bedingungen verhalten. Selbst im Keller bleibt der Mensch eben Mensch.⤵️

23/07/2026

Junko Takase: Richtig gutes Essen
 
Übersetzung : Yoko Ann Hamann
 
DuMont Buchverlag
 
Empfehlung: Antonia v.Wissel
 
Bock auf Büroalltag? Also so richtig? Mit Stress, Leistungsdruck, Anpassungszwang, endlosen Überstunden und diesem ganz eigenen passiv-aggressiven Kolleg*innen-Vibe? Und natürlich: keine Zeit, sich irgendwas Vernünftiges zu essen zu machen? Perfekt, dann bist du hier genau richtig. Und irgendwo dazwischen schwebt die eigentliche Frage: Was sagen unsere Essgewohnheiten eigentlich über uns aus?
 
Wir begleiten Nitani, einen jungen Büroangestellten, der sich brav durchs System arbeitet. Funktionieren kann er. Reflektieren… eher so mittel. Beim Essen hört der Spaß dann aber auf: Während andere Wert auf „richtiges“ und gesundes Essen legen, hält Nitani nicht viel davon und bleibt seinen Instant-Ramen treu. Low effort, no shame.
Dann kommt Ashikawa ins Spiel: Kollegin, Fürsorgerin, Hobbybäckerin und irgendwie auch… mehr? Sie bringt Essen für alle mit, kümmert sich, ist sensibel, hat Migräne und fehlt öfter mal. Kurz gesagt: Sie passt nicht so richtig in diese durchoptimierte Arbeitswelt. Nitani schwankt zwischen Faszination und Genervtsein und merkt gleichzeitig, dass sie gesellschaftlich gesehen eigentlich die „richtige Wahl“ wäre…..
Und dann ist da noch Oshio: Trinkbuddy, Lästerschwester und das komplette Gegenprogramm zu Ashikawa. Zusammen wird über Ashikawa hergezogen, mal unterschwellig, mal ziemlich direkt. Das Ganze kippt stellenweise in so eine „war doch nur Spaß“-Dynamik, die sich eher unangenehm als witzig anfühlt. Irgendwann gehen sie sogar so weit, dass sie Ashikawa richtig übel mitspielen wollen… aber nur aus Spaß, oder?
 
Was das Buch gut macht: Es ist kurz und knackig, greift wichtige Themen auf und regt zum Nachdenken an. Dabei trifft es ziemlich präzise einen Nerv, vor allem durch die absurde Aufladung von Essen mit Moral, Identität und sozialem Status.
Was ich eher schwieriger fand: Die Perspektivwechsel haben mich teilweise durcheinandergebracht. Dazu kommt, dass die Figuren… sagen wir mal: schwierig sind.
⤵️

20/07/2026

Nenad Veličković: Der Vater meiner Tochter
 
Übersetzung: Marija Ivanović
 

 
Empfehlug: Antonia v.Wissel
 
Veličković kann einfach schreiben. Da sind diese Sätze, kleine gedankliche Abschweifungen und sprachliche Spielereien, über die ich beim Lesen immer wieder gestolpert bin und die mir noch lange im Kopf geblieben sind. Genau das hat mich schon bei seinem ersten Roman Nachtgäste so begeistert, ein Buch, das mir tatsächlich auch viel besser gefallen hat.
 
Ja, ich muss gestehen, dass ich mich bei Der Vater meiner Tochter stellenweise ziemlich durch die Seiten kämpfen musste. Schlecht ist es nicht… Es ist nur kein besonders zugänglicher Roman. Oft hatte ich das Gefühl, nicht alles vollständig greifen zu können: nicht in den Dialogen und auch nicht in den sprunghaften Gedankengängen des Erzählers. Trotzdem bin ich froh, das Buch gelesen zu haben. Allein für die Sprache und das erzählerische Können des Autors hat es sich gelohnt.
 
Im Mittelpunkt steht ein unglücklicher Mann, ein Überlebender des Bosnienkriegs. Kein Held, keiner, der schießen musste, aber jemand, den der Krieg trotzdem geprägt hat, wie eigentlich alle und alles um ihn herum. Offiziell ist alles vorbei, aber eigentlich lebt jeder noch in einer Art Nachbeben: kaputte Strukturen, Korruption, Orientierungslosigkeit, wirtschaftlicher Dauerstress und eine schnell zurückkehrende Konsumlogik. Der Roman zeigt dabei sehr deutlich die Enttäuschung über die sogenannte „Normalisierung“ nach dem Krieg.
Der Erzähler selbst ist in ziemlich vielen Lebensbereichen gescheitert oder zumindest festgefahren: Ehe? Schwierig. Zuhause? Eher marode. Alltag? Frustrierend. Und dann dieser Job als Werbetexter, der ihm zunehmend sinnlos erscheint. Nicht, weil Werbung an sich das Problem wäre, sondern weil Sprache dort permanent verdreht wird, um Produkte zu verkaufen. Wahrheit spielt dabei höchstens eine Nebenrolle. Gleichzeitig ist dieser Beruf Teil einer vom Konsum dominierten Nachkriegsgesellschaft, der er mit Ironie und Skepsis begegnet.
⤵️

10/07/2026

Ali Smith: Gliff
 
Übersetzung: Stefanie Jacobs
 
Luchterhand Literaturverlag
 
Empfehlung: Antonia v.Wissel
 
Wow, wow, woooowww!!!
Das beste Buch, das ich dieses Jahr gelesen habe. Punkt. Aus. Ende.
 
Spannend, traurig, schlau, beängstigend… dieses Buch hat einfach alles. Ich habe mit der kleinen Protagonistin mitgefiebert, mitgelitten, ihre Stärke bewundert und ihren Wissensdurst regelrecht in mich aufgesogen.
 
Wir begleiten Bri, die alles aufschreibt, und ihre kleine Schwester Rose durch eine Zukunftswelt, die alles andere als rosig ist. Als ihre Mutter weg muss, um ihrer Schwester zu helfen, fahren die beiden nach Hause zurück. Blöd nur, dass ihr Haus inzwischen mit roter Farbe umrandet wurde und rot bedeutet hier leider „Ihr gehört nicht mehr dazu“. Also müssen die beiden alles stehen und liegen lassen und verschwinden.
Sie finden Unterschlupf in einem leerstehenden Haus und versuchen irgendwie zu überleben. In einem Land voller Kameras, voller Kontrolle und voller Menschen, die offenbar entschieden haben, dass alles, was nicht ins System passt, einfach rot markiert wird. So ganz verstehen Bri und Rose noch nicht, was es mit diesen roten Linien auf sich hat. Wer sind diese Superbgrenzer? Warum werden Menschen als „nicht verifizierbar“ eingestuft? Wer wird ausgegrenzt und verfolgt, und warum? Und weshalb sollen Kulturgüter zerstört werden? Auf ihrer Reise erleben die beiden einige Abenteuer. Sie treffen auf Pferde, verlieben sich besonders in eines davon und taufen es Gliff. Sie begegnen Widerständler*innen und schlagen sich irgendwie durch diese feindliche Welt, bis …
 
Und den Rest verrate ich nicht, hehe. Jetzt müsst ihr schon selbst lesen!
 
Was ich besonders geliebt habe, war die Perspektive der beiden Schwestern. Die sind nämlich verdammt klug. Sie stellen ständig Fragen, hinterfragen alles und vor allem Wörter. Sie zerlegen Sprache in ihre Einzelteile, geben Wörtern neue Bedeutungen und betrachten alles durch ihre kindlichen Augen. Ja, sie schauen auf die Welt mit einer Mischung aus Neugier und verblüffender Scharfsinnigkeit. Und genau deshalb musste ich trotz der oft bedrückenden Geschichte immer wieder schmunzeln.⤵️

05/07/2026

Jessica Mawuena Lawson: Kekeli
 
Verbrecher Verlag

 
Empfehlung: Antonia v.Wissel
 
Also ehrlich: Ich habe diesen Coming-of-Age-Roman schneller verschlungen, als ich dachte und war am Ende fast beleidigt, dass er schon vorbei ist. Hallo? Was passiert bitte mit Afi? Ich hätte da noch Fragen. Vielleicht ja Stoff für einen zweiten Teil?
Der Roman behandelt viele Themen: Erwachsenwerden, Identitätssuche, Liebe, Beziehungen, Familie, Herkunft, Schwarze Lebenswelten in Deutschland, Reflexion über Vorurteile, kulturelle Vielfalt, Schule, Freundschaft, Schweigen innerhalb der Familie sowie das Entdecken und Lernen über sich selbst und andere.
 
In Kekeli begleiten wir also eine junge Frau in ihrer letzten Schulwoche in einer süddeutschen Kleinstadt. Abi fast geschafft, Abiball vor der Tür, Kopf eigentlich schon im „Was kommt jetzt?“-Modus. Und dann taucht Kwame auf: Mitschüler, charmant, engagiert, einfach toll und lädt sie zu einem Event ein, das er mit der „Pamoja Society“, einer kreativen afro-deutschen Jugendgruppe, organisiert. Klingt erstmal nach nettem Kulturabend. Wird aber deutlich mehr…
Kurz davor reist auch noch Cousine Afi aus Togo an, die geheimnisvolle Verwandte, die Kekeli noch nie gesehen hat und die mit ihrer bloßen Anwesenheit so ziemlich alles ins Wanken bringt, was Kekeli bisher über sich selbst dachte. Identität? Zugehörigkeit? Familie? Auf einmal keine theoretischen Begriffe mehr, sondern ziemlich persönliche Baustellen.
Gemeinsam geht’s auf Kwames Event: Musik, gute Laune, afrikanisches Essen…
Und mittendrin der Auftakt für ein größeres Projekt, ein Dokumentarfilm über Schwarze Lebensrealitäten in Deutschland. Also Roadtrip nach Berlin. Mit dabei: Kekeli, Afi, Kwame und Kofi (Kwames Bruder). Viel Gelächter, unterschwellige Spannung, erste zarte Liebesvibes und wie ganz nebenbei Gespräche über Rassismus, Geschichte, Community, Afrobeats, Poesie und all die Dinge, über die im Schulunterricht nicht gesprochen wird. Während des Trips wächst Kekelis Verbindung zu Kwame, und gleichzeitig versucht sie, eine Beziehung zu ihrer rätselhaften Cousine Afi aufzubauen, die sie lange nicht einschätzen kann.

28/06/2026

Falun Ellie Koos: Zähe Hunde
Übersetzung: Andrea Kluitmann
 
Aufbau Verlage
 
Empfehlung: Antonia v.Wissel
 
Ja, jaja, jaaaa. Dieses Buch kam exakt zur richtigen Zeit. Genau so eins habe ich gebraucht: ein bisschen emotionale Verwüstung, düstere Stimmung und Menschen mit schwerer Vergangenheit. Elend? Ja. Traurigkeit? Sehr viel. Kaputte Familienverhältnisse und emotionaler Schaden? Allerdings…. Ich kann gar nicht genau sagen, woran es liegt, aber ich habe dieses Buch komplett ins Herz geschlossen. Ja, ich habe es geliebt, sagen wir wie es ist.
 
Es geht hier um Verlust, Kindheit unter Gewalt und Kontrolle, familiäre Prägung, Trauma und seine Folgen, Selbstbestimmung, Einsamkeit, Identitätsfindung, Abgrenzung von der Herkunft, Natur, emotionale Entfremdung und die psychische Verarbeitung von Vergangenheit. Also nichts für nebenbei, sondern eher ein Buch, das zeigt, dass Geschichten auch mal wehtun dürfen.
 
Über dem ganzen Buch hängt so eine kalte, düstere Schwere. Als würde permanent irgendwo ein grauer Himmel über allem kleben. Ja, so ein feiner Nieselregen hängt in der Luft, dieser graue, nasse Schimmer, der sich einfach nicht vertreiben lässt. Alles wirkt traurig, melancholisch, verloren, innerlich wund. Und während man liest, sitzt da dieses unangenehme Gefühl im Brustkorb und drückt ganz entspannt auf die Lunge. Herrlich.
 
Ada, die Protagonistin, wächst mit ihrem kleinen Bruder in einem Trailerpark bei ihrem Vater auf. Der ist Gärtner, arbeitet sich halb tot und hält Schwäche für das schlimmste Verbrechen der Menschheit. Aus seinen Kindern will er „zähe Hunde“ machen. Gefühle? Nein, danke! Verletzlichkeit? Lächerlich! Der Sohn ist ihm zu weich, weil die Mutter ihn früher zu sehr verhätschelt hat. Ada dagegen: bissig, stark, verschlossen. Jackpot!
Und der Vater ist so ein Mann, bei dem man beim Lesen ständig denkt: Bitte geh einfach mal in Therapie. Aber natürlich passiert das nicht… Stattdessen wird geschuftet, geschwiegen und psychischer Schaden für mehrere Generationen produziert. Traditionen müssen schließlich gepflegt werden.⤵️

26/06/2026

Esther Schüttpelz: Grüne Welle
 
Diogenes Verlag
 
Empfehlung: Antonia v.Wissel  
 
Irgendwie mochte ich dieses kleine Büchlein. Am Anfang dachte ich ehrlich: Was soll das denn jetzt werden? Eine Frau fährt nach dem Kino mit dem Auto nach Hause, verpasst eine Abzweigung und statt einfach umzudrehen, fährt sie immer weiter in die falsche Richtung. Und genau darum geht’s hier:
 
Wir begleiten diese Frau auf einer scheinbar simplen Fahrt, die sich schnell als innere Flucht entpuppt. Eigentlich will sie gar nicht nach Hause. Zu ihrem Mann erst recht nicht. Also fährt sie weiter, immer weiter und mit ihr ihr Kopf. Gedanken, Erinnerungen, Tagträume, kleine Erkenntnisse, große Zweifel. Alles mischt sich zu einem ziemlich dichten Gedankenstrudel. Schritt für Schritt entfaltet sich so ein Bild ihres bisherigen Lebens, ihrer inneren Konflikte und Sehnsüchte. Dabei passiert gar nicht viel, und trotzdem wird es nie langweilig. Ein Reh taucht auf, zwei Mädchen, ein Waldstück… kleine Momentaufnahmen, die sich wie beiläufig in die Fahrt einfügen, während eigentlich alles im Kopf der Frau stattfindet. Und genau dieser innere Strom zieht einen nach und nach in ihr Gedankenchaos hinein, ob man will oder nicht.
 
Der Erzählstil ist dabei sehr distanziert. Als Leser*innen bleiben wir Beobachtende, ohne eine enge Bindung zu den Figuren aufzubauen. Keine große emotionale Nähe, kein Kuscheln mit den Figuren. Aber das passt erstaunlich gut, weil man so eher beobachtet, als bewertet und der Gedankenfluss der Frau trotzdem ein gewisses Tempo entwickelt, das einen kaum loslässt.
 
Nach und nach wird klarer, was eigentlich hinter ihrer Flucht steckt: ein brüchiges Leben, Erschöpfung, eine Ehe, die sich leer anfühlt, häusliche Gewalt, Einsamkeit und viele unbequeme Fragen, die sie lieber im Rückspiegel verschwinden lässt, statt sich ihnen zu stellen. Gleichzeitig gibt es auch eine philosophische und psychologische Tiefe, die viele Fragen offenlässt und zum Nachdenken anregt. Hin und wieder gibt es auch Momente, die fast ironisch sind und bei denen ich mich selbst manchmal beim Schmunzeln erwischt habe. Spannend fand ich auch die Kapitel aus Sicht der Freundin.⤵️

16/06/2026

Ann Esswein: Jahre ohne Sprache
 
Ann Esswein
Ecco Verlag
 
Empfehlung: Antonia v.Wissel
 
Okay, erstmal: Ich war nach dem Lesen sauer, und zwar richtig sauer. Da fiebert man sich durch den ganzen Roman, hängt an jeder Seite, und dann? Nichts. Alles offen. Freiraum zum Imaginieren. Erst dachte ich: „Wie bitte? So lässt sie uns einfach hängen?“ Aber je länger ich jetzt darüber nachgedacht habe, desto cleverer fand ich das Buch. Genau so wollte Esswein es wohl. Die Lücken, das Schweigen, das Ungesagte: das sind die zentralen Themen des Romans. Sprachlosigkeit, Trauma, Erinnerungen, die sich einfach nicht in Worte pressen lassen, all das wird spürbar. Wir Leser*innen werden dadurch gezwungen, selbst mitzudenken, Schlüsse zu ziehen, uns in Naos zerrissene Welt zu stürzen. Spannung entsteht hier nicht durch Action, sondern durch Unklarheit. Und glaubt mir, das funktioniert hier verdammt gut.
Worum geht es denn nun eigentlich?
Natascha, später Nao, lebt in einer besetzten Knopffabrik mit ihrer Wahlfamilie. Alles wird geteilt: Betten, Essen, Leben (ein kollektives „Wir“). Ihre Heimat Glanitz, ein kleiner Ort in der Provinz, ihren Vater, ihre Jugend, alles das lässt sie hinter sich. Doch die Vergangenheit holt sie ein. Stück für Stück bekommen wir Einblicke in ihre Jugend, Freundschaften, Exzesse und die ominöse „Hand“, die bei jeder Party, bei jedem Ausflug auftritt. Bedrohlich, anonym, unvergesslich.
Der Roman spielt mit dem Schweigen und der Sprachlosigkeit, damit, wie dieses Schweigen ein Trauma verstärken kann und wie schwer es ist, Worte dafür zu finden. Der Titel spielt direkt auf diese Unfähigkeit an, Erlebtes in Sprache zu fassen. Gleichzeitig geht’s um Zugehörigkeit, Gemeinschaft, Selbstbestimmung, aber auch um Angst, Ohnmacht, Gerechtigkeit und Rache. Esswein thematisiert die Dynamiken von Macht, Scham und gesellschaftlichem Schweigen, vor allem im Kontext sexualisierter Gewalt. „Die Hand“ bleibt anonym, bedrohlich, immer präsent, ein ständiger Schatten über Nao. Dass der Täter nie beim Namen genannt wird, macht deutlich, wie sehr Trauma und gesellschaftliches Schweigen das Opfer isolieren.
⤵️

Photos from LiteraturInitiative Berlin's post 11/06/2026

GEWINNSPIEL

Gewinne Freikarten für INGEBORG BACHMANN 🎬
Wir verlosen 2x2 Kinotickets für INGEBORG BACHMANN – JEMAND, DER EINMAL ICH WAR!
Also zwei Gewinner*innen + jeweils Begleitung 🍿

INGEBORG BACHMANN – JEMAND, DER EINMAL ICH WAR ist ab dem 25. Juni nur im Kino zu sehen.

Der neue Film der vielfach ausgezeichneten Regisseurin Regina Schilling nähert sich dem Leben und Werk einer der bedeutendsten deutschsprachigen Schriftstellerinnen des 20. Jahrhunderts an. Mit der Oscar-nominierten Sandra Hüller entstand ein ebenso poetisches wie eindringliches Porträt der Autorin Ingeborg Bachmann.

So könnt ihr teilnehmen:
- Diesen Beitrag liken
- Unserem Account folgen
- In den Kommentaren die Person markieren, mit der ihr ins Kino gehen möchtet

Teilnahmeschluss: [Datum einfügen]
Die Gewinner*innen werden per Direktnachricht benachrichtigt.

Worum geht’s?
Kaum eine Stimme der deutschsprachigen Literatur wurde so gefeiert, diskutiert und angegriffen wie die von Ingeborg Bachmann. In einer poetischen Spurensuche nähert sich Sandra Hüller der Autorin an einem imaginären Tag ihres Lebens. Archivmaterial, Interviews und Bachmanns eigene Texte zeichnen das Bild einer kompromisslosen Denkerin, die ihr Leben lang für weibliche Selbstbestimmung und eine eigene Sprache kämpfte. Ein bewegendes filmisches Porträt über Kunst, Freiheit und die Kraft der Literatur.

zero one film Piper Verlag Suhrkamp Verlag JETZT & MORGEN

09/06/2026

Großer Buchverkauf!
Wir räumen unsere Regale!

Zeit für neuen Lesestoff? Dann kommt vorbei und stöbert durch unsere vielfältige Auswahl!

✨ Alle Bücher zum halben Preis oder günstiger ✨

Bei uns findet ihr:

Aktuelle Belletristik
Kochbücher
Kunstbücher
Bildbände
Kinder- und Jugendbücher

📅 12.06.2026
🕛 12:00–18:00 Uhr
📍 Hohenzollernstraße 25, 14163 Berlin
Bei der Literaturinitiative Berlin

Kommt vorbei, entdeckt neue Lieblingsbücher und gebt unseren Regalen etwas mehr Platz. Wir freuen uns auf euren Besuch!

Belletristik

Wollen Sie Ihr Schule/Universität zum Top-Schule/Universität in Berlin machen?

Klicken Sie hier, um Ihren Gesponserten Eintrag zu erhalten.

Lage

Kategorie

Telefon

Adresse


Berlin
14163

Öffnungszeiten

Montag 09:00 - 17:00
Dienstag 09:30 - 17:00
Mittwoch 09:30 - 17:00
Donnerstag 09:30 - 17:00
Freitag 09:30 - 17:00