Kunst für Introvertierte

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11/08/2022

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26/07/2022

Kleopatra: Wer war sie eigentlich?

Kleopatra ist eine der berühmtesten Frauen der Weltgeschichte. Zahlreiche Filme und Bücher wurden über ihr Leben geschrieben. Man weiß jedoch nicht viel darüber, was für eine Königin sie war: Viele Menschen kennen sie nur als die Geliebte von Cäsar und Marcus Antonius.

Aber in Wirklichkeit stand für sie das Schicksal des Landes immer im Vordergrund. Wie war die Regierungszeit Kleopatras, und in welchem Verhältnis standen ihre Politik und ihr Privatleben?

Die Herkunft

Obwohl Kleopatra als Königin von Ägypten bekannt ist, war sie eigentlich eine gebürtige Griechin. Sie stammte aus der ptolemäischen Dynastie, die auf einen der Generäle Alexanders des Großen zurückgeht, die jahrhundertelang über das eroberte Ägypten geherrscht hatten.

Schon in jungen Jahren wurde Kleopatra mit der Brutalität der Römer konfrontiert, die Ägypten unterjochen wollten. Sie hatte miterlebt, wie römische Kriegsherren riesige Geldsummen aus dem Land erpressten und wie ihr Onkel starb. Kein Wunder, dass sie ein Leben lang davon besessen war, die Größe des griechischen Ägyptens wiederzubeleben.

Der Weg zur Macht

Nach dem Tod von Kleopatras Vater Ptolemaios XII. ging die Macht auf sie und ihren Bruder Ptolemaios XIII. über, der damals etwa 10 Jahre alt war. Die Königin konnte nämlich nur mit einem Mitregenten regieren, der nach ägyptischer Tradition ihr Bruder sein sollte - deshalb schließt Kleopatra mit ihm eine Ehe. Eine solche Beziehung, die für die Griechen völlig unüblich war, war in Ägypten traditionell.

Zu Beginn ihrer Herrschaft steht Kleopatra vor vielen Herausforderungen: Sie muss die Beziehungen zu den Ägyptern verbessern und die Staatskasse in Ordnung bringen. Kleopatra beginnt mit einer Finanzreform, und es entstehen Gerüchte, dass die Königin die Alchemie beherrscht und Gold herstellen kann. Doch dann wird sie von ihrem inzwischen erwachsenen Bruder mit Unterstützung seiner Berater entmachtet. Kleopatra stellt ein Heer zusammen, um um den Thron zu kämpfen, aber hier greift Rom in die Geschichte der ägyptischen Dynastiekriege ein.

Cäsar und Kleopatra

Während in Ägypten der Konflikt zwischen Kleopatra und Ptolemäus weiterging, brach auch in Rom ein Bürgerkrieg aus. Gaius Julius Caesar und Gnaeus Pompeius Magnus, einst Freunde, begannen einen Machtkampf. Nachdem Gnaeus' Armee besiegt war, floh er nach Ägypten. Hier ließ Ptolemäus ihn töten, da der ägyptische Herrscher die Gunst Caesars gewinnen wollte. Dennoch war dieser nicht zufrieden. Daraufhin beschließt Cäsar, das reiche Ägypten dem römischen Reich zu unterwerfen. Doch dann trifft Cäsar auf Kleopatra, und der Königin gelingt es, ihn zu erobern.

Trotz Kleopatras Einstellung zu Rom sieht sie, dass andere Teile des Reiches von Alexander dem Großen bereits erobert wurden und ihr Land bedroht ist. Sie beabsichtigt also, sich mit Cäsar zu verbünden. Aber man sollte nicht glauben, dass ihre Liebesbeziehung nur auf Kleopatras List und Tücke zurückzuführen ist. Historiker gehen davon aus, dass die Gefühle zwischen den beiden aufrichtig waren: Cäsar stellte eine vergoldete Statue von Kleopatra in Rom auf und wollte sich sogar von seiner Frau scheiden lassen, um die ägyptische Königin zu heiraten. Doch das Wohl des Landes blieb für Kleopatra das Hauptziel.

Ptolemaios XIII. stirbt und Kleopatra heiratet nicht Cäsar, sondern ihren zweiten Bruder, Ptolemaios XIV. Caesar verlässt Ägypten, und bald darauf bringt Kleopatra einen Sohn zur Welt, Cäsarion, den Cäsar nie anerkennt.

Alleinherschaft

Nur wenige Jahre später wird Caesar von Verschwörern ermordet. Auch Kleopatras zweiter Ehemann kommt ums Leben. Sie wird zur alleinigen Herrscherin Ägyptens, aber viele Schwierigkeiten beginnen erst jetzt. Die Königin wird in die Weltpolitik hineingezogen: Nach Cäsars Tod beginnt der Kampf um sein Erbe, wobei auch sie nicht außen vor bleiben kann, aber schließlich geht sie leer aus.

Daraufhin kommt Kleopatra dem römischen Feldherrn Marcus Antonius näher. Ihre Beziehung sollte später in der Weltkultur fast noch populärer werden als die mit Cäsar. Um Marcus Antonius für sich zu gewinnen, erscheint Kleopatra ihm auf einem prachtvollen Schiff in der Gestalt der Göttin Aphrodite — diese Szene kommt oft in Büchern und Filmen vor. Kleopatra nutzt Antonius geschickt aus, um ihr Land zu stärken und zu schützen. Dank ihres diplomatischen Geschicks und Antonius' Truppen gelingt es ihr, ihre Macht nicht nur zu bewahren, sondern erheblich auszubauen.

Antonius ist dermaßen in Kleopatra vernarrt, dass er einen Lebensstil eines orientalischen Monarchen zu führen beginnt, der sich stark von dem in Rom unterscheidet. Man könnte sagen, dass es ihn am Ende ruiniert hat - genau wie Kleopatra.

Bald darauf beginnt Octavian, der zum Thronfolger Cäsars erklärt wird, einen Kampf um die alleinige Macht in Rom. Antonius war sein Hauptgegner - und auch Kleopatra wird zu einer Feindin Roms. Der Feldzug wird von Propaganda begleitet: Wegen seiner Vorliebe für Luxus und seiner Ablehnung des römischen Lebensstils gibt man Antonius die Schuld an allem. Auch Kleopatra wurde von den Römern nicht verschont. Es ranken sich viele Mythen um sie, wie zum Beispiel die, dass sie Gifte an ihren Dienern testet. Sie wird als heimtückische Verführerin dargestellt, die zu nichts anderem taugt als zum Liebesspiel. Und dieses Bild von Kleopatra als Femme fatale wird lange in der Kultur bleiben. Bis heute wissen viele Menschen mehr über ihre Affären als über ihre Politik. Selbst in Shakespeares Stück war es Kleopatra, die Antonius ruinierte, indem sie ihn daran hinderte, sich gegen Octavian durchzusetzen.
In Wirklichkeit war das aber völlig anders. Kleopatra ist aktiv am Widerstand gegen Octavians Truppen beteiligt: Sie ist es, die die wichtigen Entscheidungen über Schlachten trifft. Antonius unternimmt gar nichts, um für die Macht zu kämpfen. Alle Last des Krieges liegt auf Kleopatras Schultern, und sie trägt diese Last mit Stolz.

Das Ende Kleopatras

Als es klar wird, dass es keine Chance mehr gibt, Octavian zu widerstehen, unternimmt Kleopatra einen letzten Schritt, um sich und den unentschlossenen Antonius zu retten: Sie versucht, aus Ägypten nach Indien zu fliehen. Die Evakuierung unter dem Kommando von Kleopatra verläuft gut, aber letztendlich werden ihre Schiffe von ihren Feinden verbrannt. Um der Gefangennahme durch Octavian zu entgehen, beschließen Antonius und Kleopatra, gemeinsam zu sterben. Dann erobert Rom endgültig Ägypten. So endet die Geschichte einer der größten Königinnen der Welt.

Die römische Propaganda und die Weltkultur ungerecht behandelt. Sie war keine Verführerin oder zügellose Frau, sondern eine intelligente, gebildete Persönlichkeit und eine begabte Diplomatin. Und wer weiß, welches Schicksal Ägypten unter Kleopatra erwartet hätte, wäre das Land nicht von Rom erobert worden?

Hat sich Ihr Bild von Kleopatra geändert? Glauben Sie, dass sie Ägypten hätte retten können?

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08/07/2022

Warum wird der “Herr der Fliegen” falsch interpretiert?

Jeder findet in einem Buch etwas anderes. Für die einen geht es beim "Herr der Fliegen" um eine Geschichte über gewalttätige Kinder, für die anderen geht es um den Versuch, eine zivilisierte Gesellschaft aufzubauen.

Aber was hat eigentlich William Golding selbst gemeint? Und warum kann man das Werk ohne Kenntnis der biblischen Texte nicht vollständig begreifen?

Wie ist der Roman entstanden?

William Golding schrieb den “Herr der Fliegen” im Jahr 1954 als eine Art Reaktion auf einen anderen berühmten englischen Roman-Robinsonade, “Die Koralleninsel" von Robert Ballantyne, die fast 100 Jahre zuvor veröffentlicht wurde. Setting und Handlung der beiden Werke überschneiden sich stark, nur das Finale von Golding ist anders. Er fand es unrealistisch, dass es den Figuren gelingt, auf einem Inselparadies die Vernunft zu bewahren und eine Art von Gesellschaft aufzubauen, so dass die Geschichte in seiner Darstellung zu einer Anti-Utopie wird.
Die Handlung ist einfach: Kinder finden sich auf einer unbewohnten Insel ohne Erwachsene wieder und versuchen, eine zivilisierte Gesellschaft aufzubauen, verfügen jedoch weder über Wissen noch über Managementfähigkeiten. All dies führt dazu, dass sie unmenschliche Züge annehmen und sich in eine wilde Horde verwandeln. Doch was verbirgt sich hinter dieser Geschichte?

Was wollte der Autor damit sagen?

Golding schafft im Roman eine zusätzliche Bedeutungsebene, die durch zahlreiche Symbole und Allegorien enthüllt wird. Eine Allegorie ist eine bildhafte Darstellung, die auf einen bestimmten Begriff verweist. Sie wird immer klar erkennbar gemacht: Aus dem Text geht immer eindeutig hervor, was die Allegorie bedeutet. Auf diese Weise sind zum Beispiel Fabeln aufgebaut. Ein Symbol hingegen enthält viele Bedeutungen und kann nicht eindeutig definiert werden.
Bei Golding beziehen sich diese Stilmittel hauptsächlich auf den religiös-philosophischen Kontext, der den Schriftsteller schon immer interessiert hat. Schon der Titel gibt das Thema vor: Der Herr der Fliegen ist nicht einfach ein von Insekten umschwirrter toter Schweinekopf sondern auch Beelzebub, der neutestamentliche Fürst der Dämonen, der oft mit dem Teufel gleichgesetzt wird. Seine teuflische Natur wird durch die Worte offenbart, die der Herr der Fliegen zu Simon sagt: "Niemand kann dir helfen. Nur ich. Und ich bin das Biest." Das Biest ist einer der Namen des Satans.

Romanfiguren

Das Idol - der Herr der Fliegen - wird von Jack geschaffen: Er spießt einen Schweinskopf auf einen Stock als Symbol für den Sieg über den Wald. Um Jack herum schließen sich die Jungen des Kirchenchors zu einer Gruppe zusammen, und sie sind es, die als erste die Vernunft und die Moral verlieren.
Ihr Anführer entpuppt sich als der Antagonist. Auch sein Aussehen ist kein Zufall: Rothaarige Menschen mit Sommersprossen stellen ein wiedererkennbares Bild in der Weltkultur dar. Meistens sind es Trickster: Diese Figuren sind weder böse noch gut, sie verstoßen allerdings gegen die geltenden Regeln. Trickster bringen alles durcheinander und führen in Versuchung: der Gott Loki, Mephistopheles, Azazello und viele andere gehören zu diesem Typ. Auch Jack verführt seinen Stamm: Er bringt den Jungen das Töten bei - zunächst zu "gastronomischen" Zwecken, dann zum Machterhalt.

Das Aussehen der Figuren in “Herr der Fliegen” spiegelt oft ihre inneren Qualitäten wider. So wird zum Beispiel der gut aussehende, blonde Ralph zur Verkörperung des "Lichts der Vernunft". Er ist es, der zum ersten Mal eine Muschel als Signalhorn verwendet, der zum Symbol der Hoffnung und der Einheit geworden ist. Allein kann er jedoch nicht führen: Er wird von dem klugen Piggy unterstützt, der Ralph beibringt, wie man die Muschel benutzt.

Piggys Aussehen, seine körperliche Ungeschicklichkeit und sein schlechtes Sehvermögen machen ihn angreifbar. Es ist nicht schwer zu erraten, dass diese Figur zum Außenseiter wird. Gleichzeitig ist Piggy das klügste Mitglied der kleinen Gruppe, und sein Wissen hilft den Jungen öfters. Seine Brille symbolisiert Erleuchtung, Intelligenz und dient außerdem dazu, Feuer zu entfachen.
Auch das Feuer wird zu einem vieldeutigen Symbol. Als Jack Ralph verfolgt, setzt er die Insel in Brand und vernichtet damit jede Chance auf Leben. Doch gerade dieses schreckliche Feuer erregt die Aufmerksamkeit der Schiffscrew, und die übrigen Jungen werden gerettet. Es stellt sich heraus, dass Jacks Übeltat letztendlich zum Guten führt. Auf diese Weise wird oft erklärt, warum der böse Geist bzw. der Teufel in einer Welt lebt, die von einem allmächtigen Gott geschaffen wurde: Er ist in seinen ursprünglichen Plan einbezogen und dient trotz allem dem Wohl der ganzen Welt.

Eine andere Figur, Simon, verkörpert gleich zwei biblische Gestalten - Jesus Christus und den Apostel Petrus, der ursprünglich Simon hieß (der Name Petrus stammt von dem Beinamen, den Jesus ihm gab).

Simons Gespräch mit dem Herrn der Fliegen ist eine Art Verweis auf die Szene der Versuchung Christi in der Wüste. Das Biest erklärt, dass es "ein untrennbarer Teil" seiner selbst ist. Diese Aussage erinnert an einen anderen berühmten Spruch von F.M. Dostojewski: "Gott und der Teufel kämpfen [dort], und das Schlachtfeld ist das Herz des Menschen". Das Böse steckt in uns, aber es liegt am Menschen, zu entscheiden, wer gewinnt.
Das Gute in diesem Buch ist die Menschlichkeit und die Fähigkeit, sie auch unter schrecklichen Bedingungen zu bewahren. Das Böse hingegen hat etwas Tierisches an sich: Es ist zerstörerisch für die Jungen und vernichtet ihre Moral.

Oder hat der Autor damit doch nichts gemeint?

Es gibt auch andere Interpretationen des Romans. Einige Forscher greifen beispielsweise auf ein psychoanalytisches Konzept zurück, bei dem der Schwerpunkt auf der Erweckung des Unbewussten, der instinktiven Komponente in den Figuren usw. liegt.
Oft lassen sich in einem Text Bedeutungen finden, die der Autor gar nicht beabsichtigt hat. Der Literaturwissenschaftler und Philosoph Roland Barthes schlägt in seinem Essay "Tod des Autors" einen solchen Ansatz vor, bei dem das Werk unabhängig von seinem Schöpfer betrachtet wird: Seine Persönlichkeit, sein Leben und seine Ansichten treten somit in den Hintergrund.
Natürlich bleibt "Herr der Fliegen" auch dann interessant, wenn man nicht weiß, wer der Beelzebub ist. Die Auseinandersetzung mit verschiedenen Interpretationen, einschließlich der des Autors, bedeutet jedoch nicht unbedingt eine Einschränkung: Im Gegenteil, sie kann uns helfen, das Werk umfassender zu betrachten.

Hat dieser Roman Sie beeindruckt? Wie haben Sie ihn verstanden?

Photos 19/05/2022

Warum ist es an der Zeit, “Forrest Gump” nochmals anzusehen?

Wie der Protagonist in Robert Zemeckis' Film leben wir in schwierigen Zeiten. Lassen Sie uns daran denken, wie Forrest Gump die Tragödien der Geschichte durchlebte und was er uns dadurch beibrachte.

“Denk daran, Forest: Du bist derselbe wie alle anderen”

Mit diesen Worten ermahnt die Mutter ihren Sohn, einen schweigsamen Jungen mit klobigen Beinschienen. Der IQ-Test ergab, dass Forrest fünf Punkte unter der herkömmlichen "Norm" liegt, so dass er es in der Schule und offenbar auch nach der Schule nicht leicht haben wird.

In einem klassischen Hollywood-Film hätte dies der Stoff für eine weitere "Erfolgsgeschichte" sein können. Forrest hätte allen seine Genialität bewiesen, und am Ende hätte er den Nobelpreis gewonnen oder wäre ein berühmter Musiker geworden. Er hätte sich als anders, als etwas Besonderes erwiesen.

Aber Forrest Gump ist nur ein Zeuge seiner Zeit, ihrer Tragödien und Erfolge. Er ist ein Beobachter, der sich die Sichtweise eines Kindes auf die Welt bewahrt hat. Diese Eigenschaft ermöglicht es uns, historische Ereignisse aus einer anderen Perspektive zu betrachten und sie gleichzeitig auf uns selbst zu beziehen. Es handelt sich um die Geschichte eines Menschen, der ebenso wie jeder von uns in schwierigen Zeiten lebt, und daher ist diese Geschichte universell und für jeden verständlich.

"Ich bin kein kluger Mann. Aber ich weiß, was Liebe ist”

Naivität und innere Reinheit sind die wichtigsten Eigenschaften von Forrest Gump. Das wirkt sich auch auf die Filmsprache aus, mit der Robert Zemeckis zu uns spricht: Der Film zeichnet sich durch eine " sanfte " Regie aus, die nicht zu effektvollen Techniken greift. Gleichzeitig zeichnet sich der Film durch eine besondere Stimmung aus: aufrichtig und sehr persönlich - und das vor dem Hintergrund der realen Geschichte der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Von der Rassentrennung an den Universitäten bis zu Anti-Kriegs-Protesten, von Elvis' Hits bis zur Ermordung Kennedys - Forrest Gump hat vieles mitbekommen. Forrest Gump wird Teil des historischen Geschehens, ohne sich selbst dabei zu verlieren. Er folgt seinen eigenen Gefühlen und akzeptiert die Menschen so, wie sie sind. Er erweist sich als aufrichtiger Freund und liebt uneigennützig.

Der Protagonist erlebt eine ganze Epoche, und vielleicht ist es sein Glück, dass er nicht alles begreift. Einige grundlegende menschliche Werte versteht Forrest jedoch besser als die meisten anderen. Er ist in der Lage, Liebe und Mitgefühl zu empfinden, Freundschaft zu pflegen und das Leben in all seinen vielfältigen Erscheinungsformen zu schätzen. Das ist etwas, was man von ihm lernen sollte. Vielleicht begreift er manches, was für einen Erwachsenen offensichtlich ist, nicht. Aber gleichzeitig scheint Forrest etwas sehr Wichtiges zu wissen, das für uns unzugänglich ist.

Forrest betrachtet die Welt mit den Augen eines Kindes, das gekonnt die Spreu vom Weizen trennt, das Gute vom Schlechten. Er versteht keine Subtexte und versteckten Bedeutungen. Aber er weiß, dass man sein Wort halten, seinen Freunden helfen und auf sein Herz hören muss. Und wenn es mehr "Narren" wie Forrest gäbe, wäre unsere Welt vielleicht ein bisschen besser und freundlicher.

“Das Leben sei wie eine Schachtel Pralinen. Du weißt nie, was du bekommen wirst”

In der Zeit von Forrest Gump finden viele tragische Ereignisse statt. Die USA führen einen Krieg in Vietnam, wo sich auch der Protagonist wiederfindet. Der kindlich-naive Stil, in dem er von seinem Militärdienst und den Kämpfen erzählt, betont die Sinnlosigkeit, den Schrecken und die Unmenschlichkeit des Geschehens.

In der Armee lernt Forrest Bubba kennen, der "alles über Garnelen weiß" und in das Familienunternehmen einsteigen will, wenn "alles vorbei ist". Leutnant Dan Taylor will wie seine Vorfahren heldenhaft im Kampf sterben. Bubba träumt also von einem friedlichen Leben, während Dan davon träumt, im Krieg zu sterben. Doch das Schicksal entscheidet anders: Bubba stirbt, und Dan kehrt ohne Beine nach Hause zurück. Es scheint, als gäbe es für ihn keinen Grund mehr zu leben: Der Krieg bricht selbst diejenigen, die ihm dienen wollten. Aber nach einer Weile erkennt er, dass er sich geirrt hat, findet einen neuen Sinn im Leben und dankt Forrest für seine Rettung.

In seinem Film reflektiert Zemeckis viel darüber, was das Schicksal ist. “Ich weiß nicht, ob jeder von uns sein Schicksal hat oder nur zufällig dahin treibt wie ein Blatt im Wind” - sagt Forrest. Und er antwortet sich selbst: "Ich denke, es ist beides. Wir sind nicht immer in der Lage, alles zu kontrollieren: Wenn das Leben eine Schachtel Pralinen ist, bekommt man manchmal furchtbar bittere Pralinen. Aber gerade in diesen Momenten ist es besonders wichtig, nicht aufzugeben und aufzuhören.”

“Lauf, Forrest, lauf!”

Bei diesem berühmten Satz geht es nicht darum, der Realität zu entfliehen, sondern darum, trotz aller Widrigkeiten weiterzumachen. Es gibt einen Ausweg aus jeder persönlichen Tragödie und jedem historischen Desaster. Das Schicksal, dessen " Co-Autoren " wir sind, hält auch Überraschungen und Wunder bereit. Schließlich geschehen Wunder, wie Frau Gump sagte, jeden Tag.
Forrest Gump ist der Inbegriff eines Menschen, der nicht aufgibt, weil er nicht weiß, wie man aufgibt, der nicht verzweifelt, weil er nicht weiß, wie man verzweifeln kann. Wenn alles schief geht - handle. Wenn du nicht weißt, wie du handeln sollst, fang mit dem Einfachen an.

“Ich lief, weil ich laufen musste. Ich habe nicht darüber nachgedacht, wohin mich das führen würde”, erzählt Forrest, der seit über drei Jahren einen Marathon lief. Damit verkündet er quasi, dass man eben um der Bewegung willen existiert: um zu lieben, um zu schaffen, um sich über einfache Dinge zu wundern. Manchmal fällt dies sehr schwer. Aber man muss weitermachen. "Laufen, weil man laufen muss".

Darauf weist uns Forrest Gump hin, ebenso wie auf die unbezahlbaren Eigenschaften, wie Aufrichtigkeit, Einfühlungsvermögen, Ehrlichkeit und Herzlichkeit. All diese Eigenschaften zeichnen den von Tom Hanks verkörperten Protagonisten in hohem Maße aus, aber er ist kein Superheld, sondern ein ganz normaler Mensch wie jeder von uns.

Einfach Forrest. Man nennt ihn Forrest Gump. Und offenbar können wir eine Menge von ihm lernen.

Was denken Sie über den Film "Forrest Gump"? Welche Gefühle löst bei Ihnen der Protagonist aus?

Es fällt nicht leicht, dem Beispiel von Forrest Gump zu folgen und den Mut nicht zu verlieren. Wenn Sie gerade mit Ängsten zu kämpfen haben, können Sie unsere Kurse kostenlos nutzen:

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Photos 17/05/2022

Was hat Thanos mit der Philosophie vom Übermenschen zu tun?

Viele Forscher beschäftigen sich mit dem Problem der Überbevölkerung. Auch Thanos, eine der Figuren aus dem Marvel Filmuniversum, sucht nach einer Lösung. Er entpuppt sich jedoch nicht als Held, sondern als Schurke, der die Hälfte der Bevölkerung des Universums vernichten will. Kein Soziologe würde natürlich eine solch drastische Lösung vorschlagen.

Das sagt auch Thanos selbst: Er meint, dass nur der Stärkste eine solche Verantwortung übernehmen kann. Warum liegt er falsch? Was hat das mit der Philosophie von Friedrich Nietzsche zu tun? Und kann man Thanos als übermenschlich bezeichnen?

🗯 Der Sinn von Thanos' Leben
Das Ziel von Thanos in den Marvel-Filmen ist die Vernichtung der Hälfte der Bewohner des Universums. Er macht sich Sorgen wegen der Überbevölkerung, die die Ressourcen allmählich aufbraucht, sodass das Leben der Bewohner zu einem Kampf ums Dasein wird. Deshalb bietet Thanos einen Ausweg an: die Hälfte der Bevölkerung zu opfern, um den Rest zu retten.

Wen genau hat er vor zu opfern? Im Grunde handelt es sich um eine Lotterie: Diejenigen, die von der Erde und anderen Planeten verschwinden, werden nach dem Zufallsprinzip ausgewählt, unabhängig von ihren Verdiensten. Thanos sieht darin eine gewisse Gerechtigkeit: Er ist aufrichtig und unparteiisch, alle Lebewesen sind in seinen Augen gleich, und das Leben seiner eigenen Tochter ist nicht wichtiger als irgendein anderes Leben. Und es ist nicht so, dass er allen gleichgültig gegenübersteht. Der Zuschauer sieht, dass er Gamora wirklich liebt, auch wenn sie es nicht erwartet. Und doch tötet er sie, um Milliarden anderer Leben zu retten - und vernichtet dabei ebenso viele.

Thanos glaubt, dass es seine Aufgabe ist, Weisheit denjenigen zu vermitteln, die sie nicht annehmen können. Oder besser gesagt, er pfropft sie mit Gewalt jedem auf, der ihm im Weg steht. Er will das Gleichgewicht herstellen, doch er macht dies durch Zerstörung. Deshalb dient ihm eine Waffe - ein Messer mit zwei Klingen, das er Gamora zeigt - als Metapher für Harmonie. Bezeichnend ist, dass Harmonie normalerweise als Gleichgewicht von Gegensätzen dargestellt wird. Hier sieht man jedoch Klingen auf beiden Seiten, d. h. Tod und Zerstörung.

🗯 Thanos' Theorie
Thanos' Überzeugungen können als eschatologisch bezeichnet werden. Im weitesten Sinne handelt es sich bei der Eschatologie um ein System von Ansichten und Überzeugungen in Bezug auf das Weltende. Normalerweise werden diese Ansichten der Religion zugeordnet, aber Thanos versucht, sie als eine reale Theorie zu präsentieren. In seinem Dialog mit Gamora behauptet er, dass er sich auf die reine Mathematik stützt: Das Universum ist endlich, ebenso wie seine Ressourcen, und wenn das Leben nicht beschränkt wird, vernichtet es sich selbst.
Vermutlich liegt das daran, dass er innerlich Angst hat, die Mission zu Lebzeiten nicht zu Ende bringen zu können oder z. B. von den Avengers besiegt zu werden. Doch Thanos ist sich seiner eigenen Fähigkeiten sicher. Nicht umsonst sagt er, dass "nur die Stärksten die schwierigsten Entscheidungen treffen werden". In dieser Rolle kann sich Thanos natürlich niemanden außer sich selbst vorstellen.

Sein Handeln ist immer auf Zerstörung ausgerichtet: Er quält seine eigene Tochter Nebula, um sie zu perfektionieren, er opfert Gamora, um einen der Steine für seinen Handschuh zu bekommen. Wie er glaubt, führt er die Welt "um jeden Preis" in eine bessere Zukunft. Warum also begleitet der Tod Thanos bei all seinen Handlungen?

🗯 Thanos und die Psychoanalyse

Allein der Name, den der Drehbuchautor Jim Starlin Thanos gegeben hat, soll sofort eine Assoziation mit dem Tod hervorrufen. Thanatos ist die Personifizierung des Todes im antiken Griechenland und ein Begriff, der später von Sigmund Freud popularisiert wurde. Schon bei der Entwicklung einer Theorie über den Selbsterhaltungstrieb entdeckte Freud, dass sich damit nicht alles erklären lässt. Darüber hinaus beobachtete er destruktive Verhaltensweisen, die im Widerspruch zur allgemeinen Theorie standen.
So ist die Idee des Thanatos, des Todestriebs, entstanden. Nach Freud streben alle Lebewesen nach ihrem ursprünglichen Zustand vor Beginn des Lebens. Mit anderen Worten: Das Ziel eines jeden Lebens ist der Tod.

Der Drang zum Tod ist Thanos inhärent. In den Comics verliebt er sich sogar in die physische Verkörperung des Todes. Aber seine Macht ist zu groß, als dass ihn jemand töten könnte, und so findet er erst den Tod, nachdem er seine Idee verwirklicht hat.

🗯 Der Übermensch
Thanos kommt zu dem, was Friedrich Nietzsche in seinem Roman "Also sprach Zarathustra" beschrieben hat - die Unterwerfung der Welt unter den eigenen Willen. Thanos entwickelt seine eigene Moral und lässt sie die Weltordnung beeinflussen - und zwar in einem Ausmaß, das sich Nietzsche nie hätte vorstellen können.
Thanos entscheidet sich für ein Leben "nach Nietzsche": "Lieber ein Narr sein auf eigene Faust, als ein Weiser nach fremdem Gutdünken!".
Thanos verkörpert dieses Zitat. Er ist von seinen Ansichten überzeugt, er hat empirische Beweise dafür - das Schicksal seines Heimatplaneten, des zerstörten Titan. Vor allem aber beruht sein Urteil auf dem Gedanken, dass niemand außer ihm es wagen könnte, so viele Leben zu zerstören.

Ist es möglich, jemanden umzustimmen, der an eine Theorie glaubt,die ihm alles zu erklären scheint? Nein, natürlich nicht. Als Thanos, der aus einem alternativen Universum stammt, sieht, wie die Erdlinge kämpfen, beschließt er, trotz des ursprünglichen Ziels alles Leben zu vernichten. Er beabsichtigt nun, nicht nur die Hälfte, sondern die gesamte Bevölkerung zu töten und ein neues Universum zu schaffen, das ihm dankbar sein wird, da es nichts zu bereuen hat. Nicht mal die Tatsache, dass er mit seinen Schlussfolgerungen falsch liegt, lässt Thanos von seinem Vorhaben abbringen, denn er stützt sich nicht auf Fakten und Beweise, sondern auf seine eigenen Überzeugungen.
Am Ende seines Lebens kommt Thanos zu einem ähnlichen Schluss wie Nietzsche: Der Mensch (und in unserem Fall alle Lebewesen) muss übertroffen werden, und das muss ein Übermensch tun. Er wäre furchterregend in seiner Güte, genau wie Thanos, der tötet, um das Leben fortzusetzen. Denn nach Nietzsche ist "Das Böseste ist nötig zu des Übermenschen Bestem."
Der Wille des Übermenschen ist seinem Ego untergeordnet. Er ist der Schöpfer, der die Richtung des Lebens vorgibt und es selbst seinem Willen unterwirft. Thanos ist also der Träger der nietzscheschen Herrenmoral. Das bedeutet, dass er selbst das Maß der Moral ist und selbst weiß, was gut und was schlecht ist.

Nietzsche schreibt: "Einige haben keinen Erfolg im Leben, ein giftiger Wurm nagt an ihrem Herzen. Mögen sie ihr Bestes tun, um den Tod für sie besser zu machen." Mit diesen Worten lässt sich das Leben von Thanos zusammenfassen, das in der Tat gescheitert ist: Sein Glaube hat sich als falsch erwiesen. Aus diesem Grund kann Thanos selbst nicht einmal mit Vorbehalt als Übermensch bezeichnet werden. Es ist ihm nicht gelungen, die ganze Welt seinem Willen zu unterwerfen, sondern nur vorübergehend und mit Gewalt.
Es gibt jedoch eine Gemeinsamkeit zwischen Thanos und Nietzsche: Ihre Denk- und Sichtweisen ähneln sich. Sie haben die gleichen Ausgangspunkte und kommen zu ähnlichen Schlussfolgerungen. Der einzige Unterschied besteht darin, dass Thanos sich für den Übermenschen hielt, seine Ziele aber trotzdem nicht erreichte. Was ist Ihre Meinung zu Thanos? Waren seine Absichten wirklich gut?
🗯 🗯 🗯

Photos 06/05/2022

iona aus "Shameless": Wie beeinträchtigt das Helfersyndrom das Leben?
Warum hilft Fiona allen außer sich selbst?

Die Serie "Shameless" erzählt die Geschichte einer amerikanischen Familie, die in einem sozial schwachen Viertel in Chicago lebt. Die Gallaghers haben mit vielen Problemen zu kämpfen - Schulden, Süchte, Schwangerschaft im Teenageralter - und ihre älteste Tochter Fiona muss mit all dem zurechtkommen.

Aber warum stellt Fiona die Interessen anderer Menschen immer über ihre eigenen? Woher hat sie das "Helfersyndrom" bzw. “Rettersyndrom”? Und wie hindert es sie daran, glücklich zu sein? Lassen Sie es uns herausfinden.

💙 Viel zu reif

Zu Beginn der Serie ist Fiona Anfang zwanzig, aber trotz ihres jungen Alters geht sie weder zur Uni, noch trifft sie sich mit Freunden. Ihr ganzes Leben scheint nicht ihr zu gehören, sondern ihrer Familie - sie muss für alle sorgen, ihre jüngeren Geschwister aufziehen und sich um ihren arbeitsunfähigen Vater kümmern. Obwohl alle Kinder versuchen, ihren Beitrag zu leisten, ist Fiona die Älteste, daher liegt die ganze Verantwortung bei ihr.

Warum also kümmert sich Fiona mehr um andere als um sich selbst?

💙 Kindheit

Viele Probleme entstehen in der Kindheit - und Fiona Gallagher hatte eben keine Kindheit. Ihre Eltern, Frank und Monica, waren schon immer äußerst unverantwortlich. Aufgrund ihrer eigenen Probleme kümmerten sie sich nicht ausreichend um ihre Kinder. Frank litt unter Alkohol- und Drogenmissbrauch, was zu weiteren gesundheitlichen Problemen wie Leberzirrhose führte. Auch Monica hatte Probleme mit Drogen und einer bipolaren affektiven Störung, bei der sich Depression und Manie ständig abwechselten.

Es kam vor, dass Frank und Monica ihre Kinder an Tankstellen oder in den Häusern von kaum bekannten Menschen vergaßen oder sie sogar als Drogen-Kaution zurückließen. Fiona erinnert sich noch lebhaft an diese Momente und versucht, ihren Vater daran zu erinnern, wenn er meint, er sei ein toller Vater. Dies hat sie offensichtlich traumatisiert, da sie im Grunde keine Eltern hatte. Eltern stellen die wichtigsten Erwachsenen im Leben eines Kindes dar, die für die Sicherheit und die Grundbedürfnisse des Kindes verantwortlich sind. Frank und Monica haben diese Funktionen nicht erfüllt.

Fiona musste daher schon sehr früh die Rolle der Eltern übernehmen, nicht nur gegenüber ihren Geschwistern, sondern auch gegenüber ihrem Vater und ihrer Mutter. Aus diesem Grund konnte sie die Schule nicht abschließen, ihre Träume nicht verwirklichen und psychologisch gesehen hat dieses frühe Eintauchen in die Probleme der Erwachsenen ihre gesamte Persönlichkeit beeinträchtigt.

Sie bekommt Probleme mit Aggression: Diese entsteht als Abwehrreaktion auf jeden Reiz, weil ihre Eltern sie ja nicht beschützen konnten. Da Fiona in einer destruktiven Familie aufwuchs, hatte sie auch nie ein gutes Vorbild, an dem sie sich orientieren konnte. Im Laufe der Serie zeigt sich also, dass sie Schwierigkeiten hat, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten und sich eine Beziehung aufzubauen.

Als Erwachsene verliebt sich die von ihren Eltern vernachlässigte Fiona in jeden, der ihr auch nur das kleinste bisschen Zuwendung und Liebe entgegenbringt. Dabei hat sie jedoch das Bedürfnis, sich um ihre Liebespartner ebenso zu kümmern wie um ihre Familienangehörigen. Sobald ihr Freund sie zu “retten” versucht, lässt ihr Interesse an ihm schnell nach. Warum passiert das?

💙 Retterin

Fiona wird zur Retterin für alle: Verwandte, Nachbarn, Freunde. Das Konzept der Retter-Rolle wurde von Karpman, dem Begründer der Theorie der co-abhängigen Beziehung, entwickelt.

Beim Dramadreieck von Karpman handelt es sich um ein Modell der Transaktionsanalyse, das eine co-abhängige Beziehung beschreibt. In diesem Dreieck gibt es immer ein Opfer, einen Retter und einen Verfolger/Täter. Die Menschen in dieser Beziehung wechseln ihre Rollen, aber normalerweise hat jeder eine dominante Rolle. Im Fall von Fiona ist es die Rolle des Retters. Es ist typisch für sie, zu helfen, zu leiten und zu glauben, dass sie weiß, was das Beste für ihre Mitmenschen ist. Fiona besteht zum Beispiel darauf, dass Debbie abtreibt oder dass Lip aufs College geht.

Das bedeutet jedoch nicht, dass sie sie wirklich rettet. Auch wenn der Retter aufrichtig glaubt, sein Bestes zu tun, wird er in Wirklichkeit von anderen Motiven angetrieben: Er versucht, die Probleme anderer zu lösen, um seine eigenen zu verdrängen. So sehen wir, dass Fiona sich kaum um sich selbst kümmert und immer wieder alles stehen und liegen lässt, um ihrer Familie zu helfen. Dabei braucht man sie nicht einmal um Hilfe bitten: Sie fühlt sich verpflichtet, dies zu tun. So entwickelt sie das Helfersyndrom. Menschen, die davon betroffen sind, fühlen sich schlecht, wenn niemand sie braucht. Sie fangen an, nicht nur den "Opfern" zu helfen, sondern auch denen, die gar keine Hilfe brauchen, und verletzen damit die persönlichen Grenzen anderer Menschen.

Warum also sieht sich Fiona mit der Undankbarkeit der Kinder konfrontiert, denen sie ihr ganzes Leben widmet? Das Problem ist, dass sie als Retterin alle um sich herum in ein Abhängigkeitsverhältnis hineinzieht. Ihre Familienmitglieder sind ihr gegenüber unweigerlich entweder Opfer oder Aggressoren - diese Rollen ändern sich also je nach Situation.

Indem Fiona jemanden rettet, zwingt sie diese Person in die Position des Opfers, das nicht in der Lage ist, Verantwortung zu übernehmen und allein zurechtzukommen. Die jüngeren Gallaghers erwarten von Fiona, dass sie ihnen immer und in allem hilft: Sie stellen ihre eigenen Interessen über alles andere , weil die ältere Schwester ihnen das selbst beigebracht hat, indem sie eine Abhängigkeit entwickelte. Deshalb erhält sie anstelle von Dankbarkeit nur Ansprüche und Rohheit. Die Kinder glauben, dass es ihre Pflicht ist, sie zu retten, und wenn sie das nicht schafft oder wenn sie ihr nicht gehorchen wollen, werden die Opfer zu den Aggressoren bzw. Verfolgern.

Auch Fionas Rolle kann sich ändern: Wenn ihre Hilfe nicht angenommen wird, wird sie von der Retterin zum Opfer und dann, um sich zu verteidigen, zur Aggressorin. Also hört man nicht nur auf, sich wegen des Helfersyndroms um das eigene Leben zu kümmern, sondern man scheitert auch daran, gesunde Beziehungen zu anderen Menschen aufzubauen.

💙 Wie kann man sich selbst retten?

Der sicherste Weg aus dem "Teufelsdreieck" ist die Trennung. Genau dafür entscheidet sich Fiona: Ihre Geschichte endet damit, dass sie in eine andere Stadt zieht. Weder wir noch ihre Familie wissen mehr über sie. Das war wohl der einzig richtige Weg für die junge Frau: Sie musste sich von ihrer Familie trennen. Der erste Schritt, um aus einer Co-Abhängigkeit herauszukommen, besteht darin, den sozialen Kreis komplett zu wechseln und sich physisch von denjenigen zu distanzieren, mit denen man quasi verschmolzen war.

Natürlich handelt es sich um einen radikalen Weg, aber es ist einfacher, aus dem Spiel auszusteigen, wenn man den "Spielplatz" verlässt. Doch vielleicht ist es noch wichtiger, sich seiner Rolle bewusst zu werden und kein neues Spiel mit anderen Spielern zu beginnen.

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💬 Gefällt Ihnen Fiona Gallagher? Glauben Sie, dass sie ein neues Leben beginnen kann?

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