19/07/2022
Kaputt! Warum zerstört mein Hund meine Lieblingssachen?
Beauceron-Lady Mrs Buddy erklärt:
Frauchen war beim Sport. Ich würde ja gern mitgehen, aber beim Ziegen-Yoga sind keine Hunde erlaubt. Es macht mir auch nichts aus, ein paar Stunden allein zu bleiben. Ich schlafe oder döse vor mich hin. Manchmal habe ich noch gar nicht fertig geträumt und sie ist schon wieder zurück. Aber heute war das anders.
Ich kam nicht zur Ruhe, weil ich mitten im Zahnwechsel war und ordentlich Rambazamba in meinem Maul hatte. Der Krieg der Zähne. Das große Leckerli, das Frauchen mir immer schenkt, wenn sie aus dem Haus geht, hatte ich längst verdrückt. Ich streifte durch die Wohnung, suchte nach Ablenkung und Kaubarem. Plötzlich hatte ich eine geniale Idee. Bei Nina hat alles seinen Platz, immer alles aufgeräumt. Aber hinter dem Vorhang am Eingang herrscht das pure Chaos. Ohne jede erkennbare Logik stehen dort alle ihre Schuhe herum. Getragene Schuhe und Socken finde ich extrem anziehend, denn sie duften so vertraut nach meinem Frauchen. Ich nahm mir die Schuhe einzeln vor, verteilte sie gleichmäßig im Wohnzimmer, schleckte den Dreck ab und knabberte drauf rum. Oh Gott, Schmutz an den Schühchen! Keine Sorge, Frauchen, ich sag’s niemand weiter. Das war jedenfalls eine Riesenarbeit, aber meinen Zähnen tat das gut. Der Druck ließ nach. Und als ich geduldig auf ihren Wanderschuhen kaute, fiel mir ein Paar auf, das ganz hinten in der Ecke stand. Das glitzerte so herrlich. Wuff, die hatte ich noch nie gesehen. Vielleicht könnte ich die Wanderschuhe auch zum Glitzern bringen? Das war mühsam. Ich knabberte die kleinen Steinchen einzeln ab und verteilte sie auf den Wanderschuhen. Dann fiel mir auf, dass die Glitzerschuhe viel zu hohe Absätze hatten. Ich verstehe ja, dass Frauchen auf den Zehenspitzen gehen will, so wie ich. Aber nö, mit den Dingern kann Nina doch niemals laufen. Machen wir uns nichts vor, sie stolpert so schon oft genug im Wald, fällt in Pfützen oder in den Schnee. Ich werde die silbernen Absätze kürzen. Oh, hat nicht ganz geklappt. Jetzt sind sie ab. Glitzerfreie Ballerinas gezaubert. Ein bahnbrechender Erfolg. Fertig. Alle Schuhe repariert und neu sortiert.
Danach habe ich mit den Vorhängen gespielt. Da konnte ich so schön reinbeißen, ziehen, zerren und dran schaukeln. An diesem Tag war der Vorhang stärker. Drei meiner Wackelzähne gingen dabei drauf und ich plumpste mit dem ganzen Stoff rückwärts auf den Boden. Der Stoffberg war toll. Ich schwöre, die Löcher und Flecken waren schon vorher drin. Ich konnte mich einwickeln, mir eine Höhle bauen und es war viel heller im Wohnzimmer. Das blieb auch so. Nina wollte nur meine drei Zähne behalten. Die Stoffhöhle gehörte von nun an mir, aber die Zahnfee brachte mir dieses Mal keine Leckerlis. Hat Frauchen bestimmt vergessen, weil sie so schlecht gelaunt nach Hause kam. Ich begriff schnell, dass das lieblose Herumschleudern ihrer Schuhe nicht als Spielaufforderung für mich gedacht war, und verkrümelte mich auf meine Decke. Na, Frauchen, sei ehrlich: Bist du wieder vom Laufband gefallen und im Dampfbad gegen die Glasscheibe gelaufen?
Nina Sauer ergänzt:
Es gibt viele Gründe, warum Hunde Gegenstände zerstören. Langeweile, Frust, Neugierde, Trennungsstress, „Tötungsabsicht“, zu heftiges Spielen oder auch Schmerzen wie bei Mrs Buddy. Natürlich war ich stinksauer, als ich das Chaos im Wohnzimmer sah und darüber, dass sie sich unter anderen ausgerechnet meine teuersten Schuhe vorgenommen hatte, die für den jährlichen Opernball gedacht waren. Mit Absicht, um mich zu ärgern und zu bestrafen, weil ich heute einen Saunagang mehr nach dem Sport gemacht hatte, so glaubte ich. Vor lauter Wut reagierte ich völlig unangemessen, warf mit Schuhen um mich und ignorierte die liebe Mrs Buddy, die gar nicht wusste, was das Theater sollte. Das war nicht nur ein sinnloses Verhalten, es war auch unfair. Hunde haben kein Wertesystem. Sie haben nicht die leiseste Ahnung, wie teuer Schuhe sind. Auch meine Annahme, Mrs Buddy wolle mich bestrafen, war absurd. Meine Reaktion konnte sie nicht mit ihren Zerstörungen verknüpfen. Aus hündischer Sicht hatte Mrs Buddy nichts falsch gemacht. Sie hatte Zahnschmerzen und suchte Ablenkung.
Episode 131 aus dem Audio-Kompaktkurs: „In 21 Tagen zum Welpenexperten“ von Tierpsychologin Nina Sauer
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