13/01/2022
Sati ist eines jener besonderen Worte aus dem Sprachenreichtum der Welt, auf denen sich endlos herumkauen lässt, ohne dass sie fade werden. Es stammt aus der mittelindischen Sprache Pāli, die heute v. a. als Literatursprache eingestuft wird. Verbreitet wurde sie von keinem Geringeren als Siddārtha, a.k.a. Buddha. Oft wird die Vokabel auch direkt als „Achtsamkeit“ übersetzt. Siddārtha verstand unter sati eine Haltung der klaren, ruhigen Bewusstheit. Er beschrieb damit den Fokus des Mönchs, der einsam meditierend auf einem Berg sitzt und sich auf das konzentriert, was direkt vor ihm ist: seinen Atem. Der ist im Buddhismus das Transportmittel der Weisheit. Kontrolliere deinen Atem, und du kontrollierst deinen Geist. Mein Eindruck ist, dass wir das nach und nach verlernen: im Moment zu sein und uns nur auf das zu fokussieren, was gerade dran ist. Nur, wenn wir voll präsent sind, können wir das Erkenntnispotenzials jedes Moments ausschöpfen, den Augenblick in seiner Fülle erleben und das Dasein genießen. Dieses eine Gespräch kommt nicht wieder, dieser eine Applaus zieht vorbei, dieses eine Leben ist vergänglich. Sati schafft Klarheit: Es hilft uns vergegenwärtigen, was wirklich zählt.