02/06/2026
338 Schicksale berühren Henry-Harnischfeger-Schüler
Wahlpflichtkurs Geschichte besucht Kriegsgräberstätte Schlüchtern
Nebeneinander liegen 338 Menschen unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Herkunft bestattet, die eines vereint: Sie wurden zum Opfer zweier Weltkriege und zum Opfer der nationalsozialistischen Terrorherrschaft.
In der Kriegsgräberstätte Schlüchtern haben sowjetische Kriegsgefangene, polnische Zwangsarbeiter, hingerichtete KZ-Häftlinge, Angehörige der Wehrmacht, Soldaten der Waffen-SS und durch Bombenangriffe und Fliegerbeschuss Verstorbene ihre letzte Ruhestätte. Laut Gräberliste wurden dort mindestens 33 ausländische Personen bestattet. Unter den deutschen Toten finden sich auch Opfer der NS-Militärjustiz, die in den letzten Kriegstagen im Raum Schlüchtern als sog. Fahnenflüchtige hingerichtet wurden.
Einige Schülerinnen und Schüler der Henry-Harnischfeger-Schule merkten an, dass insbesondere die dort bestatteten 100 Soldaten der Waffen-SS, die die durchrückende amerikanische Armee auf der Spielberger Platte an Ostern 1945 von hinten angriffen und die Dörfer Waldensberg und Leisenwald durch diese Kampfhandlung zerstörten, trotz ihrer Zugehörigkeit zur Waffen-SS nicht nur als Täter, sondern im Rückblick vielleicht auch als Opfer gesehen werden sollten. „Sie waren sehr jung, wuchsen im Nationalsozialismus auf und waren sicher fanatisch. Sie wurden in einer Diktatur zu Mördern erzogen und hatten vielleicht keine Chance, sich dieser zu entziehen. Die Nationalsozialisten haben auch ganze Generationen deutscher Jungen und Mädchen, Männer und Frauen ihrer Zukunft beraubt. Auch das dürfen wir nicht vergessen.“, so Schülerinnen und Schüler des Wahlpflichtkurses „Heimat unterm Hakenkreuz“.
Es sei ein merkwürdiges Gefühl, wenn neben SS-Soldaten hingerichtete KZ-Häftlinge aus den Adlerwerken in Frankfurt liegen, die den Todesmarsch durchs Kinzigtal nicht überlebten. Noch bis heute stünde kein Name, auf der kleinen Grabtafel, sondern „unbekannter Soldat“. Die Schülergruppe hofft, dass diese im Sinne der Toten und Angehörigen in naher Zukunft richtig beschriftet werden.