11/09/2018
Sehr geehrter Dieter Bohlen,
wieder einmal haben Sie den Maßstab für Anstandslosigkeit, Respektlosigkeit und schlechtes Benehmen neu gesetzt. In Ihrer Videobotschaft äußern Sie sich ungefragt zum mutmaßlichen Tod von Daniel Küblböck, der über Bord eines Kreuzfahrtschiffes gegangen und wahrscheinlich im Meer ertrunken ist.
Das tun Sie, ein Medienstar mit beträchtlicher Außenwirkung, in einer Klamotte mit der Aufschrift „Be one with the ocean“, auf deutsch: „Sei eins mit dem Ozean“.
Sie sind ein intelligenter Kopf, der die Mechanismen der Medien gut kennt – das tue ich auch. Ich weiß, dass Grenzüberschreitungen im medialen Overkill nötig sind, wenn man „im Business bleiben will“. Bei dem, was Sie da gebracht haben, handelt es sich nicht um die beschworene „Pulli-Panne“ – das Gegenteil ist der Fall. Sie haben den Skandal kalkuliert und bewusst inszeniert, um die Welle des öffentlichen Interesses ganz vorne abzureiten. Sogar das tragische Lebensende eines anderen Menschen schlachten Sie für Ihre eigenen Zwecke aus.
Lieber Herr Bohlen, selbst Grenzüberschreitungen haben Grenzen. Geld und Prominenz befreien nicht davon, die grundlegendsten gesellschaftlichen Übereinkünfte zu achten – ganz im Gegenteil! Prominenz verpflichtet zu einem Verhalten, das unsere Gesellschaft nicht zersetzt. Zumindest dann, wenn man sich nicht selbst als Werkzeug zur Asozialisierung versteht.
Durch Menschen wie Sie wird der Begriff „Erfolg“ zunehmend umgedeutet. „Erfolg“ bedeutet für viele mittlerweile nicht mehr, es zu etwas gebracht zu haben und damit auch soziale Verantwortung zu übernehmen.
Durch Ihresgleichen wird Erfolg zur Unabhängigkeit, sich mit Reichtum vollkommen rücksichtslos über sämtliche gesellschaftlichen Normen hinwegsetzen zu können. In der Schule nennt man so etwas Absolutismus, der stets ein Ausdruck von Größenwahn ist.
Sie sind selbst mir als DAS Markenzeichen für Rüpelhaftigkeit und schlechtes Benehmen bekannt. Bei jungen Menschen haben Sie wegen Ihres Ruhms und Ihres Reichtums eine hohe Vorbildfunktion – mit anderen Worten: Sie sind einer der Trendsetter dafür, wie sich ihre Fans und Follower verhalten. Sie tragen dazu bei, dass Werte wie Höflichkeit, Rücksichtnahme, Mitfühlsamkeit und Mitmenschlichkeit zu einem uncoolen Anachronismus verkommen. Je unflätiger, desto besser.
Ich möchte mich nicht als moralische Instanz aufspielen, das kommt mir gar nicht zu. Ich möchte Ihnen nur einfach einmal sagen, wie abartig ich Ihre Aktion finde.
Diejenigen, die Daniel Küblböck nahestehen, Familie, Verwandte, Freunde, dürften in ihrer Trauer sprachlos sein angesichts einer solchen Ungeheuerlichkeit. Ich bin es nicht. Ich habe mit dem einstigen DSDS-Star absolut nichts am Hut, ich weiß nicht einmal, was Herr Küblböck so alles gemacht hat.
Was ich weiß: Auf meinem Bildschirm gilt der „Bohlen-Bann“. Jemand wie Sie ist es nicht wert, gehört zu werden.
Mit freundlichen Grüßen
Dirk Lorey
PS: Das Foto habe ich von Ihnen geklaut.