16/10/2023
20231016 Japan: Rōnin
Rōnin waren herrenlose Samurai während der Feudalzeit Japans. Sie wurden in dem Moment zum Rōnin, wenn ihr Daimyō (Feudalherr) starb oder sie die Gunst ihres Daimyō und somit ihr rechtliches Privileg verloren.
Die Rōnin waren in der japanischen Gesellschaft stark diskriminiert und galten als Schande. Sie waren oft mittellos und gezwungen, sich mit illegalen Aktivitäten ihren Lebensunterhalt zu verdienen.
Die berühmteste Geschichte der Rōnin ist die Geschichte der
47 Rōnin, die den Tod ihres Daimyō rächten.
Sie ermordeten den für den Tod ihres Daimyō verantwortlichen Bakufu-Beamten und begingen anschließend Seppuku.
Die Geschichte der 47 Rōnin ist in Japan bis heute eine beliebte Legende.
Sie verkörpert die Tugenden der Loyalität und Ehre der Samurai.
Was bedeutet der Begriff Rōnin?
Der Begriff Rōnin bedeutet wörtlich „Wellenmann“ oder „umherwandernde Person“. Er wird verwendet, um einen Samurai zu bezeichnen, der keinen Daimyō hat.
Woher stammt der Begriff Rōnin?
Der Begriff stammt ursprünglich aus der Nara- und Heian-Zeit und bezeichnete einen Leibeigenen, der aus dem Gebiet seines Daimyō geflohen war oder es verlassen hatte.
Was bedeutet Rōnin im modernen Japanisch?
Im modernen japanischen Sprachgebrauch wird der Begriff Rōnin auch für einen Schulabsolventen verwendet, der die erste Zulassungsprüfung nicht bestanden hat und nun ein Jahr lang auf die neue Prüfung warten muss.
Die Stellung der Rōnin in der japanischen Gesellschaft
Gemäß dem Bushido, dem „Kodex des Kriegers“, sollte ein Samurai beim Verlust seines Daimyō Seppuku begehen.
Wer sich nicht an diesen Kodex hielt, war „auf sich allein gestellt“
und sollte große Schande erleiden.
Die Unerwünschtheit des Rōnin-Status war in erster Linie eine Diskriminierung, die von anderen Samurai und den Daimyō auferlegt wurde.
Die Waffen der Rōnin
Wie die Samurai trugen auch die Rōnin zwei Katana (Schwert), benutzten aber auch eine Vielzahl anderer Waffen. Mittellose Rōnin trugen beispielsweise einen Bō (Schlagstock von etwa 1,5 bis 1,8 m) oder Jō (ein kleinerer Stock von etwa 0,9 bis 1,5 m). Auch Yumi, die japanischen Bögen waren bei den Rōnin beliebt.
Die Geschichte der Rōnin
Während der Edo-Zeit, mit dem strengen Klassensystem und den Gesetzen des Shogunats, stieg die Zahl der Rōnin stark an. Die Konfiszierung von Lehen während der Herrschaft des dritten Tokugawa-Shōgun Iemitsu führte zu einem besonders starken Anstieg der Rōnin.
In früheren Zeiten konnten die Samurai zwischen ihren Daimyō und sogar zwischen Berufen wechseln. Sie konnten auch zwischen den Klassen heiraten.
Mit der Edo-Zeit waren die Samurai nun jedoch stark eingeschränkt und es war ihnen vor allem untersagt, ohne die Erlaubnis ihres früheren Daimyō bei einem anderen Daimyō angestellt zu werden.
Der 47 Rōnin-Zwischenfall
Die Geschichte der 47 Rōnin ist eine der berühmtesten Legenden der japanischen Geschichte. Die herrenlosen Samurai rächten im Jahre 1703 den Seppuku (rituellen Selbstmord) Ihres Daimyō, dem Fürsten Asano.
Sie ermordeten mit einer spektakulären Aktion den für den Tod des Fürsten verantwortlichen Bakufu-Beamten, Fürsten Kira.