26/10/2023
Künstliche Intelligenz als Hilfsmittel für Menschen mit Sehbeeinträchtigung – wie gut funktioniert das?
Unser sehbeeinträchtigter Mitarbeiter Daniele Corciulo hat sich dieser Frage angenommen und den Nutzen, aber auch die Grenzen von KI für Menschen mit Sehbeeinträchtigung untersucht. Er kommt zu folgendem Fazit:
"Künstliche Intelligenz kann Blinden zu mehr Selbständigkeit verhelfen!
«Be my eyes» bspw. ist eine App welche es blinden Menschen ermöglicht, via Videocall mit sehenden, freiwilligen Helfern in Verbindung zu treten. So können blinde Anwender beispielsweise eine Frage zur Umgebung stellen und die sehenden Teilnehmenden können durch die Kamera des Smartphones des blinden Menschen die Umgebung analysieren und Anweisungen geben.
Mir hat die App schon in vielen Situationen geholfen. Beispielsweise konnte ich in Erfahrung bringen, ob Lebensmittel bereits abgelaufen waren oder nicht. Ebenfalls konnte man mir beispielsweise erzählen, wie ein Kleidungsstück gewaschen werden sollte.
Nun hat diese App eine Anbindung an ChatGPT erhalten. Das Feature nennt sich «Be My AI» und läuft als Open-Beta.
Es ist sehr beeindruckend zu sehen, wie genau Beschreibungen von Bildern automatisch generiert werden können.
Obwohl ich den Kontakt mit anderen Menschen sehr schätze um mir Dinge zu beschreiben, glaube ich, dass die künstliche Intelligenz da einspringen kann, wo vielleicht keine freiwilligen Helfer:innen zur Verfügung stehen.
Ich habe beispielsweise meinen Luftbefeuchter fotografiert und analysieren lassen. Prompt habe ich eine Beschreibung der Tasten, des Displays, sowie die darauf angezeigten Symbole mit den Werten erhalten.
Ich habe die Ergebnisse von einer sehenden Person gegenprüfen lassen und wir waren beide positiv überrascht.
Natürlich gibt es auch Momente, wo die Software Fehlinformationen liefert, insbesondere wenn das Objekt nicht gut fotografiert wurde.
Man kann sich also nicht zu 100% nur auf die künstliche Intelligenz verlassen, aber es kann einem bereits gute Hinweise geben, welche zur Lösung eines Problems beitragen können. Sicher können auch Blinde im Uni-Alltag davon profitieren.
Trotzdem bleibt aber Barrierefreiheit ein wichtiges Thema, denn künstliche Intelligenz kann nicht fehlende Barrierefreiheit vollständig kompensieren. Künstliche Intelligenz ist nur so gut wie die ihr zugrunde liegenden Daten."
- Beitrag von Daniele Corciulo, Accessibility Consultant an der Universität Zürich