07/08/2026
Der Reissverschluss klemmt. Das Kind probiert. Es gelingt noch nicht.
Und du spürst den Zeitdruck im Nacken. Der nächste Termin wartet meistens schon.
Also übernehmen wir. Wir fädeln den Reissverschluss schnell selber ein – damit es vorwärtsgeht.
Verständlich. Und doch nehmen wir dem Kind damit die Gelegenheit, es selbst zu lernen.
Genau in diesen Momenten steckt oft eine wertvolle Entwicklungsmöglichkeit.
Hier hilft ein kleiner Baustein aus der Marte Meo Methode: das Benennen.
Zuerst benennen, wie es dem Kind gerade geht:
«Das ärgert dich, gäll – es geht noch nicht so, wie du möchtest.»
«Du probierst weiter.»
Das Kind spürt: Ich werde gesehen. Das gibt ihm Mut, weiterzuprobieren.
Manchmal genügt das Benennen. Und manchmal hilft es dem Kind, wenn wir auch den nächsten Schritt in Worte fassen – ohne ihn selbst zu übernehmen:
«Jetzt kannst du das untere Ende festhalten.»
So bleibt das Tun beim Kind.
Das Kind erlebt: «Ich schaffe das.»
Und das Schöne daran: Der Alltag bietet unzählige solcher Gelegenheiten – beim Anziehen, beim Essen, beim Aufräumen oder beim Schuhe binden. Jede einzelne ist eine Chance, Selbständigkeit und Selbstvertrauen wachsen zu lassen.
Seit 20 Jahren arbeite ich nun mit der Marte Meo Methode. Und es fasziniert mich immer wieder aufs Neue, mit wie wenig wir Kinder in ihrer Entwicklung unterstützen können – wenn wir die Möglichkeiten und die Marte Meo Elemente bewusst wahrnehmen und nutzen.
In der Begleitung von Eltern erlebe ich immer wieder, wie entlastend dieser Perspektivenwechsel wirkt: weg vom Druck, alles «richtig» machen zu müssen – hin zum Vertrauen, dass oft schon ein kurzes Benennen und Innehalten viel bewirken kann.
Danke, Maria Aarts, dass ich das alles von dir lernen durfte.
Foto: Chatgpt