22/01/2024
DER GRÖSSTE WÄRMEVERLUST ÜBER DEN KOPF!?
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Es tut mir leid, aber ich muss das jetzt mal loswerden: Vor ca. 10 Jahren habe ich viel für die Zeitschrift SWIM geschrieben und zwar online und auch im Print. Und ich bin zwei, drei längere Strecken (auch in kaltem Wasser) geschwommen. Das macht mich noch nicht zum absoluten Experten im Kaltwasserschwimmen, aber gerade das Schreiben für eine seriöse Fachzeitschrift verlangt kein Halbwissen, sondern präzise Recherche und die Fähigkeit Quellenangaben bezüglich Vertrauenswürdigkeit und Seriosität richtig einzuschätzen. Der Mythos des meisten Wärmeverlustes über den Kopf geht auf ein Experiment des US-Militärs in den 1950er Jahren zurück. Damals wurden Probanden unter arktischen Bedingungen in Schutzanzüge gesteckt und lediglich der Kopf blieb bei diesem Experiment ungeschützt. So kam man zu der Annahme, dass rund 50% des Wärmeverlustes über den Kopf erfolgt. Diese angebliche Erkenntnis floss in dieses Manual ein: Survival (fas.org) Zu finden auf Seite 16-6. Der grosse Fehler war natürlich, dass der übrige Körper geschützt war und so entsprechend weniger Wärme verlor als der Kopf. Der Mythos wurde aber in über 70 Jahren schon so oft widerlegt, dass schon die kleinste Recherche 20 – 30 Quellen aus Medizin und Wissenschaft zu Tage bringt, die das Gegenteil beweisen. Mediziner gehen heute von einem Wärmeverlust von rund 10% über den Kopf aus. Und trotzdem wird der liebgewonnene, aber falsche «Fakt» von Müttern und Extremschwimmern rund um den Globus immer und immer wieder gerne strapaziert. Und ganz ehrlich: «ICH KANN ES EINFACH NICHT MEHR HÖREN, LESEN ODER SEHEN!» 😊 Wahr ist dagegen, dass Wasser eine 10-fach höhere Wärmeleitfähigkeit als Luft hat. Das macht es nicht nur aus Sicht der Sauerstoffaufnahme zu einer sinnvollen Sache, den Kopf in eiskaltem Wasser über eben jenem zu halten - obwohl das auch nicht Jack Dawsons Hintern gerettet hätte! Also, nach dem Eisbaden, Eisschwimmen und ähnlichen Kälteabenteuern einfach rasch in trockene, warme Klamotten schlüpfen. So sind 90% der Wärme verlierenden Fläche schon mal schützen. Mütze, Sturmhaube und Ohrenwärmer dann einfach nach Bedarf ergänzen. Ich bin sicher, dass ich diesen Mythos auch in 10 Jahren immer noch hören werde, aber ich kann von heute an besser mit diesen «Fake News» leben.