22/04/2018
Vortrag über Malcolm X, 15.04.2018 - Emir Faruk Kayahan
«Leute verstehen nicht, dass sich das ganze Leben eines Menschen durch ein einziges Buch verändern kann» Malcolm X
“Brothers and sisters, friends and enemies…” mit diesem Zitat des berühmten Malcolm X beginnt der junge Referent, Emir Faruk Kayahan, seinen Vortrag im Seminarraum 1 im SIG Zentrum und zeigt sofort auf, dass wir an diesem Frühlingstag einen Charakter kennen lernen werden, der nicht immer ein einfaches Leben hatte.
Man sieht Emir an, dass er gut vorbereitet ist, er hat in der Hand Notizzettel, sieht diese aber kaum an, auf seinem Referententisch stapeln sich Bücher. Emir Faruk Kayahan ist Student an der Universität Osnabrück. Er studiert Islamische Theologie und Germanistik. Er erklärt uns, dass allen der Name Malcolm X etwas sagt, eine Person, die bei Nationalisten, wie auch bei linksgerichteten Parteien erwähnt wird, sogar im modernen Hip-Hop kommt er vor, aber eigentlich wissen wir gar nicht, wer diese Person ist. Eine unbegründete Zuneigung gegenüber einer Person machte Emir unsicher und er beschloss, sich mit der Geschichte von Malcolm X auseinander zu setzen.
Der junge Malcolm Little kommt im Staate Nebraska (USA) 1925 zur Welt. Er lebt in einer Zeit, wo dunkelhäutige Menschen keine Rechte haben, die Gesellschaft ist getrennt in eine weisse, privilegierte Klasse und in eine schwarze Klasse, die kaum eine Zukunft hat. In dieser Zeit gibt es Krankenhäuser und Schulen für Weisse und getrennte Krankenhäuser und Schulen für Schwarze – das ist selbstverständlich... Sein Vater wird ermordet und seine Mutter steht da mit ihren Kindern und weiss nicht weiter. Malcolm ist ein guter und kluger Schüler. Als ihn sein Lehrer fragt, was er denn gerne mal für einen Beruf erlernen möchte, sagt Malcolm: «Ich möchte Rechtswissenschaften studieren», daraufhin antwortet sein Lehrer, dass das nicht möglich ist, denn er ist ein N***r (ein Schwarzer) und N***r dürfen nicht studieren. Daraufhin bricht für Malcolm eine Welt zusammen. Im Alter von 20 Jahren geht er nach Harlem (New York), wo er kriminell wird und ins Gefängnis kommt.
Im Gefängnis trifft er auf Mitglieder des Nation of Islam und kommt somit das erste Mal mit dem Islam in Berührung. Die Nation of Islam macht in dieser Zeit den «weissen Mann» für das ganze Elend der Afroamerikaner verantwortlich. Da die Ideen der Nation ihm gefallen und er merkt, dass der Islam das Licht ist, das er so lange gesucht hat, konvertiert er zum Islam und setzt sich das Ziel, «die Wahrheit [über den weissen Mann und über sein Glauben] per Briefe zu verkünden». Sein Problem am Anfang ist aber, dass er bis zu diesem Zeitpunkt noch nie etwas geschrieben hat und kaum lesen kann – somit begibt sich der Junge (nun Malcolm X) zur Gefängnisbibliothek und schreibt ganze Lexika ab und liest. Und er liest viel – so viel, dass er sogar spät nachts auf dem Boden seiner Gefängniszelle liegt und versucht, das Licht auf dem Korridor einzufangen, damit er seine Bücher weiterlesen kann, so kommt er auch zu seiner berühmten runden Brille.
«Als erfolgreicher Prediger, später als Pressesprecher, verwandelt Malcolm in kurzer Zeit die Nation von einer Splittergruppe zu einer mächtigen Organisation. Die Verfechtung eines provokativen und kompromisslosen Schwarzen Nationalismus ist für viele Schwarze eine Alternative zu den Integrationsbestrebungen des Civil Rights Movements» (Emir Faruk Kayahan). Nach einer gewissen Zeit merkt aber Malcolm, dass die Nation nicht immer den richtigen Weg geht und verlässt die Organisation.
Im Jahre 1964 begibt er sich auf die Pilgerreise nach Mekka und Medina. Dort angekommen öffnet sich für ihn eine neue, fantastische Welt ohne Rassismus und ohne Unterdrückung:
„Dort waren Zehntausende von Pilgern aus der ganzen Welt. Unter ihnen waren alle Hautfarben vertreten, von blauäugigen Blonden bis zu schwarzhäutigen Afrikanern. Aber wir nahmen alle am selben Ritual teil und verbreiteten einen Geist der Einheit und der Brüderlichkeit, wie ich ihn nach meinen Erfahrungen in Amerika zwischen Weissen und Nichtweissen für unmöglich hielt. Amerika muss unbedingt lernen, den Islam zu verstehen, weil er die einzige Religion ist, die in der Lage wäre, das Rassenproblem dieser Gesellschaft zu beseitigen.“ (Malcolm X)
Nach seiner Pilgerreise reist er um die Welt und verkündet nun den richtigen Glauben. Er kooperiert mit anderen Bürgerrechtlern, wie z.B. Martin Luther King Jr. und fordert für die ganze US-amerikanische Bevölkerung die gleichen Rechte. Natürlich ist sein Engagement nicht für alle von Vorteil und er wird, wie viele andere Bürgerrechtler auch, am 21. Februar 1965 in New York ermordet.
Die ganze Geschichte, wie sie uns Emir erzählt, zeigt, dass Malcolm X eine Persönlichkeit war, die die Welt veränderte. Er war nicht perfekt, aber er war jemand, der überzeugt von seiner Ideologie war, dass niemand, wegen seiner Hautfarbe benachteiligt werden darf und das Recht auf Gleichstellung hat. Er «kämpfte vorbildhaft und unermüdlich für seine Sache, erwies aber auch die Einsicht ebenfalls seine eigenen Fehler zu korrigieren. Bedeutet es schließlich nicht, die Welt zu einem besseren Ort machen zu wollen, allen voran sich selbst zu bessern? Ist sie nicht am Ende des Tages nichts anderes als das Produkt „besserer“ Individuen?» (Emir Faruk Kayahan).
Malcolm X war in dieser Zeit das Gesicht des Islams, nicht, wie wir nun wissen, weil er immer ein riesiges Wissen über den Glauben hatte, sondern wegen seines Engagements und seiner Lernbereitschaft.
«Ich erzählte dem weissen Mann, dass meine Universität aus Büchern bestand, aus einer guten Bibliothek. Jedes Mal, wenn ich in ein Flugzeug steige, nehme ich Bücher mit, die ich lesen möchte – und das sind viele Bücher. Wenn ich nicht jeden Tag da draussen wäre, um gegen den weissen Mann zu kämpfen, könnte ich den Rest meines Lebens mit Bücherlesen verbringen, nur um meine Neugier zu stillen.» (Malcolm X)
Am Schluss sagt Emir: «Er ist einer von uns! - die Anderen erzählen entweder seine Vor- oder Nachgeschichte – aber nicht die ganze Geschichte wie wir.» Was ihn unsterblich macht, ist aber auch, dass er nicht nur Muslim war, sondern eine gruppenübergreifende Persönlichkeit ist und immer das gleiche Recht für alle forderte. Er war jemand, der immer Hoffnung hatte, denn Hoffnungslosigkeit ist im Islam nicht erlaubt.