14/08/2024
In einem kleinen, unscheinbaren Lokal im japanischen Okazaki gibt es ein Einstellungskriterium, das auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheinen mag: Die Bedienungen müssen alt und dement sein. Was bedeutet das? Es könnte durchaus passieren, dass man statt der bestellten Nudeln eine Guaven-Limonade serviert bekommt. Doch in Wahrheit verbirgt sich hinter diesem Konzept eine tiefgründige Philosophie – eine Philosophie des Mutes und des Vertrauens in einer Gesellschaft, die mit einer zunehmend alternden Bevölkerung konfrontiert ist.
Japan, ein Land, in dem Demenz und Alter eine immer größere Rolle spielen, hat in diesem Restaurant einen Raum geschaffen, in dem Fehler nicht nur akzeptiert, sondern als Teil der menschlichen Erfahrung wertgeschätzt werden. Dieser Ansatz erinnert uns an die Prinzipien der personenzentrierten Betreuung, wie sie in der Schweiz von Fachpersonen Betreuung praktiziert wird. Auch hier steht der Mensch im Mittelpunkt – mit all seinen Stärken, Schwächen und Besonderheiten.
Fachpersonen Betreuung in der Schweiz arbeiten tagtäglich mit älteren Menschen und Menschen mit Demenz zusammen. Ihre Arbeit basiert auf einer Haltung, die den Menschen mit all seinen individuellen Bedürfnissen und Wünschen respektiert. Diese personenzentrierte Haltung bedeutet, dass der Mensch in seiner Ganzheit gesehen wird – nicht nur als Pflegefall, sondern als Individuum mit einer eigenen Geschichte und Würde. Das japanische Beispiel zeigt uns eine weitere Facette dieser Haltung: die Akzeptanz von Unvollkommenheit und die Wertschätzung des Augenblicks.
In einem Schweizer Restaurant würde man wahrscheinlich nicht erwarten, dass eine Bestellung „vergessen“ wird, doch die Grundidee, die hinter dem japanischen Konzept steckt, könnte auch hier inspirieren: Es geht darum, dass Fehler und Unvollkommenheiten nicht unbedingt etwas Schlechtes sein müssen. Sie können auch Chancen bieten – Chancen, menschliche Wärme, Geduld und Verständnis zu zeigen.
Vielleicht ist es an der Zeit, auch in der Schweiz über neue Ansätze nachzudenken, die nicht nur die fachliche Betreuung perfektionieren, sondern auch Raum für Menschlichkeit und personenzentrierte Ansätze bieten – Ansätze, die manchmal über das hinausgehen, was „richtig“ oder „falsch“ ist, und sich auf das konzentrieren, was wirklich zählt: den Menschen selbst.
Die vollständige Reportage von SZ-Autor Thomas Hahn, die tiefer in diese inspirierende Geschichte eintaucht, können Sie mit SZ Plus lesen: https://www.sueddeutsche.de/projekte/artikel/politik/japan-ueberalterung-demenz-rente-alter-e219905/?reduced=true&fbclid=IwY2xjawEpff5leHRuA2FlbQIxMAABHYcYeMZRzFG8RPA1CcWTu8riay1oBYAvvOaS2nm1c85Ygvk3T-MP8ikZNA_aem_IQrVDrRHXS0qHB7v8Gb6fQ
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