18/08/2026
Tod am Tomlishorn - zum Unterschied von Berg- und Alpinwandern
Am 13. August 2026 ist gemäss Mitteilung der Kantonspolizei Nidwalden am Tomlishorn im Gebiet Pilatus ein Mann abgestürzt und tags darauf tot aufgefunden worden (siehe Presse). Beim Verunfallten handelt es sich offenbar um einen geübten Berggänger, der zu seinen Touren auch Gäste mitgenommen hat und diese Bergtouren auf Sozialen Medien wie bspw. der Community Plattform „Spontacts / Gemeinsam Erleben“ anpries.
Aus der auf dieser Plattform noch verfügbaren Eventbeschreibung hatte der Mann ein Tour von Gfellen bis Pilatus Kulm geplant, die u.a. auch die Nordwestpassage am Tomlishorn beinhalten sollte. Korrekt hatte er angegeben, es handle sich um Schwierigkeitsgrade von T2 bis T5, und dass die Anforderungen sehr hoch seien. Diese Klassifizierung T2-T5 trifft zu, wenn man die ganze bis zu 9 Stunden dauernde Tour macht - man durchschreitet Passagen von T2 bis T5. Das bedeutet aber ganz klar, dass die schwierigste Passage eben eine T5 ist.
Ein häufiger Fehler, der unerfahrenen Berggängern (also bspw. Gäste, die sich dann auf eine solche ausgeschriebene Tour anmelden) passiert, ist die Meinungsbildung, dass es sich ja dann eher um eine kurze „schwierige“ Stelle handle, die man in Anbetracht der ganzen Tour gut meistern könne und obendrein ist ja ein erfahrener Berggänger im Lead. Nun das Problem ist etwas komplexer und zeigt sich, wenn man die ganze Tour anschaut. Mit einer Länge von fast 17 km, 2’174 positiven Höhenmetern und 1’132 negativen Höhenmetern und rund 8 Stunden und 30 Minuten Wanderzeit ohne Pausen ist das eine sehr anspruchsvolle Tour. Bei den am 13. August herrschenden sehr hohen Temperaturen kommen auch noch wetterbedingte Schwierigkeiten hinzu.
Die Presse schreibt nun fälschlicherweise es handle sich um eine T4 Tour, welche im Grunde ja schon eine Alpinwanderung (Blau-Weiss) ist. Die Recherchen der Presse waren aber ungenügend, denn sie lassen aus, dass er die Nordwestpassage des Tomlishorn geplant hatte, welche gemäss SAC eben als T5 (anspruchsvolles Alpinwandern) angegeben ist. Die Normalroute über den Grat Richtung Pilatus Kulm und ist eher eine T3 bis T4. Sie wird auch oft von Touristen begangen. Die Gefahr solch ungenügender Recherchen sind missverständliche Angaben, die ungeübte Berggänger in falscher Sicherheit wiegen können. Die Folgen können fatal sein.
Einmal mehr gilt es für alle, die in den Bergen unterwegs sind, in die Selbstverantwortung zu gehen und sich nicht einfach blind auf andere zu verlassen oder Informationen aus dem Internet ungeprüft zu übernehmen. Bis T3 spricht man von Bergwanderungen (Rot-Weiss). Ab T4 von Alpinwanderungen (Blau-Weiss), die von unerfahrenen Wanderern gemieden werden sollten. Wer unsicher ist, schliesst sich besser einem zertifizierten Bergführer oder Wanderleiter an.
Mein Beileid gilt den Hinterbliebenen des Verunglückten.
SwissMountainCoach Stefan - Dein Begleiter für Natur- & Mensch-Begegnung
Zeitungsbericht im TagesAnzeiger mit falschen Angaben zum Schwierigkeitsgrad: https://www.tagesanzeiger.ch/pilatus-bergsteiger-aus-aargau-am-tomlishorn-abgestuerzt-184451641956
Pressemitteilung der Kantonspolizei Nidwalden: https://www.nw.ch/aktuellesinformationen/137332
SAC- Berg- und Alpinwanderskala:https://www.sac-cas.ch/fileadmin/Ausbildung_und_Sicherheit/Sicher_unterwegs/Sicher_unterwegs_Wandern/SAC-Wanderskala-2012.pdf
SAC Tourenbeschreibung Tomlishorn Nordwestpassage: https://www.sac-cas.ch/de/huetten-und-touren/sac-tourenportal/1988/mountain_hiking/6186
Bilder: SAC; Marco Volken