26/06/2026
Was macht eine Berufsschule erfolgreich?
Eine Schule ist erfolgreich, wenn sie praxisnah, gut organisiert und eng mit der Arbeitswelt verknüpft ist. Und ihre Absolvent:innen nahtlos einen Job finden, weil sie genau die Fähigkeiten mitbringen, die der Arbeitsmarkt heute verlangt.
Um das auch in Kenia zu erreichen, benötigt es mehr als die punktuelle Spende einiger Laptops. Es braucht einen ganzheitlichen Wandel. Und genau hier kommt das Konzept der "Centres of Vocational Expertise (CoVEx)" ins Spiel.
CoVEx ist im Grunde jene Form der Berufsbildung, nach der jede gute Schule strebt: In der Praxis basiert dieses Konzept auf drei zentralen Säulen, die Comundo gemeinsam mit lokalen Partnern nun auch in Kenia umsetzt:
➡️ Schulen arbeiten eng mit Betrieben zusammen und passen den Lehrplan laufend an den Bedarf der Wirtschaft an.
➡️ Lehrmaterialien, Tools und Best Practices werden zwischen verschiedenen Ausbildungsstätten geteilt, statt dass jede Berufsschule diese selber entwickelt. Hierzu gehört auch der gezielte Einsatz von KI.
➡️ Statt vieler ähnlicher Angebote setzen Schulen auf klare Profile, abgestimmt auf regionale Stärken und Bedürfnisse.
Damit verändern wir nicht nur ein einzelnes Klassenzimmer, sondern schaffen gemeinsam ganze Berufslehrgänge mit Zukunft.
23/06/2026
Hörst du auch jedes Mal, wenn du die Zahl 67 siehst, den „Six Seven“-Trend zwangsläufig im Hintergrund hallen?
Während diese Zahl im Netz ein absolutes Internet-Phänomen ist, steht sie in Kenia für eine der bittersten Statistikzahlen der Gegenwart: 67 % der Jugendlichen haben keine Arbeit. Junge Menschen sind motiviert und investieren Jahre in ihre Ausbildung und trotzdem stehen viele am Ende vor dem Nichts, den der Job bleibt aus.
Warum?
Zu oft werden Kompetenzen vermittelt, die am Arbeitsmarkt nur begrenzt nachgefragt werden. Unternehmen und Bildungsinstitutionen arbeiten vielerorts noch nicht eng genug zusammen, um eine Ausbildung konsequent an realen Bedürfnissen auszurichten. Hinzu kommt, dass in vielen Einrichtungen mit Geräten und Lernmaterialien gearbeitet wird, die den heutigen Anforderungen der Arbeitswelt nicht mehr entsprechen. Besonders im digitalen Bereich entsteht dadurch eine wachsende Lücke zwischen Ausbildung und Praxis.
Das eigentliche Problem ist somit nicht mangelnde Motivation, sondern das System.
Gemeinsam mit Partnern wie dem Elimu Resource Centre bricht Comundo dieses veraltete System auf. Durch den gezielten Einsatz von KI-Tools im Unterricht passen wir Lehrinhalte agil an die Realität von Unternehmen an. Denn Bildung darf kein theoretischer Endpunkt sein, sondern muss der direkte Startpunkt in die Praxis werden.
18/06/2026
Nicht alles, was in der Entwicklungszusammenarbeit zählt, lässt sich messen.
In der modernen Entwicklungszusammenarbeit wird immer öfters eine Art "Erfolgsgarantie" verlangt. Jeder investierte Franken muss einen messbaren, wirtschaftlichen Gewinn abwerfen. Zahlen über reduzierte Müllmengen oder vergebene Mikrokredite lassen sich wunderbar in Reports giessen.
Doch was passiert, wenn wirtschaftlicher Fortschritt in ein autoritäres Umfeld fällt? Wenn Menschenrechte eingeschränkt werden, staatliche Institutionen versagen und Umwelt- sowie Menschenrechtsaktivistinnen und -aktivisten verfolgt werden? Wie messen wir Wirkung dann?
Beispielsweise: Wenn sich jemand für einen Handwerkskurs einschreibt, stellt sich die Frage, woran wir den Erfolg messen. Muss diese Person danach nachweisen, dass sie jede Woche zwei Objekte verkauft? Das wäre klar messbar. Oder reicht es, wenn der Kurs zur inneren Zufriedenheit beiträgt, die eigene Identität stärkt oder ein Gefühl von Sicherheit gibt, im Krisenfall selbstständig handeln zu können?
Das ist deutlich schwerer zu erfassen.
Ähnlich verhält es sich in der internationalen Zusammenarbeit. Projekte wie die Ausbildung in Menschenrechten oder die Sensibilisierung für Umweltfragen liefern oft keinen kurzfristigen, klaren Ursache-Wirkungs-Nachweis. Und doch können sie langfristig Denkweisen verändern und neue Handlungsspielräume eröffnen.
Sollten wir deshalb darauf verzichten, nur weil es nicht einfach messbar ist?
Würden wir dieselben risikofreien Anforderungen an die Privatwirtschaft stellen, gäbe es gar keine Wirtschaft mehr. Keine Firma existiert ohne Fehlinvestitionen. Von Nichts kommt nichts. Transparenz und Kontrolle sind wichtig. Aber sie dürfen nicht dazu führen, dass wir nur noch das unterstützen, was sich leicht messen lässt. Denn Entwicklung ist kein linearer Prozess. Sie ist politisch, gesellschaftlich und zutiefst menschlich.
Was denken Sie? Schränken wir unsere Wirkung ein, wenn wir nur noch das tun, was messbar ist? Wir freuen uns auf Ihre Perspektiven in den Kommentaren.
Über den Autor:
Dieser Beitrag basiert auf persönlichen Erfahrungen und täglichen Begegnungen unserer Comundo-Fachperson in Peru
Bild: KI-generiert mithilfe von Copilot
16/06/2026
Was nützt ein Diplom, wenn der Markt mich anschliessend nicht braucht?
Dieser Gedanke beschreibt die harte Realität von über einer Million jungen Menschen, die in Kenia jährlich auf den Arbeitsmarkt drängen. Darin spiegeln sich grundlegende Probleme: Beispielsweise treffen veraltete Lehrpläne auf eine sich rasant verändernde Arbeitswelt. Eine fehlende Praxisnähe verhindert zudem, dass brauchbare Fähigkeiten aufgebaut werden. Oder zu wenig Verbindungen zur Wirtschaft verunmöglichen, dass Gelerntes in der Realität zum Einsatz kommt.
Emmy Volenta studiert Software Engineering und Cybersecurity am Elimu Resource Centre. Doch statt ausschliesslich für Prüfungen zu lernen, arbeitet sie bereits heute an Aufgaben, die direkt aus der Praxis kommen. Dabei unterstützen digitale Werkzeuge und KI-Anwendungen nicht nur beim Lernen, sondern auch bei der praktischen Umsetzung von Lösungen.
Entscheidend ist jedoch nicht die Technologie selbst, sondern die Möglichkeit, Wissen unmittelbar anwenden zu können. Am Elimu Resource Centre lernen die Studierenden von lokalen Comundo-Fachpersonen nicht nur Theorie, sondern, wie KI-Tools direkt für reale Marktanalysen und Datenprojekte lokaler Unternehmen eingesetzt werden können.
Blosses Auswendiglernen für eine Abschlussprüfung gehört hier zur Vergangenheit. Die Arbeit von Emmy ist für die Zukunft. In dieser Form wird ein Zertifikat endlich eine echte berufliche Chance.
Wie schätzt du das Potenzial von KI ein, um Bildungsgerechtigkeit in Kenia zu fördern? Diskutiere jetzt mit uns!
12/06/2026
Dürfen wir aus der Schweiz definieren, was besser ist?
Wir erleben gerade, wie die Entwicklungszusammenarbeit zunehmend unter Druck gerät. Länder streichen sie, kürzen Budgets drastisch oder stellen grundsätzlich infrage, ob sie überhaupt noch sinnvoll ist. Oft heisst es, sie sei eine "Geldverschwendungsmaschine", ideologisch getrieben und letztlich wirkungslos. Doch wer das behauptet, muss auch eine weitere fundamentale Frage stellen, die erstaunlich selten diskutiert wird: Was ist eigentlich das Ziel einer „Entwicklung“?
Sollten Länder wie Peru, Namibia, Bolivien oder Kenia denselben Lebensstandard erreichen wie europäische Staaten? Und was heisst das überhaupt – „besser“? Ist das tatsächlich mehr Konsum? Sind es höhere Einkommen und eine bessere Infrastruktur? Und all diese Fragen führen uns zwangsläufig zur provokantesten Frage: Nehmen wir uns das Recht heraus für die Menschen in Peru festzulegen, was für sie das Beste ist? Erscheint dies nun anmassend oder ist das eine unausweichliche Dynamik, sobald Geld fliesst? Es ist letztlich ein Konflikt um Autorität, um Macht und diese riesige geografische Distanz zwischen Geber und Empfänger.
In der politischen Debatte wird Entwicklungszusammenarbeit zunehmend auf einen harten, wirtschaftlichen Nutzen für das Geberland reduziert. Man will kalkulieren können, „was es uns bringt“. Das hat mit echter Solidarität oder Zusammenarbeit auf Augenhöhe nichts mehr zu tun – das ist reine Machtpolitik.
Internationale Solidarität bedeutet nicht, dass wir anderen dabei helfen, unsere Entwicklungsziele zu erreichen. Es bedeutet, Menschen darin zu unterstützen, ihre eigenen Ziele zu verfolgen – basierend auf gemeinsamen Werten wie Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit.
Wie sehen Sie das? Was macht für Sie eine sinnvolle Entwicklung aus?
Über den Autor:
Dieser Beitrag basiert auf persönlichen Erfahrungen und täglichen Begegnungen unserer Comundo-Fachperson in Peru
Bild: KI-generiert mithilfe von Copilot
03/06/2026
«Entwicklungshilfe bringt mehr Sicherheit als ein starkes Militär.»
Die aktuelle Studie «Sicherheit 2026» zeigt: Die Gesellschaft ist in dieser Frage fast gespalten. Während viele zustimmen, sehen andere Sicherheit primär in militärischer Stärke.
Für uns ist klar: Nachhaltige Sicherheit entsteht nicht erst dort, wo Konflikte eskalieren – sondern viel früher.
➡️ Dort, wo Menschen Zugang zu Bildung, Gesundheitsversorgung und wirtschaftlichen Perspektiven haben.
➡️ Dort, wo Zivilgesellschaft gestärkt wird.
➡️ Dort, wo Hoffnung grösser ist als Verzweiflung.
Entwicklungszusammenarbeit ist deshalb kein Nebenschauplatz der Sicherheitspolitik. Sie ist Prävention. Und oft die wirksamste Form davon.
Natürlich braucht ein Staat die Fähigkeit, sich zu schützen. Aber wer Sicherheit langfristig denkt, darf die Ursachen von Konflikten nicht ignorieren: Armut, Ungleichheit, fragile Institutionen und fehlende Perspektiven.
Bei Comundo erleben wir immer wieder, wie Fachpersonen gemeinsam mit Partnerorganisationen konkrete Beiträge zu Stabilität, Frieden und gesellschaftlichem Zusammenhalt leisten.
Die Grafik zeigt: Die Debatte ist offen.
❓ Wie seht ihr das?
Ist Entwicklungshilfe ein zentraler Beitrag zu Sicherheit – oder überschätzen wir ihre Wirkung?
Quelle: Studie Sicherheit 2026➡️https://css.ethz.ch/content/dam/ethz/special-interest/gess/cis/center-for-securities-studies/pdfs/sicherheit-2026.pdf