07/09/2022
Der Garten der Kindheit
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Jedes Kind wählt aus und nimmt sich aus der Fülle des Lebens den Teil, den es für sein eigenes Leben braucht: Einen Garten voller wunderbarer Pflanzen, voll drängender Vitalität, voll freudiger Erwartung – genau richtig, um seinem Lebenswillen Ausdruck zu verleihen. Ein Garten der Wunder, ein Zaubergarten, der sich in den Jahren der Kindheit auf wundersame Weise entfaltet. Diesen Garten gilt es zu hüten und zu pflegen, ihm ein guter Gärtner, eine gute Gärtnerin zu sein, bis der heranwachsende Mensch die Gartenpflege selbst – und für seine Gestaltung und Ausgestaltung Verantwortung – übernimmt.
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Manch einer, der einen Garten übernommen hat, ebnet ihn ein, säht Rasen, baut eine Mauer ringsherum und zieht heraus, was nicht an einem von ihm zuvor bestimmten Platz wächst. Ein anderer Mensch hat kein Interesse an der Gartenarbeit; (...) Ist ein Garten erst einmal verwildert, erscheint es beinahe unmöglich, ihn wieder so herzurichten, wie es seinen ursprünglichen Möglichkeiten und seiner ihm einmaligen Schönheit entsprechen könnte.
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Aber gibt es nicht noch eine andere Form des Gärtnerns? Diejenige, bei der GärtnerInnen den Garten, für den sie Verantwortung übernommen haben, liebend und wohlwollend betrachten, wahrnehmen, was vorhanden ist, sehen, was hervortreten möchte. Und ist nicht jeder neugeborene Mensch, das kleine Kind, selbst wie ein Garten, angetreten mit dem, was es für sein Leben braucht, um Lebenspläne und Wachstumsaufgaben zu erfüllen? Der Reformpädagoge Friedrich Fröbel prägte Mitte des 19. Jahrhunderts das Wort „Kindergarten“ in seiner Pädagogik vom Kinde her, das er wie Pflanzen im Garten umsorgt sehen wollte. Und sind wir als Eltern und Erzieher, um im Bild zu bleiben, nicht alle wie GärtnerInnen? Haben wir diese Aufgabe einmal übernommen, besteht immer die Gefahr, dass sich theoretisch erworbene Erziehungsgrundsätze, Ansprüche, Erwartungen oder unbeugsamer Elternwille wie hemmend über ein Kind stülpen und die feinen, jungen und zarten Triebe ersticken, die darauf warten, zunächst einmal wahrgenommen zu werden. Wir sollten sie hüten und pflegen, auch wenn sie so ganz anders sind als die uns vertrauten Pflanzen im eigenen Garten.
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Eine ausführliche Fassung des Artikels von Gabriele Waldow findet ihr auf unserem Blog. Weitere Ausschnitte daraus teilen wir nächste Woche.
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Postkarte Regenbogen von Eva-Maria Ott-Heidmann