09/09/2026
Wenn ein Mensch durch Suizid stirbt, bleiben nicht nur Trauernde zurück – sondern oft auch unzählige Fragen, Schuldgefühle und ein kaum auszuhaltendes Schweigen.
Am 10. September ist Welttag der Suizidprävention.
An diesem Tag richtet sich unser Blick auch auf jene Menschen, die nach einem Suizid weiterleben müssen: Partnerinnen und Partner, Eltern, Kinder, Geschwister, Freundinnen, Freunde und all jene, die sich mit dem verstorbenen Menschen tief verbunden fühlten.
Ihre Trauer ist häufig von widersprüchlichen Gefühlen geprägt.
Da sind Liebe und Sehnsucht.
Doch vielleicht auch Wut und Enttäuschung.
Da ist Mitgefühl für die seelische Not des verstorbenen Menschen.
Und gleichzeitig die quälende Frage: Hätte ich etwas verhindern können?
Noch immer ist der Tod durch Suizid mit Unsicherheit, Scham und gesellschaftlichen Tabus verbunden. Das Umfeld weiss oft nicht, was es sagen soll. Menschen ziehen sich zurück, vermeiden den Namen des Verstorbenen oder suchen vorschnell nach Erklärungen.
So erleben viele Hinterbliebene eine Form der entrechteten Trauer: Ihr Schmerz ist tief, doch er erhält nicht jenen selbstverständlichen Raum, der ihm zustehen würde. Manche Beziehungen werden kaum als trauerberechtigt wahrgenommen. Andere Betroffene verschweigen die Todesumstände, weil sie sich vor Fragen, Urteilen oder Ablehnung schützen möchten.
Doch Trauer braucht keine gesellschaftliche Erlaubnis.
Sie richtet sich nicht nach Verwandtschaftsgraden, Rollen oder Erwartungen. Sie erzählt von einer Beziehung, von einer gemeinsamen Geschichte und von einer Liebe, die durch den Tod nicht einfach endet.
Gerade nach einem Suizid braucht es Menschen, die nicht zurückweichen, wenn es dunkel wird. Menschen, die zuhören, ohne zu bewerten. Die offene Fragen aushalten, ohne vorschnelle Antworten zu geben. Die auch Wut, Schuld, Scham, Ohnmacht und Sehnsucht in einem geschützten Raum willkommen heissen.
Auch in unserem Lehrgang Dipl. Integrale/r Trauerbegleiter/in – Life Transition Therapy geben wir der Suizidtrauer und der Begleitung von Hinterbliebenen bewusst Raum. https://www.soulsense.ch/ausbildung/sterbe-trauerbegleitung/dipl-integrale-trauerbegleiter-in/
Unsere Teilnehmenden lernen, die besondere Dynamik dieser Trauer zu verstehen, entrechtete Trauer wahrzunehmen und Menschen mit Fachlichkeit, Mitgefühl und innerer Stabilität zu begleiten. Nicht, um den Schmerz wegzunehmen – sondern um dafür zu sorgen, dass er nicht vollkommen allein getragen werden muss.
Denn manchmal ist die wertvollste Form der Begleitung ein Mensch, der bleibt.
Ein Mensch, der den Namen des Verstorbenen weiterhin ausspricht.
Der auch das Unaussprechliche hören kann.
Der den verstorbenen Menschen nicht auf seinen letzten Augenblick reduziert.
Und der den Hinterbliebenen vermittelt:
Auch diese Trauer hat ein Recht auf Liebe, Würde und Begleitung.
Zum vollständigen Blogartikel:https://www.soulsense.ch/2026/09/09/suizid/