04/08/2026
🌲💧 Wohin verschwindet Regenwasser eigentlich, wenn es im Wald regnet?
Die Antwort: Ein Teil fließt gar nicht oberirdisch ab – sondern versteckt im Hang.
Genau diesen Prozess, den sogenannten Zwischenabfluss, hat Veronika Lechner vom BFW untersucht und beim Innsbrucker Hofburggespräch Ende Juni 2026 präsentiert.
👉 Wenn Regenwasser in den Boden versickert und auf eine weniger durchlässige Schicht oder bereits wassergesättigte Bereiche trifft, wird der weitere vertikale Wasserfluss begrenzt.
Das Wasser kann sich dann seitlich entlang von Bodenschichten oder über Risse und Wurzelkanäle (sogenannte präferentielle Fließwege) durch den Hang bewegen. Das ist der Zwischenabfluss.
Besonders interessant: Das Wasser, das schließlich am Hang austritt, ist meist gar nicht das frisch gefallene Regenwasser. Der Niederschlag mobilisiert vielmehr bereits im Boden gespeichertes Wasser, indem neues Wasser vorhandenes Bodenwasser verdrängt und in Bewegung setzt (häufig als Piston-Flow-Prozess beschrieben). In den Versuchen bestand der Abfluss überwiegend aus sogenanntem Altwasser, während das neu eingebrachte Regenwasser nur einen kleinen Anteil ausmachte.
🌧️ Kurz gesagt:
➡️ Regen fällt auf den Wald
➡️ Wasser versickert in den Boden
➡️ Eine weniger durchlässige Schicht bremst die Bewegung nach unten
➡️ Das Wasser fließt seitlich durch den Hang oder mobilisiert Altwasser
➡️ Das mobilisierte Bodenwasser trägt zur Abflussbildung und damit zur Hochwasserwelle bei
Das zeigt einmal mehr, wie wichtig die „verborgenen“ Prozesse unter unseren Füßen sind, wenn wir Hochwasser verstehen und vorhersagen wollen.
Bildmaterial: Veronika Lechner (Foto, Visualisierung mithilfe von Genspark erstellt); Franka Gentzsch (Grafik)