27/05/2018
MATHE-MATURA: SEIN ODER NICHTSEIN- DAS IST HIER DIE FRAGE
Wie viel Mathematik braucht der Mensch um sowohl sein berufliches als auch privates Leben meistern zu können? Die Antwort ist denkbar einfach. Jene, die mathematisch begabt sind und einen technischen Beruf oder ein Technik-Studium beginnen wollen (sagen wie 20 %), sehr viel.
Die restlichen 80 % sehr wenig. Für diese Minder-Begabten und -Interessierten reichen grundlegende Rechenkenntnisse, Schlussrechnung, Prozentrechnung, einfache Flächenberechnung und ein Gefühl für Zahlen und Verhältnisse. Sie sollten auch in der Lage sein, dieses Know-how am Computer umsetzen zu können (zB sinnvolle Excel-Tabellen erstellen)
Wie sieht es aktuell aus? Weit über 1000 Stunden muss sich ein AHS-Schüler mit all den komplexen mathematischen Themen beschäftigen, die im Lehrplan seit Jahrzehnten in Stein festgemeißelt sind: „Nichtlineare Funktionen, Multiplizieren von Vektoren, Logarithmusfunktionen; und besonders schön: Definition des Differentialquotienten ausgehend vom Differenzenquotienten" wird hier gefordert.
Der Phantasie, was mit den frei werdenden Ressourcen Sinnvolles gemacht werden könnte, sind keine Grenzen gesetzt: Neben der Aneignung der Sozialkompetenzen, wirtschaftliches Know how, ein grundlegendes medizinisches als auch rechtliches Wissen, weiterer Sprachen, einen Haushalt führen, Kochen, Kreativität ausleben, ein Musikinstrument lernen uvm.
Nicht zuletzt würde auch genug Geld zur Verfügung stehen, um heutige Fachprofessoren zu Weltklasse-Pädagogen zu machen, die hochkompetente Lernbegleiter sind und das wichtigste "Lernwerkzeug" ihrer anvertrauten SchülerInnen grundlegend verstehen lernen: das Gehirn.
Aber wahrscheinlich hat die Vermeidung der Kollateral-Schäden, die ein überzogener Mathematik-Unterricht mit sich bringt, noch mehr Gewicht:
- Mathematik ist ein maßgeblicher Grund für die hohen Schulabbruchsraten.
- Damit einher gehen zig Tausende ohne Schulabschluss, deren Weg als Langzeitarbeitsloser mit wenig Hoffnung vorgezeichnet ist.
- Maßgeblicher Anteil daran, dass Frauen, die sich mit Mathematik - aus noch nicht ganz erklärbaren Gründen schwerer tun -, Technikberufe meiden.
- Ein Erschlagen aller wunderbaren Begabungen und Talente, die in der Mathematik schlecht, aber in anderen Bereichen genial sein können.
- Mitleidende Eltern, die ihre wertvolle Freizeit opfern müssen, um mit ihren Kindern zu lernen ("Wir haben morgen Mathe-Schularbeit") oder Erspartes für Nachhilfeunterricht ausgeben müssen.
- Spannungen und Streitigkeiten in der Familie aufgrund schlechter Schulleistungen.
- Gravierende Benachteiligung der unteren Bildungsschichten, deren Eltern die Kompetenz oder Zeit fehlen, ihre Kinder beim Lernen zu unterstützen und die sich auch nicht 30 Euro für eine Stunde Nachhilfeunterricht leisten können.
- Ein vermindertes Selbstbewusstsein der laufend mit 5ern konfrontierten SchülerInnen.
- Ein Ausbrennen der Lehrer, die auf die Sinn-Frage der Schüler – Werden wir das jemals wirklich brauchen können - keine plausible Antwort geben können.
- Was aber vielleicht am meisten wiegt: Die Lust am – lebenslangen Lernen – geht verloren.
Insgesamt somit eine Vernichtung von enorm viel intellektuellem und kreativem Potential, das in den Köpfen Europas steckt. Können wir uns diese Vergeudung der wertvollsten Ressource, die Europa im globalen Wettbewerb hat, wirklich noch leisten?
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