10/11/2019
Stellungnahme der IG Nordbahnhalle
Seit einem Jahr engagieren wir uns für den Erhalt der als Zentrum für , und . Insgesamt rund 4500 Unterschriften haben wir für den Erhalt gesammelt, zahlreiche namhafte Expert*innen aus Architektur, Städtebau, Kultur, Nachbarschaft und Zivilgesellschaft haben uns unterstützt.
In bisher vier offenen Nordbahnhallen-Foren haben wir eine parallele Planung zur Zukunft der Halle begonnen. Unzählige Gespräche mit Politiker*innen, Entscheidungsträger*innen und der Presse haben wir geführt, eine Bürger*innen-Petition eingebracht, eine Stellungnahme zur Flächenwidmung verfasst, Stellungnahmen zu den immer wieder wiederholten und enorm einseitigen Argumentationen der Stadtplanungspolitik veröffentlicht.
Trotz massivem Gegenwind der im Ressort von Birgit Hebein und Die Grünen Leopoldstadt und komplettem Desinteresse im Petitionsausschuss am 7.11. waren wir bereit, weiter für die Entwicklung eines Modellprojekts für Nachbarschaft, Kultur und Soziales zu kämpfen. Weil wir überzeugt sind, dass wir als Stadtgesellschaft dringend Orte des Gemeinwohls brauchen, in denen Menschen gemeinsam tätig werden können, wo Demokratie gelebt wird, wo Raum für Ideen, für Kunst und Kultur, für soziale und zivilgesellschaftliche Initiativen besteht, wo im Denken und Handeln Lösungen für eine gute Zukunft erprobt werden können. Die Nordbahnhalle hat alle Voraussetzungen für ein solches mitgebracht. Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler hat ihre Unterstützung für die Entwicklung eines innovativen Programms zugesichert, das gesellschaftliche, kulturelle und soziale Fragen zusammen denkt.
Heute ist die Halle abgebrannt. Seit Anfang Oktober hat die darauf gedrängt, dass die Halle nach dem Teilabriss gesichert und verbarrikadiert wird, um Vandalismus zu verhindern. Letzte Woche hat die endlich die notwendige Sicherung vorgenommen. Es war also nur schwer möglich, in die Halle zu gelangen. Ende der Woche waren wir vor Ort, um die Sicherung der Halle zu überprüfen. Wir sind schockiert und bestürzt über diese Brandkatastrophe, die nun Fakten schafft und eine für die Stadtplanung unliebsame Debatte mit hoher Wahrscheinlichkeit beendet.
Als Bürger*innen-Initiative gehen wir von Brandstiftung aus. Der Strom war gekappt und uns fehlt somit jegliche Vorstellung, wie die Halle ohne Fremdeinwirkung abbrennen konnte. Wir fordern eine penible, transparente und lückenlose Untersuchung des Brandes. Und wir bleiben dabei: Wien braucht dringend gemeinwohlorientierte Räume für Nachbarschaft, Kultur und Soziales. Jetzt liegt es an der Stadtplanungspolitik, für einen Ersatz der 1350m2 großen Halle zu sorgen. Wir bleiben dran!
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Foto 1 Mariana Gutierrez Castro für IG NBH
Foto 2 Chris Schratt