Martin Rotter

Martin Rotter

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Beratung und Coaching. In meiner Arbeit verwende ich Methoden aus unterschiedlichen Richtungen, wie zum Beispiel aus Imago und der positiven Psychologie.

Ich bin Beziehungsprofi und habe viel Erfahrung in der Kommunikation. Ich berate, trainiere und coache. Wir sind immer in Beziehung. Im privaten wie im beruflichen Kontext. Ich unterstütze Sie dabei Ihre Kommunikation mit Kunden, Mitarbeitern, Vorgesetzen und auch im privaten Bereich so zu gestalten, dass Beziehung entstehen kann.

31/07/2026

Baupläne, Bauchgefühl & der Beziehungs-Tanz in der Führung.
Kann man aus einer zahlenlastigen, analytischen Welt kommen und genau deshalb verstehen, wie wichtig die menschliche Komponente in der Führung ist?

Meine liebe Kollegin Karin Schöller beweist genau das. Sie hat Bauingenieurwesen studiert, war über 15 Jahre in der Baubranche tätig und begleitet heute als Business-Coach Fach- und Führungskräfte bei ihren beruflichen Herausforderungen.

In der neuen Folge von haben wir uns über die Dynamiken von Führung, Begegnung und Rollenklarheit ausgetauscht.

Unsere Kern-Erkenntnisse aus dem Gespräch:

💡 Führung ist ein Beziehungs-Tanz: Führung gelingt nur im Wechselspiel aus Anleiten, Vertrauen schenken und Sich-Führen-Lassen.
💡 Kopf & Herz verbinden: Auch in technischen Branchen braucht es die Übersetzung von analytischem Denken in emotionale Klarheit.
💡 Rollenklarheit schaffen: Der Wechsel vom Teammitglied zur Führungskraft bringt neue Grenzen mit sich. Wie man diese klar zieht, ohne die Nähe zum Team zu verlieren.
💡 Kaffeeautomaten-Magie: Warum informelle Orte oft die wertvollsten Räume für ehrliches Feedback und echte Begegnung sind.
💡 Mut zum eigenen Lebensschiff: Warum es sich lohnt, die eigene Berufung aktiv zu gestalten und das Steuer selbst in der Hand zu halten.

Ein inspirierendes Gespräch für alle, die Führung auf Augenhöhe gestalten und Menschlichkeit mit Wirksamkeit verbinden wollen.

👇 Die Links zur Podcast-Folge auf Spotify und Apple Podcasts findest du direkt im ersten Kommentar!

29/07/2026

Früher das Fundament jedes erfolgreichen Betriebs. Heute ein Fall für die Compliance-Abteilung.

Wann genau sind wir eigentlich von „Gemeinsam packen wir das an“ zu „Paare in Führung sind ein Sicherheitsrisiko“ abgebogen? Und warum ist das ein fataler Denkfehler für die Zukunft von Leadership?

Ich habe es selbst miterlebt: Zwei Menschen finden zueinander, bringen hervorragende Leistung, doch weil Machtverhältnisse im Organigramm nicht verschwimmen dürfen, schlägt das System Alarm.
Die Konsequenz? Eine Person muss wechseln oder gehen. Aus Angst vor Nepotismus, Befangenheit oder Kontrollverlust.

Dabei vergessen wir völlig, woher wir kommen:
Jahrzehntelang waren Familienbetriebe und Paare an der Spitze der Motor unserer Wirtschaft (und sind es immer noch). Die Rollen waren verteilt, das Vertrauen absolut. Dann kam die durchstrukturierte Konzernwelt. Sie wollte Logik statt Emotion, Distanz statt Bindung. Paare wurden als Risiko definiert.

Aber ich finde die Anforderungen an Führung haben sich gedreht.

Heute stoßen klassische Einzelkämpfer an der Spitze immer öfter an ihre Grenzen. Die Komplexität ist einfach zu hoch. Genau deshalb wird Shared Leadership, also das Teilen von Führungsverantwortung, doch immer populärer.
Führungsteams nutzen dabei genau jene Prinzipien, die eine gute Partnerschaft ausmachen: tiefes Vertrauen, blinde Ergänzung und ehrliches Sparring.

Und hier lohnt sich die Frage: Warum nutzen wir dann nicht auch öfter echte Paare an der Spitze? (Wäre auch in der Familien- und Lebensplanung manchmal hilfreich!)

Wenn das Prinzip im Doppelpack schon so gut funktioniert, warum begegnen wir echten Lebenspartnern im Lead immer noch mit so viel Skepsis?

Nein, das geht sicher nicht überall und garantiert nicht mit jedem Paar. Die Voraussetzungen sind hoch:

Es braucht absolute Klarheit über Rollen und Verantwortung.

Eine saubere Trennung zwischen Küchentisch und Boardroom.

Und vor allem eine enorme Reife in der Beziehungs- und Konfliktkultur.

Wo diese Voraussetzungen aber erfüllt sind, entsteht eine psychologische Sicherheit, eine Loyalität und eine Durchhaltekraft, die man über keinen Anstellungsvertrag der Welt kaufen kann.

Vielleicht ist es an der Zeit, Paare in der Führung nicht mehr reflexartig als Compliance-Problem abzustempeln, sondern als eine der stärksten Formen von gemeinsamer Spitzenleistung zu begreifen. (Weil zu Hause machen sie das auch oft)

Wie siehst du das?
Ist das Modell „Paar im Lead“ für dich eine gefährliche Gratwanderung, oder eine unterschätzte Chance für die Zukunft von Leadership?

28/07/2026

Rechnen wir kurz einmal knallhart nach: Bei einer gewöhnlichen 40-Stunden-Woche verbringt ein Mensch in Österreich rund 1.880 Stunden im Jahr in der Arbeit.

Das sind 112.800 Minuten. Jedes. Einzelne. Jahr.

Wenn wir Schlaf (ca. 8 Stunden am Tag) abziehen und dann noch den Arbeitsweg sowie Haushaltsarbeit, Einkaufen und Verpflichtungen dazurechnen, denn das ist ebenfalls Arbeit, nur unbezahlte, bleibt für echte Freizeit oft nur ein winziger Bruchteil des Tages übrig.

Die nackte Wahrheit ist: Die Arbeit IST der Großteil deines wachen Lebens.

Und wer in diesen 112.800 Minuten pro Jahr auf Distanz bleibt, aus Schutz vor Enttäuschung, Mehrarbeit oder Verletzung, der schneidet sich von seiner eigenen Lebensenergie ab.

Neurowissenschaftler wie Joachim Bauer belegen es seit Jahren: Wir Menschen sind biologisch zutiefst auf Beziehung gepolt. Und der Philosoph Martin Buber brachte es auf den Punkt: „Der Mensch wird am Du zum Ich.“
Wir brauchen das echte Gegenüber, um überhaupt wir selbst zu sein (kein Device).

Und was machen wir in der Arbeitswelt? Wir ziehen eine Rüstung an. Wir tun so, als ginge es hier nur um ein Gehaltskonto und richtige Prozess-Diagramme.

Und oben in der Chefetage? Genau dasselbe Drama.
Sobald man im Aufzug ein paar Stockwerke höher fährt, schlägt das System zu.

Der aktuelle Gallup Report nennt es trocken die „Feedback-Wüste“.

Je höher man steigt, desto mehr wird die Wahrheit weichgespült. Zahlenberichte sind plötzlich immer „grün“, Probleme werden im Flur weggelächelt und niemand sagt dem Vorstand mehr ungeschminkt ins Gesicht, wenn ein Projekt gegen die Wand fährt. Aus Angst. Und aus Selbstschutz.

Die Führungskraft lernt in Rekordzeit: Das System applaudiert zwar bei Vorträgen über Wohlfühl-Kultur, aber befördert wird am Ende derjenige, der die Zahlen liefert und im Zweifel die ungemütlichen Entscheidungen durchpeitscht.

Also zieht auch die Führungskraft die Rüstung an. Wird schmallippiger. Geht auf Distanz.

Aber wer zahlt am Ende die Zeche für diese 112.800 Minuten kollektives Wegschauen?
Die ehrliche Antwort: Wir alle.
Das sind in einem Unternehmen mit 100 Mitarbeitenden rund 21 Jahre Lebenszeit pro Kalenderjahr.
Wenn dann nur 10% dieser Zeit für Versteckspielen, Ausweichen, oder Zweigleisigkeit verwendet werden, sind das über 2 Jahre Lebenszeit pro Jahr.

Klar, auf der operativen Ebene wird es meist als Erstes spürbar heiß. Aber die verbrannte Zeit, die Energie und die Nerven, die haben alle Beteiligten gemeinsam verschwendet. Vom Mitarbeitenden bis zum Top-Management.

Wir bekommen diese Zeit nicht mehr zurück. Das ist reine Lebenszeit, und die kann man auf dieser Welt nirgendwo nachbestellen. Vorbei ist vorbei.

Wir verbringen das Wertvollste, was wir im Leben haben – unsere eigene Existenz –, mit Versteckspielen, verdeckten Konflikten und dem Ausweichen von ehrlichen Gesprächen.

Echt jetzt? Wollen wir das 2026 immer noch so machen?

Und nein, das ist keine reine Manager- oder Führungskräfte-Aufgabe. Das geht absolut jeden etwas an, der Tag für Tag seine Lebenszeit in einem System verschwendet, ohne in die echte Begegnung zu gehen.

Wir können uns nicht länger hinter „denen da oben“ oder „denen da unten“ verstecken.

Wenn die 112.800 Minuten sowieso vergehen, wie viel davon möchtest du dieses Jahr wirklich für ein erfülltes und bestimmtes Leben in Begegnung verwenden?

27/07/2026

Warum haben wir eigentlich so große Angst davor, uns bei der Arbeit wirklich aufeinander einzulassen?
Es wird so viel über „Dialog“, „Engagement“ und „Culture“ gesprochen und geschrieben. Aber seien wir ehrlich: Viele Menschen wollen im Büro gar keinen echten Dialog. Warum auch Energie für etwas verwenden, was doch die meisten gar nicht wirklich kennen.

Sie wollen gehört werden. Sie wollen recht haben. Oder sich einfach den Frust über die Unfähigkeit der anderen von der Seele reden. Aber echte Begegnung? Nein, danke.

Warum? Weil Beziehung auch anstrengend ist. Und vor allem: Weil Beziehung verpflichtet.

Wenn ich mich auf ein echtes Gegenüber einlasse – egal ob Kollege oder Führungskraft, gebe ich meine Distanz auf. Dann kann ich nicht mehr punkt 17:00 Uhr den Stift fallen lassen, wenn andere noch in Arbeit schwimmen. Dann fällt es mir schwerer, mich abzugrenzen, weil mir die anderen eben nicht mehr so egal sind.

In der Distanz lebt es sich scheinbar sicherer. Man schützt sich vor Enttäuschung, vor Mehrarbeit und davor, Verantwortung zu übernehmen.

Aber wer Arbeit nur als "Zeit gegen Geld" absitzt, zahlt aus meiner Sicht einen hohen Preis. Denn wir verbringen den Großteil unseres wachen Lebens an diesem Ort.

Wenn wir uns dort verbieten, wirklich als Mensch voll da zu sein und uns einzulassen, was machen wir da eigentlich tagtäglich mit uns selbst?
Wir verhindern eigentlich das, was wir am notwendigsten brauchen. Beziehung zu anderen Menschen.

Ganz ehrlich ich erlebe das auch täglich in meiner Praxis mit Paaren, Familien oder Generationen. Da ist es das gleiche. Wie verrückt es auch klingt, wir verhindern genau das was wir am meisten brauchen. Beziehung und Nähe.

Und warum? Da gibt es ganz unterschiedliche Dinge wie zum Beispiel Angst, Wut oder Trauer.
Ja da geht es um Gefühle. Aber eben nicht nur im privaten, die gleichen Gefühle sind auch in der Arbeit da.
Und ich höre natürlich die Stimmen: Ja aber in der Arbeit ist das was anderes, das ist schon ein professioneller Rahmen...

Geht es euch manchmal auch so, dass euch die Distanz wie eine Schutzmauer vorkommt?

Ist „Dienst nach Vorschrift“ wirklich eine freie Entscheidung – oder einfach nur gelernter Selbstschutz?

23/07/2026

Wenn wir über Probleme in Unternehmen reden, geht es fast immer um die gleichen alten Silos.
Da drüben ist das Controlling, hier das Marketing, dort der Vertrieb. „Wir müssen die Silos aufbrechen!“, schallt es durch die Konferenzräume.

Ja, eh. Aber dabei übersehen wir ein viel größeres Problem, das sich durch die aktuelle Komplexität still und heimlich einschleicht:

Wir bauen keine Silos mehr. Wir bauen vertikale Schichten.

Es entsteht eine unsichtbare „Sprungschicht“. Oben die Führungsetagen, unten die operativen Teams in der Wertschöpfung. Und das Gefährliche daran? Die Schichten beginnen, sich überhaupt nicht mehr für die Lebensrealität der jeweils anderen Schicht zu interessieren. (das ist Führungsaufgabe - dafür haben wir sie ja - ist oft zu kurz gedacht)

Empathie ist keine Einbahnstraße.
Wenn wir über die „Feedback-Wüste“ oder Angst im System sprechen, schlagen wir reflexartig auf „die da oben“ ein. Doch das ist zu billig. Angst, Druck und tiefe Verunsicherung sind nicht auf die operative Ebene beschränkt.

Oberhalb der Sprungschicht herrscht einfach nur ein anderes Klima. Die Luft ist dünner, der Druck von Eigentümern, Märkten oder Vorständen ist brutal, und die Einsamkeit nimmt mit jedem Karriereschritt zu. Wer dort oben sitzt, hat oft genauso Angst vor dem Versagen, er oder sie darf es nur nicht zeigen.

Es geht mir nicht darum, alles gutzuheißen, was oben so alles passiert. Aber es bringt nichts, die Ebenen gegeneinander auszuspielen.

Das Ildefonso-Prinzip
In Österreich kennen wir alle das berühmte Schichtnougat: das Ildefonso. Ein echtes Premium-Produkt. Das Geheimnis dahinter? Die dunklen und hellen Schichten sind perfekt miteinander verbunden. Sie harmonieren. Zusammen in der eleganten Silberfolie und der hellrosa Schleife, hinterlassen sie einen wunderbaren Gesamteindruck (und schmecken grandios).

Wenn wir es in den Unternehmen nicht schaffen, die vertikalen Schichten wieder miteinander zu verbinden, durch echten Dialog, durch das Verstehen der gegenseitigen Ängste und durch radikale Klarheit, dann können wir uns das mit der Unternehmenskultur sparen.

Dann ist es kein Schichtnougat mehr. Dann ist es nur noch ein undefinierbarer Klumpen Nougat, den man lieblos in Staniolpapier wickelt, weil es eh wurscht ist.

Starke Kultur entsteht nicht, indem wir Hierarchien leugnen. Sondern indem wir Brücken durch die Schichten bauen. Damit die da oben wissen, was unten heiß läuft und die da unten verstehen, warum da oben der Wind so eiskalt pfeift.

Wie schaut das bei euch aus? Kennt ihr eine Schichtnougat-Kultur, oder eher mehr den Nougat-Batzen?

Wer schafft bei euch den Sprung durch die vertikale Schichten?

Bin gespannt auf die Kommentare. Mehr Team Hausverstand oder lieber Kastenwesen!

22/07/2026

Erinnerst du dich noch an deinen ersten Tag als Führungskraft?
Du trittst an mit diesem festen, stolzen Vorsatz:
„Ich mach das anders. Bei mir gibt es offene Türen, ehrliche Worte und keine Spielchen.“ Du willst nah an den Leuten sein. Der „Faktor Mensch“ eben.

Und dann fährst du im Aufzug ein paar Stockwerke höher.

Du sitzt in den ersten großen Runden. Und plötzlich merkst du, wie der Wind sich dreht. Der aktuelle Gallup Report nennt es trocken die „Feedback-Wüste“. Aber in Wahrheit fühlt es sich eher wie ein unsichtbarer Filter an, oder wie ich es nenne: "Die Sprungschicht!".

Auf dem Weg nach oben wird die Wahrheit nämlich weichgespült.

Die Zahlenberichte sind plötzlich immer „grüner“, die Probleme der Abteilungen werden im Flur gerne weggelächelt und niemand sagt dem Vorstand mehr ungeschminkt ins Gesicht, wenn ein Projekt gegen die Wand fährt. Aus Angst. Und aus Selbstschutz.

Du merkst in Rekordzeit: Das System applaudiert zwar laut bei Vorträgen über Wohlfühl-Kultur, aber befördert wird am Ende derjenige, der die Zahlen liefert und im Zweifel die ungemütlichen Entscheidungen durchpeitscht.

Und was machst du? Du funktionierst.
Du ziehst dir die Rüstung an. Du musst es sogar, um in dieser Wüste überhaupt zu überleben. Du teilst nicht mehr alles, du wirst schmallippiger, du triffst auch Entscheidungen, die wehtun.

Und unten an der Kaffeemaschine stehen die alten Kolleg:innen und tuscheln: „Der/die ist nicht mehr so wie früher. Ganz schön verändert.“

Das tut weh. Aber es ist kein persönliches Versagen von dir. Es ist das System.

Aber schauen wir uns mal an, wer die Zeche für dieses kollektive Wegschauen zahlt:

Wer löffelt denn die Suppe aus, wenn oben die Wahrheit gefiltert wird?
Wer reitet die toten Pferde (die völlig utopischen Projekte), weil sich niemand traut, den Stecker zu ziehen?

Es sind die operativen Teams. Die Menschen in der Wertschöpfung.
Sie müssen ausgleichen, hintricksen und die Löcher stopfen, die durch den Mangel an Klarheit weiter oben entstehen. Denn dort, an der Basis, wird es im Krisenjahr 2026 als Erstes verdammt heiß.

Wenn wir oben aus Angst schweigen, erzeugen wir unten puren Stress und erlernte Hilflosigkeit.

Deshalb meine Frage heute an euch:

An die Operativen: Wie oft müsst ihr Projekte retten, von denen ihr wisst, dass sie eigentlich schon längst tot sind?

Und an die Führungskräfte: Wie brecht ihr diesen Filter auf, um euren Leuten an der Basis genau diesen Frust zu ersparen?

Bin gespannt über das Feedback, oder doch besser die Wüste?

21/07/2026

Haben Sie das auch gelesen? Im aktuellen Gallup Report steht es wieder schwarz auf weiß: Je weiter oben eine Führungskraft in der Hierarchie sitzt, desto weniger ehrliches Feedback bekommt sie. Desto seltener erfährt sie die ungeschminkte Wahrheit.

Das wird dann in perfekt designten Beiträgen hoch und runter diskutiert. Viele nicken fleißig in den Kommentaren. Tun so, als wäre das die bahnbrechende Neuerfindung des Managements.

Ganz ehrlich? Da ist überhaupt nichts neu dran. Das war schon immer so (zumindest was mir in Erinnerung ist).

Wir können uns jetzt alle gegenseitig einreden, dass moderne Leader einfach nur ein bisschen mehr „psychologische Sicherheit“ und eine Wohlfühl-Atmosphäre schaffen müssen, und zack, schon rennt der Assistent zum CEO und sagt ihm, dass seine Strategie da und dort fehlerhaft ist.

Echt jetzt? Das ist schöne Theorie. Die Praxis die ich kenne, sieht anders aus.

Wer im System aufsteigt, lernt verdammt schnell: Zu viel Harmonieorientierung bringt dich ab einer gewissen Ebene nicht mehr weiter. Auf dem Weg nach oben verändert man sich. Man muss sich verändern, um zu überleben. Man kann nicht mehr jedes Detail mit allen teilen. Man muss Entscheidungen treffen, die wehtun und die im Tal nicht gut ankommen.

Es ist wie am Berg: Je höher du steigst, desto dünner wird die Luft. Desto weniger Menschen gehen den Weg mit dir mit. Und desto größer wird der Abstand zum Tal.

Wer oben steht und jammert, dass es windig ist, hat den Berg nicht verstanden. Statt über die „überraschenden“ Studienergebnisse zu staunen, sollten wir lieber darüber reden, wie Führungskräfte lernen, mit dieser dünnen Luft umzugehen. Denn ohne die richtige Vorbereitung und eine enorme innere Stabilität geht sich das da oben schlicht nicht aus.

Mich interessiert eure ehrliche Sichtweise aus der Praxis:

Geht es euch beim Lesen mancher „Trend-Reports“ auch so, dass ihr euch denkt: Hausverstand sagt: Klar ist das so?

Und an die Führungskräfte hier: Wie geht ihr mit der dünneren Luft und dem ausbleibenden Feedback um? Wer sagt euch noch ungeschminkt die Wahrheit? (Und wollt ihr das überhaupt?)

Lasst uns in den Kommentaren darüber diskutieren. Ich bin gespannt auf eure Erfahrungen!

16/07/2026

Achtung, was wir hier gerade tun: Warum viele Unternehmen ihre Mitarbeitenden systematisch zur Hilflosigkeit erziehen.

Wir haben es in den letzten Jahren mit der Fürsorge im Berufsalltag ein wenig übertrieben, oder?

Schon im Recruiting wird getätschelt und versprochen. Für das Onboarding gibt es zentimeterdicke Checklisten. Wenn die „Neuen“ ankommen, ist der rote Teppich ausgerollt, der Laptop konfiguriert und der Kaffee steht bereit.

Versteht mich nicht falsch: Ein herzliches Willkommen ist wunderbar. Es gibt Sicherheit.

Aber irgendwann müssen wir die Menschen auch mal laufen lassen.

Strukturen, die das Denken ersetzen
Derzeit beobachte ich eine gefährliche Tendenz in vielen Unternehmen: Eigenverantwortung und gesunder Hausverstand bekommen schlichtweg keinen Raum mehr. Alles ist durchreguliert. Für jedes Problem gibt es einen vordefinierten Prozess. Am besten ist es, wenn die Leute gar nicht mehr selbst nachdenken müssen.

Der Psychologe Martin Seligman hat dafür einen Begriff geprägt, der mir aktuell immer wieder in den Kopf schießt: Erlernte Hilflosigkeit.

Wenn wir Menschen jeden Stein aus dem Weg räumen und ihnen jede Entscheidung vorkauen, lernen sie eines: „Ich selbst kann nichts bewirken. Ich muss nur warten, bis man mir sagt, was zu tun ist.“ Das ist für die Führungskraft im Alltag scheinbar bequem. Die Leute parieren und funktionieren.

Die große Überraschung im Ernstfall
Aber wehe, es stürmt. Wehe, das Außen wird unsicher und die Mitarbeitenden sollen plötzlich das erste Mal echte Verantwortung für ihr Tun übernehmen.

Dann folgt in den Chefetagen die große Ernüchterung. Und der Vorwurf: „Die wollen einfach keine Verantwortung übernehmen!“

Doch die Wahrheit ist viel bitterer: Es geht gar nicht darum, dass sie nicht wollen. Sie können es schlicht nicht mehr. Wir haben es ihnen erfolgreich abgewöhnt.

Echte Verantwortung braucht das richtige Fundament
Verantwortung kann man nicht einfach per Dekret verordnen. Man muss die Arena dafür bauen. Und dafür braucht es ganz bestimmte, psychologische Zutaten.

Wenn du in deinem Unternehmen Menschen willst, die wieder mitdenken, die Initiative ergreifen und in stürmischen Zeiten verlässlich mit anpacken, dann musst du ihnen die Werkzeuge dafür an die Hand geben.

Möchtest du, dass in deinem Team wieder echte Verantwortung gelebt wird?

⚠️ Aber Achtung: Tu das nur, wenn du es wirklich ernst meinst. Wenn Menschen einmal gelernt haben, selbstwirksam zu handeln und Verantwortung zu übernehmen, lässt sich das nicht mehr rückgängig machen. Sie werden unbequemer. Sie hinterfragen. Aber sie halten dir im Wildwasser den Rücken frei.

👇 Wie das gelingt, zeige ich dir in meinem Guide „Führung in der Unsicherheit“. Die 4 Pfeiler darin sind das Fundament, um erlernte Hilflosigkeit zu durchbrechen und echte Eigenverantwortung im Team zu etablieren.

Schreib einfach JA in den Kommentar und du bekommst ihn direkt zugestellt.

09/07/2026

„Die Europäer haben die Uhr, die Afrikaner haben die Zeit.“ 🕒 Diese Formulierung, die meine liebe Kollegin Barbara Redolfi im aktuellen Video-Podcast geteilt hat, bringt ein riesiges Problem unserer westlichen Unternehmenskultur perfekt auf den Punkt.

Als Führungskräfte und Manager im heutigen Markt sind wir oft darauf konditioniert, zu reagieren:
💥 Die E-Mail, die am Sonntagabend reinfliegt und „am besten gestern“ beantwortet werden muss.
💥 Die permanenten Planänderungen mitten unter der Woche.
💥 Das Gefühl, im permanenten „Wildwasser“ aus hoher Komplexität, schnellem Wandel und akutem Zeitmangel zu navigieren.

Die automatische Reaktion der meisten? Noch mehr Gas geben. Schneller laufen. Mehr Druck aufbauen.

Aber die Realität, die Barbara unter anderem bei der Leitung von Safari-Camps und Lodges in Afrika hautnah erlebt hat, zeigt:
Dauerhafter Druck erhöht nicht die Produktivität. Er mindert die Qualität und belastet die Beziehungen im Team.

In extremen Situationen und dynamischen Märkten brauchen wir eine andere Kompetenz: die Fähigkeit zu improvisieren, Pläne von A bis Z in der Tasche zu haben und vor allem eines: Bewusste Entschleunigung (und Entschleunigung ist etwas völlig anderes als einfach nur „langsam zu sein“).

Wirksame Führung ist immer Beziehungsarbeit und beginnt bei der Beziehung zu uns selbst. Nur wer innehalten, durchatmen und den Kopf frei bekommen kann, behält in stürmischen Zeiten den strategischen Weitblick und die (innere) Klarheit.

In dieser Episode sprechen Barbara und ich genau darüber:
🔹 Kultur & Erwartungen: Warum klassische europäische Trigger wie „Status und Leistung“ nicht überall funktionieren und wie man klare, menschliche Grenzen setzt.
🔹 Selbstführung unter Druck: Wie wir körperliche Stressreaktionen frühzeitig erkennen und durch simple Tools (wie ein „Ge(h-)spräch“ an der frischen Luft) das Nervensystem regulieren.
🔹 Gestalten statt Reagieren: Warum es sich langfristig für dich und dein Unternehmen auszahlt, die eigene Zeit aktiv zu managen.

Wenn du das Gefühl hast, dass das Tempo des Marktes aktuell deine Agenda diktiert, ist diese Folge eine Einladung, den Kompass noch einmal neu auszurichten.

🎧 Den Link zur vollständigen Folge auf Spotify findest du im ersten Kommentar.

08/07/2026

Wenn man einen guten Job hat, ist alles sicher. Alles unter Dach und Fach.“ Ganz lange war das die feste Idee vieler Menschen. Eine tiefe Sehnsucht nach Stabilität und der Wunsch: Bitte lass es einfach so bleiben, wie es ist.

Sehr menschlich. Aber in der heutigen Dynamik auch eine Illusion.

Wir müssen aufhören, nur zu fragen: „Was will der Mensch?“ Wir müssen hinschauen: Was braucht er wirklich? Worum geht es ihm im (Arbeits-)Leben?
👉 Sucht er primär Versorgung und das Gefühl, gut aufgehoben zu sein?
👉 Geht es um Erleben und Lebensfreude?
👉 Oder um die tiefe Erfahrung von Sinn?

Wahre psychologische Sicherheit entsteht nicht durch starre Strukturen, sondern durch gelebte Beziehung.

Unternehmen, die den Menschen in den Vordergrund stellen, fördern die Reifung der Persönlichkeit. Sie sensibilisieren für das Wesentliche.

Dazu braucht es zwei Dimensionen:
1️⃣ Beziehung: Das Fundament. Gefühlsmäßig verbunden zu sein. Wenn die Beziehung stimmt, erübrigen sich starre Homeoffice-Verordnungen – weil Menschen gerne da sind.
2️⃣ Begegnung: Der Funke. Begegnung passiert punktuell, wo ich auf ein echtes „Du“ treffe und ein „Wir“ entsteht. Wo echte Wertschätzung gelebt wird.

Ohne Begegnung wird Beziehung starr und langweilig. Aber Begegnung lässt sich nicht verordnen – man kann in Unternehmen jedoch Räume dafür öffnen und sie bewusst gestalten.

Welche Räume für echte Begegnung schafft ihr in eurem Arbeitsalltag? 👇

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