20/12/2019
Beim Focusing sprechen wir manchmal von "Besucherinnen", wenn wir uns der gerade vorhandenen Anteile in uns gewahr werden - sie bringen ihre Bedürfnisse zB mit emotionalen Stimmungen zur Kenntnis. Oder mit Körperempfindungen, Bildern, Gedanken... Eine wunderbare Metapher dafür, sie NICHT zu beachten, scheinen mir die im verlinkten - ganz wunderbaren! - Artikel genannten "Baustellen" zu sein. Stell dir vor, eine nach der anderen "Baustelle" wird in dir eröffnet - dort ist Zeit für Veränderung, Adaption, Austausch, (Richtungs-)Korrektur,... doch es wird nur ein Absperrband drumherum errichtet. Niemand - du - nimmst dir nie Zeit, dich damit aus-ein-ander-zusetzen. Du hörst nie hin, wirst nie gewahr, nimmst nicht zur Kenntnis - sondern "fährst mit deinem Leben einfach drumherum". Anfangs ist das sicher leicht. Doch mit der Zunahme der Baustellen wird es immer komplizierter... Focusing löst auf, indem die Bedürfnisbaustellen tun dürfen, wozu sie da sind: ent-wickeln und be-fördern, be-trauern und ge-mahnen, be-rühren und ver-sichern, be-jahen und be-stärken... Besonders wichtig - obschon nicht nur - ist das für Eltern. Weil wir für unsere Kinder das Beste wollen. Und sie machen uns ja doch alles nach!
Kein Lehrer darf seinen Schüler anschreien.
Einfach so.
Weil er‘s kann.
Eigentlich wäre mein Post damit auch schon zu Ende, weil es dem schlicht nichts hinzuzufügen gibt.
Ist er aber nicht.
Weil die erschütternde Realität der Schüler anders aussieht und weil diese Realität schon zu lange viel zu real ist.
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Ist dir klar, dass es für unsere Kinder absurde Normalität ist, bloßgestellt, vorgeführt und angeschrien zu werden?
Etwas Alltägliches, nicht gerade Belangloses, aber Gewohntes, dass sich nicht gut anfühlt, aber längst akzeptiert wurde?
Das.Ist.Irrsinn!
Ich treffe täglich auf Eltern, die sich bemühen, rennen, schaffen, damit es dem Kind gut geht. Eltern, die bereit sind, sich ihren eigenen Schatten zu stellen, weil sie die Beziehung zum Kind belasten.
Und ich treffe regelmäßig auf Lehrer und Erzieher, die sich ihrer riesigen Verantwortung bewusst sind
und die bereit sind, in Beziehung zu treten zum Kind. Weil sie klug sind und wissen, dass Führung nur so authentisch und zum Wohle aller gelingen kann.
Weil sie wissen, dass das Überschreiten der Grenzen des Schülers nicht zur Folge haben darf, Grenzen des Schülers zu überschreiten.
Weil sie die Verantwortung für das Gelingen der Beziehung übernommen haben und wissen, dass jedes unliebsame Verhalten eines Schülers Ausdruck einer ungeschickten Strategie ist, ein Bedürfnis zu befriedigen.
Ich treffe jedoch auf häufig auf Menschen, die beruflich mit Kindern arbeiten, die längst aufgehört haben zu hinterfragen, wie Beziehung gelingen kann, die funktionieren, wie wir alle es so oft tun und die sich am Rande ihrer Belastbarkeit und tatsächlichen Möglichkeiten befinden.
Menschen, die eine Profession leben wollten und bei denen sich irgendwann das Eigene mit dem Außen vermischte und es an einem unbestimmten Punkt gnadenlos kompliziert wurde.
Und dann war da nichts im Außen.
Kein Leuchtturm in Sicht.
Nichts außer Supervisionen, Tipps und überforderte Kollegen.
Und eben das frustrierte Innenleben.
Und irgendwann wird eben nicht mehr hinterfragt. Dann gibts nen Kurs, der wird gefahren.
Da fragt sich keiner mehr, warum das Kind tut was es tut und wer hier eigentlich den Hut der Verantwortung trägt oder ihn eingetauscht hat gegen den Hut der Macht.
Freude und Spaß hat dann keiner mehr.
Aber geht halt nicht anders.
Nicht.
Führung funktioniert nur über Beziehung.
Das ist im professionellen Leben nicht anders als im privaten.
Schlepp ich Baustellen mit mir herum, die mir alleine gehören und die mit roten Absperrband gekennzeichnet sind, weil ich sie nicht betreten darf (Angst!) oder weiß ich nicht mal um ihre Existenz,ist es sehr wahrscheinlich, dass sie mir irgendwann den Weg versperren.
Mir das Leben schwer machen.
Kinder in ihre Ohnmacht befördern.
Alles was du unbeachtet, ungesehen und unbewusst in dir trägst,belastet unbewusst die Beziehungen zu den Menschen im Aussen.
Alles, worüber du dir bewusst bist,kannst du bewusst steuern und damit Beziehungen gestalten.
Das ist wirkliche Eigen-Macht, die noch dazu allen dient.
Ich weigere mich strikt zu akzeptieren, dass Generationen von Kindern großen Kindern ausgesetzt sind, die ihre eigenen Baustellen auf Kosten dieser Kinder ignorieren und damit in Kauf nehmen, die nächste Generation ohnmächtiger großer Kinder aufwachsen zu sehen, die ihrerseits wieder getrennt vom eigenen Zugang in ihr Wesen, entweder Ewigkeiten nach diesem Zugang sucht oder die eigene erfahrene Ohnmacht im Kollektiv an die nächste Generation weitergibt.
Baustellen sind kein Drama.
Die haben einen Anfang und ein Ende.
Örtlich und zeitlich.
Und danach ist alles heil.
Kein Gerumpel und Gepolter mehr wenn du auf Kurs bist, sondern sanfte Fahrt,angenehme Gespräche, entspanntes Reisen.
Du, der du mit Kindern arbeitest.
Schau dich an.
Die Veränderung geschieht von innen nach aussen.
Immer.
Das System, welches wir sind, verändert sich aus der Mitte heraus.
Von innen nach außen.
Vom Einzelnen ins Kollektiv.
Vom Kleinen ins Große.
Genau jetzt.