21/04/2022
🚢 Zu Deutsch: “Die Sprache ist ein Dialekt mit einer Armee und einer Marine.”
Diese Metapher stammt vom Sprachwissenschftler Max Weinreich. Er bezog sich damit auf die Frage: Wo hört ein Dialekt auf, Dialekt zu sein und wird zu einer Sprache?
Auch wenn wir im Alltag scheinbar keine Schwierigkeiten damit haben, einen Dialekt von der sogenannten Hochsprache zu unterscheiden, wirft die vermeintliche Grenze zwischen den beiden in der Sprachwissenschaft viele Fragen auf. Denn sprachliche Kriterien allein reichen nicht aus, um eine Sprache von einem Dialekt zu unterscheiden.
Wie schwierig die Sache ist, zeigt sich besonders gut an verwandten Sprachen wie etwa dem Deutschen und dem Norwegischen. Wir haben unter Umständen Probleme mit der Aussprache, würden uns schriftlich aber ohne weiteres verstehen. Im Gespräch mit einer Vorarlbergerin würde es mir als Wienerin vermutlich genauso gehen. Nur: Vorarlbergerisch (das zum allemanischen Dialekt des Deutschen zählt) ist keine eigene Sprache, Norwegisch schon. Dem Vorarlbergerischen fehlt also — nach Weinreichs Metapher — eine Armee und eine Marine.
Es fehlt ihm schlicht an Anerkennung. Denn: Den Titel “Sprache” dürfen nur jene sprachliche Varietäten führen, die standardisiert sind. Die in Wörterbüchern festgehalten, in Grammatiken codiert, in Schulen gelehrt und als Amtssprachen zelebriert werden. Und all das hängt in hohem Maße von politischer Macht ab.
Ob ein Dialekt als Sprache gilt, ist also eine politische und keine linguistische Entscheidung.