08/10/2023
Bombensichere Montessorischule in Kiew
Seit über einem Jahr berichten wir immer wieder von Natalia Moshniaha, sie ist Montessoripädagogin und hatte vor dem Krieg in der Ukraine Montessorischulen aufgebaut und geführt. Eine ihrer Pädagoginnen aus Kiew wohnt und arbeitet bei uns am Campus (Danke an die Bed & Breakfast-Manager:innen der S1).
Heute schreibt Nina Horaczek, FALTER.morgen:
Ein Schutzraum für Bildung
Natalia Moshniaha baut bombensichere Schulen in der Ukraine – mit Unterstützung aus Wien. Im Frühjahr soll der Unterricht starten. Aber ist es nicht gefährlich, Kinder im Krieg in die Klasse zu setzen?
Eine bombensichere Schule: Das ist der Traum von Natalia Moshniaha. Die Ukrainerin war Direktorin eines Montessori-Schulzentrums in der ukrainischen Hauptstadt Kiew. In Kindergarten und Grundschule wurden etwa hundert Kinder unterrichtet. Dann kam der Krieg. „Weil unser Keller nicht als Schutzraum ausgestattet ist, mussten wir aus Sicherheitsgründen schließen“, erzählt sie.
Kurz nach Kriegsausbruch ist Moshniaha nach Wien geflüchtet. Schließlich hat sie hier gute Kontakte, weil sie in den 2000er Jahren in Wien Psychologie studierte und die Montessori-Ausbildung machte. „Vor 15 Jahren bin ich dann von Wien zurück nach Kiew gegangen und habe von dort aus mitgeholfen, 19 Montessorischulen im ganzen Land aufzubauen“, erzählt sie.
Jetzt geht es mit Unterstützung aus Wien ein zweites Mal zurück nach Kiew. Denn bis dato ist das Schulgebäude vom Krieg verschont geblieben. „In den Blumenbeeten, die die Kinder angelegt haben, blühen zum Teil noch die Blumen“, berichtet die Direktorin, „und sogar unser Schulhund, ein Mischling, der uns vor sechs Jahren zulief, ist noch da“.
Bald könnten auch die Kinder zurückkommen. Denn inzwischen hat die Schule die behördliche Genehmigung, den Schulkeller in einen Luftschutzraum umzubauen und so wieder unterrichten zu dürfen. Seitdem pendelt Moshniaha zwischen Wien und Kiew und koordiniert den Umbau.
„Zu Beginn dachte ich, dass wir das finanziell nie stemmen werden“, sagt die Direktorin. Denn der Kostenvorschlag für die Trockenlegung und Sanierung des bisher unbenutzten Kellers sowie die Anschaffung eines Generators, der für die vielen Stromausfälle benötigt wird, betrug um die 12.000 Euro. So viel Geld hat die Schule nicht. „Aber dann sind die Eltern eingesprungen.“
Sie konnten fünfzig Prozent Rabatt für die Baustoffe aushandeln und begannen in Eigenregie, den Keller bombenfest zu machen. „Jetzt fehlen uns aber noch 3.800 Euro, weil die Elektro- und Installationsarbeiten von Professionisten durchgeführt werden sollen“, sagt die Direktorin. Gelingt es ihr, diese Summe durch Spenden aufzustellen, könne im Frühjahr der Unterricht starten.
Die Montessori-Pädagoginnen, die sich schon bereit erklärt haben, wieder zu unterrichten, besuchen derzeit Fortbildungen, um zu lernen, wie sie die Kinder in dieser Kriegssituation unterstützen können.
Aber ist es nicht zu gefährlich, die Kinder im Krieg in die Schule zu schicken? „Mittlerweile funktioniert der Luftalarm in Kiew so gut, dass wir genug Zeit haben, die Kinder in den Luftschutzkeller zu bringen, wenn die Sirenen zu heulen beginnen“, sagt die Schuldirektorin.
Wieder in die Schule gehen zu können, gebe den Kindern ein Gefühl von Sicherheit und Normalitätin Zeiten des Krieges, hofft die Direktorin. Offene Schulen helfen aber auch den Eltern. „In vielen Familien unserer Montessorischule ist ein Elternteil im Krieg, und meist sind es die Frauen, die alleine das Leben mit den Kindern organisieren müssen.“
Spenden für den Schutzraum: Natalia Moshniaha, Erste Bank, IBAN: AT41 2011 1845 7608 8300, BIC: GIBAATWW###, Verwendungszweck: UkraineHilfe