28/04/2022
ZDM-Co Gründer Dietmar Pichler im Interview mit der Wiener Zeitung.
Ich beobachte russische Desinformation auf zwei Ebenen: Einerseits das, was die Welt zu sehen bekommt. Und zweitens: Was passiert im eigenen Land? In Russland selbst gibt es eine Kombination aus mehreren Dingen. Das Fernsehen spielt hier noch immer eine ganz große Rolle, nicht zuletzt weil das Internet in den ländlichen Regionen nicht so verbreitet ist. Alternative Informationen - und damit in diesem Fall valide Informationen - sind also nicht so leicht zu bekommen. Dann arbeiten die Trolle natürlich auch nach innen, das ist eine ganz wichtige Aufgabe. Und schließlich gibt es sehr viele Z-Aktivisten - Z ist ja das Symbol für die Kriegsbewegung -, und die machen das natürlich auch ohne Geld. Im russischen sozialen Netzwerk VK hat mich etwa eine Dame kontaktiert und mir ganze lange Texte geschrieben, wie schlecht die Ukrainer seien. Wir sollten nicht solidarisch mit ihnen sein, weil das alles N***s wären. Diese Frau ist definitiv kein bezahlter Troll, es gibt also auch einen von den russischen Bürgern geführten Cyberkrieg. Man muss aber dazusagen, dass es auch Widerstand gibt. Das sind hauptsächlich russischsprachige Menschen im Ausland, sowohl Ukrainer, aber auch Russen. Bei uns im Westen spielen dagegen vor allem die staatlichen Kanäle eine große Rolle, weil ja viele andere Dinge abgedreht worden sind. Aber es gibt auch noch einen wichtigen Punkt, über den weniger gesprochen wird. Die Schließung von Russia Today und Sputnik ist ja in Wahrheit nur ein Tropfen auf den heißen Stein, weil viele kleinere Nachrichtenplattformen oder alternative Medien, die ebenfalls von der russischen Propagandamaschinerie gefüttert werden, nach wie vor aktiv sind.
https://www.wienerzeitung.at/nachrichten/politik/europa/2144916-Unsere-Solidaritaet-soll-gebrochen-werden.html?fbclid=IwAR3kaDnK5NGW9i7wgR7XN2YWQT8tps__UIluoO0VD8-Yv3z2-lbvh-Hg4JU
Die Schlacht im medialen Raum ist für Russland fast genauso wichtig wie die Gefechte in der Ukraine.