01/10/2012
Präsident Hans Pawlik †
Im 98. Lebensjahr stehend ist am 30. September 2012 der Gewerkschafter und Landespolitiker Hans Pawlik gestorben. Der bis ins hohe Alter geistig frisch und politisch interessiert gebliebene Klagenfurter kann auf ein umfassendes Lebenswerk zurückblicken, in dem stets das Menschliche, das Wahrhaftige und das Erkennen im Mittelpunkt standen.
Hans Pawlik wurde am 21. Dezember 1914 in Klagenfurt geboren. Er erlernte den Beruf des Schriftsetzers und trat frühzeitig der Buchdruckergewerkschaft bei. Er wurde Landesobmann der
Gewerkschaftsjugend der grafischen Arbeiter sowie vorerst Mitglied und kurz darauf Landesvorstandsmitglied der Sozialistischen Arbeiterjugend (SAJ) in Kärnten.
In der autoritären Ära (1934-1938) wurde Hans Pawlik wegen seiner Arbeit für die in den Untergrund gedrängte Sozialdemokratie zu 18 Monaten schwerem Kerker verurteilt.
Anschließend, von 1938 bis 1939, durchlief Pawlik seine Militärzeit beim österreichischen Bundesheer, vom August 1939 bis Kriegsende dann bei der Deutschen Wehrmacht, mit sechsjährigem Kriegseinsatz an allen europäischen Fronten. Auch in der NS-Zeit machte er kein Hehl aus seiner sozialdemokratischen Gesinnung. Mit knapper Not entging er 1945 dem Todesurteil eines deutschen Militärgerichtes unter dem SS-Ankläger E. Prix.
Nach seiner Heimkehr im Jahre 1945 beschäftigt als Metteur und Zeitungsmaschinensetzer in der Druckerei Carinthia in Klagenfurt, widmete sich Pawlik als Betriebsrat dem Wiederaufbau der
graphischen Gewerkschaft und der SPÖ. 1948 wurde er hauptamtlicher Landessekretär des ÖGB Kärnten und leitete die Kärntner Gewerkschaftsorganisation bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1975. Anschließend, von 1975 bis 1990 war Hans Pawlik Landesobmann des Kärntner Pensionistenverbandes und Landesvorsitzender des Bundes Sozialdemokratischer Freiheitskämpfer.
Im weiteren politischen Leben war der Spitzengewerkschafter von 1948 bis 1952 Klagenfurter Gemeinderat, Obmannstellvertreter der Kärntner Gebietskrankenkasse für Arbeiter und
Angestellte und bis 1974 Mitglied der Vollversammlung der Kärntner Arbeiterkammer.
Von 1953 bis 1975 gehörte Pawlik dem Kärntner Landtag an, dessen 3. Präsident er von 1965 bis 1975 wurde. Vor allem in dieser und seiner interessenpolitischen Funktion erarbeitete der
Verstorbene ein legendäres politisches Dokumentations- und Berichtswesen, welches in der Lage war, auf die Landespolitik zugunsten der Arbeiterschaft Einfluss zu nehmen.
Pawlik zählt unter anderem zu den Gründungspersönlichkeiten der ÖGB-Lehrwerkstätte Krumpendorf mit inzwischen mehreren tausend Absolventen. Er koordinierte die Errichtung des
Mahnmals der Opfer für ein freies Österreich in Klagenfurt-Annabichl und schuf Grundlagen zur NS-Opfer-Gedenkkultur im Bundesland Kärnten. Aus seiner Feder stammen u.a. mehrere
gewerkschaftshistorische Publikationen. Neben zahlreichen weiteren Auszeichnungen wurde Hans Pawlik für seine Verdienste das Große Goldene Ehrenzeichen der Republik Österreich
verliehen. Er lebte mit seiner Frau Annemarie, ebenfalls Politikerin im Gemeinde-, National- u. Stadtrat, im Herzen von Klagenfurt, seiner Geburts-, Schul- und Lebensstadt.