30/09/2026
Wem vertrauen Jugendliche bei religiösen Fragen im Internet?
Ein Video wirkt überzeugend, viele Menschen stimmen in den Kommentaren zu und es wird eine religiöse Quelle genannt. Doch wie lässt sich beurteilen, ob die Erklärung dieser Quelle stichhaltig ist? Mit dieser und anderen Fragen beschäftigte sich die Fachtagung „Digitalisierung: Muslimische Jugend und Digitale Medien“, die am 10. September 2026 am Institut für Islamisch-Theologische Studien der Universität Wien stattfand.
Im Mittelpunkt stand die Begleitstudie zum an der Universität Innsbruck angesiedelten Projekt „Islamportal“. Grundlage der Studie sind 35 qualitative Interviews mit 14- bis 23-Jährigen aus fünf österreichischen Bundesländern. Das Forschungsteam untersucht, wie muslimische Jugendliche religiöse Inhalte im Internet finden, was sie daran anspricht und wie sie deren Verlässlichkeit einschätzen. Dabei betrachtet es digitale Medien im Zusammenspiel mit Familie, Freundeskreis, Schule und Moschee als religiöse Lernorte.
Die vorläufigen Ergebnisse zeigen ein differenziertes Bild: Jugendliche nehmen religiöse Angebote im Netz nicht einfach ungeprüft hin. Sie vergleichen Aussagen, achten auf Quellen und fragen vertraute Personen. Zugleich können Likes, häufig wiederholte Aussagen, ein sympathischer Auftritt oder sogar eine Quellenangabe den Eindruck von Verlässlichkeit erzeugen, ohne dass die Deutung der Quelle damit bereits geprüft wäre. Gerade dieser Schritt – von der Quelle über ihre Erklärung zu einer konkreten Empfehlung – ist für die weitere Forschungsarbeit und die religiöse Bildungsarbeit von großer Bedeutung.
Nach der Präsentation der Ergebnisse diskutierten Prof. Dr. Evelyn Bokler-Völkel und Juniorprof. Dr. Almila Akça von der Universität Münster sowie Univ.-Prof. Dr. Erol Yıldız und Ass.-Prof. PD Dr. Karin Peter von der Universität Innsbruck mit dem Projektteam und den Institutsmitgliedern. Ihre Rückmeldungen aus den Bereichen Islamwissenschaft, Extremismusforschung, Soziale Arbeit, Erziehungswissenschaft und Religionspädagogik galten sowohl dem Forschungsbericht als auch einem Leitfaden für Jugendliche.
Der Leitfaden soll anhand konkreter Fälle dabei helfen, religiöse Beiträge im Netz genauer einzuschätzen. Wer spricht? Wie wird eine Quelle erklärt und angewendet? Wann sollte man nachfragen oder Hilfe suchen? Die Anregungen der Tagung werden in die weitere Arbeit am Leitfaden und am abschließenden Forschungsbericht einfließen. Das Projekt wird von Univ.-Prof. Dr. Zekirija Sejdini geleitet, Ass.-Prof. Dr. Mehmet Hilmi Tuna ist Co-Leiter. Univ.-Prof. i. R. Martina Kraml begleitet das Projekt wissenschaftlich.