12/07/2026
Wann ist Mut klug?
ANKÜNDIGUNG
Vienna Public History Lecture V (2026)
von Robert Schneider // Intro: Will Mut Klugheit? Ist die Frage kein Widerspruch in sich? Wer eine Gefahr sucht, beweist vielleicht Entschlossenheit. Beweist er auch Urteilskraft, Augenmaß? Ist Mut ohne Sinn Leichtsinn?
Gemeinhin beginnt Mut dort, wo ein Mensch die Risiken erkennt, aber dennoch seine Stimme erhebt und handelt, weil Schweigen, Wegsehen oder Rückzug die schlechteren Optionen wären. Eine Frage des Gewissens, der Selbstachtung. In den Spiegel blicken und sich in die Augen sehen können. Denn zur Frage nach dem Mut gesellt sich die Frage nach der Angst. Zwei geschwisterliche Begriffe, die einander beflügeln, aber auch lähmen können. Gibt es mutiges, ein kluges Handeln, ohne persönliche Nachteile gewärtigen zu müssen?
Ein dritter Aspekt kommt hinzu, nämlich ein Erkenntnisinteresse, das sich als Mut tarnt, in Wirklichkeit aber Eilfertigkeit ist, die persönlichen Vorteil und Anerkennung sucht. Haltung zeigen, um fortzukommen. Gesinnung als Karrieresprung.
Den Beginn der Lecture macht ein kursorischer Versuch der Definition von Mut, Angst und Gesinnung. Anhand einiger historischer und gegenwärtiger Beispiele soll anschließend der Frage nach dem „klugen Mut” nachgegangen werden. Eine Auswahl:
Dante Alighieris Weigerung, 5.000 Florin wegen angeblicher Bestechlichkeit zu bezahlen und stattdessen die Verbannung aus Florenz in Kauf zu nehmen. Der Fall des Jacopo Foscari, dessen Vater von 1423 bis 1457 Doge von Venedig war und seinen Sohn nicht vor Verurteilung und Verbannung retten wollte/konnte. Die Sitzungsperiode 1562/63 des Konzils von Trient, in welcher „Laszives und Unreines” aus der Kirchenmusik verbannt werden sollte. Der Brief des NASA-Ingenieurs John C. Houbolt („Somewhat as a voice in the wilderness, …”). Henry Kissingers umstrittene Rede zum Ukraine-Krieg beim Weltwirtschaftsforum in Davos am 23. Mai 2022. Der Schlagersänger Michael Wendler und seine Äußerungen zur Corona-Pandemie.