11/03/2026
11. März 1938 - „Anschluss“-Pogrome
Die Verfolgung der jüdischen Bevölkerung des Burgenlandes setzt bereits am Abend des 11. März 1938 ein, also schon am Vortag des Einmarsches der deutschen Truppen in Österreich. Die Nationalsozialisten unter Führung von Dr. Tobias Portschy marschierten in den Abendstunden zum Landhaus in Eisenstadt und übernahmen die Macht. Portschy hält auf dem Haydn-Gedenkstein vor dem Landhaus eine Rede.
Bereits in dieser ersten Phase der Machtübernahmen kam es zu „Anschluss“-Pogromen im Burgenland. Sie waren weitgehend ungeplant und entsprangen dem spontanen Handeln in der emotional extrem aufgeladenen Situation des „Umbruchs“, wie die Nationalsozialisten ihre Machtergreifung nannten. Akteure bzw. Täter in dieser Phase waren vor allem NS-Funktionsträger auf Gemeindeebene, örtliche SA-Angehörige und radikalisierte Parteigänger bzw. Mitläufer.
11. März 1938, Abend, Frauenkirchen
„Als wir bei der Sabbat-Mahlzeit, Freitag abends 11.3.1938, zu Tisch saßen, kam der Pöbel aus Eisenstadt zurück. Ein Demonstrationszug wurde veranstaltet, der stundenlang gedauert hat. Man hörte das bekannte ‚Juda verrecke!’ und andere Flüche, die im Chor gesprochen wurden und woran sich auch die christliche Elite aus purer Angst beteiligte. In dieses wilde Geheul mischten sich das Klirren der Fenster und das Krachen der zerbrochenen Scheiben. Nicht eine Scheibe der jüdischen Wohnungen und Geschäfte blieb ganz. Das Getöse war so furchtbar, dass die erschreckten Kinder ihre Eltern sehnlichst baten, den Ort zu verlassen. Die Juden versteckten sich in Kellern und auf Böden, an Schlafen war nicht zu denken. Mit diesem Sabbat begann das Zerstörungswerk.“
Eidesstattliche Versicherung des Herrn M., Vorstandsmitglied der jüdischen Gemeinde in Frauenkirchen betreffend Vertreibung der Juden, 10.05.1942.
11. März 1938, Abend, Güssing
Die Familie von Sofie Kobrinsky, geborene Rothstein, wird in der Nacht vor dem Einmarsch vor einer bevorstehenden Hausdurchsuchung gewarnt:
„Bereits in der Nacht zum 12. März war ein Freund von meinen Brüdern, ein N**i, zu uns nach Hause gekommen und sagte, dass meine zwei Brüder Béla und Anton sofort verschwinden müssten, weil es einen Arrestbefehl gäbe. Er war also ein guter Freund, er hat uns aufmerksam gemacht, das um Mitternacht bei uns eine Hausdurchsuchung durchgeführt wird und die zwei Söhne verhaftet werden sollen. Meine Mutter - das war um 9 Uhr Abend – hat sofort Rucksäcke und die Fahrräder geholt und mein Vater verständigte die Brüder. Sie sind sofort mit den Fahrrädern nach Graz gefahren.“
11. März 1938, Abend, Zurndorf
Rudolf Spiegl, Sodawasserproduzent in Zurndorf, wird noch am Abend des 11. März 1938 verhaftet und zunächst nach Neusiedl am See gebracht. Im Gebäude des Bezirksgerichts werden bereits weitere Juden sowie politische Gegner der Nationalsozialisten aus den umliegenden Ortschaften festgehalten. Gemeinsam mit anderen Gefangenen wird Rudolf Spiegl am 14.3. von einem Gendarmen und einem SA-Mann in das Anhaltelager Frauenkirchen überstellt.
Foto: BLA