21/11/2023
Poesie. Was ist Poesie?
Zum Beispiel, beteiligt denken.
P. Handke (Aufzeichnungen - Kapitel 11.1)
Clases de lectocomprensión y lectura bilingüe de textos. Con o sin conocimientos previos.
(Grupales e individuales)
Coordina: Graciela Calderón (Profesora Traductorado UBA)
21/11/2023
Poesie. Was ist Poesie?
Zum Beispiel, beteiligt denken.
P. Handke (Aufzeichnungen - Kapitel 11.1)
23/09/2023
Schließe dein leibliches Auge, damit du mit dem geistigen Auge siehst dein Bild. Dann fördere zutage, was du im Dunklen gesehen, dass es zurückwirke auf andere von außen nach innen.
Caspar David Friedrich (1774 - 1840)
15/02/2022
Bringt dir heut ein Kind
die Blumen und die Früchte,
wie sie reich zu deinen Füßen wachsen,
Schlüsselblumen, Anemonen,
eine schöne reife Beere,
und geht morgen leer an dir vorbei,
als säh's dich nicht,
siehst du's, Gott,
und lässest ihm zum Leide
seine Blumen fallen?
Regina Ullmann (1884 - 1961)
10/04/2021
Rings in schwesterlicher Stille
Lauscht die blühende Natur;
Aus des kühnen Herzens Fülle
Tönt des Bundes Stimme nur;
Leise rauscht's im Eichenhaine
Nie gefühlte Lüfte weh´n,
Wo in höhrem Sternenscheine
Wir das erste Fest begeh'n.
(F. Hölderlin - Hymne an die Freundschaft) Himno a la amistad
30/10/2020
Der letzte Baum
So wie die Sonne untergeht,
Gibt’s einen letzten Baum,
Der, wie in Morgenflammen, steht
Am fernsten Himmelssaum.
Es ist ein Baum und weiter nichts
Doch denkt man in der Nacht
Des letzten wunderbaren Lichts,
So wird auch sein gedacht.
Auf gleiche Weise denk ich dein,
Nun mich die Jugend läßt,
Du hältst mir ihren letzten Schein
Für alle Zeiten fest.
Friedrich Hebbel (1813 -1863)
03/07/2020
(...)
Da sprach der Pilger: »Liebe Waise,
Ich war bei allem auch dabei,
Denn ewig bin ich auf der Reise,
Damit ich ewig bei dir sei.«
Das Mägdlein sprach nach kleiner Stille:
»Mich dünkt, daß ich ein Kätzchen wär',
Nichts fehlet, nichts, als nur mein Wille,
Ich lief' auf steilem Rand umher;
Ich könnt' von Ast zu Ast hinspringen,
Von Fels zu Fels, auch noch so steil,
Und mehr – ja durch die Luft hindringen,
Adje, fort bin ich – bin ein Pfeil!« –
(...)
"Alhambra" Clemens Brentano (1778 - 1842)
02/05/2020
....
Wir sitzen am Rand des Feldwegs, am Rand des Feldes, und
reden, und reden.
Wo der Rand der Wörter sein sollte, fängt trockenes Laub
an den Rändern zu brennen an, und die Wörter krümmen
sich unendlich langsam in sich selber:
„Diese Trauerränder!“
Dieser Rand der Trauer.
Der Rand der Wörter - Peter Handke
09/04/2020
Der Ästhet
Wenn ich sitze, will ich nicht
sitzen, wie mein Sitz-Fleisch möchte,
sondern wie mein Sitz-Geist sich,
säße er, den Stuhl sich flöchte.
Der jedoch bedarf nicht viel,
schätzt am Stuhl allein den Stil,
überläßt den Zweck des Möbels
ohne Grimm der Gier des Pöbels.
Christian Morgenstern (1871 - 1914)
22/03/2020
Heimweh
Ich kann die Sprache
Dieses kühlen Landes nicht,
Und seinen Schritt nicht gehn.
Auch die Wolken, die vorbeiziehn,
Weiß ich nicht zu deuten.
Die Nacht ist eine Stiefkönigin.
Immer muß ich an die Pharaonenwälder denken
Und küsse die Bilder meiner Sterne.
Meine Lippen leuchten schon
Und sprechen Fernes,
Und bin ein buntes Bilderbuch
Auf deinem Schoß.
Aber dein Antlitz spinnt
Einen Schleier aus Weinen.
(...)
Else Lasker-Schüler (1869 - 1945)
17/03/2020
Gedanken über die Dauer des Exils
Schlage keinen Nagel in die Wand
Wirf den Rock auf den Stuhl.
Warum vorsorgen für vier Tage?
Du kehrst morgen zurück.
Lass den kleinen Baum ohne Wasser.
Wozu noch einen Baum pflanzen?
Bevor er so hoch wie eine Stufe ist
Gehst du fort von hier.
(...)
Bertolt Brecht (1898 - 1956)
24/02/2020
Die Festung
Auf den alten Festungswällen
Lieb ich's sehr, mich zu ergehen
Und von oben in den hellen,
Blauen Frühlingstag zu sehen.
In der Berge grünem Kranze
Liegt das Land zu meinen Füßen,
Draus in hellem Sonnenglanze
Friedlich weiße Dörfer grüßen.
Hugo Salus (1866 - 1929)
30/12/2019
Was ich erwünsche vom neuen Jahre?
Dass ich die Wurzel der Kraft mir wahre,
Festzustehen im Grund der Erden,
Nicht zu lockern und morsch zu werden,
Mit den frisch ergrünenden Blättern
Wieder zu trotzen Wind und Wettern,
Mag es ächzen und mag es krachen,
Stark zu rauschen, ruhig zu lachen,
So in Regen wie Sonnenschein
Freunden ein Baum des Lebens zu sein.
Karl Henckell (1864 - 1929)