25/11/2025
Mit der ersten Deportation von Juden aus Bayern wurden am 20. November 1941 aus München und Augsburg 998 Menschen nach Kowno (heute Litauen) verschleppt. Unmittelbar nach der Ankunft am 25. November wurden die Deportierten vom Einsatzkommando 3 der Einsatzgruppe A im Fort IX außerhalb von Kowno erschossen. Auf der Deportationsliste finden wir unter der Nummer 92 eine Person, die in der Hindenburgstraße 32 (heute: Kardinal-Galen-Ring) in Rheine gemeldet war: den 1901 geborenen Kaufmann Kurt Reinhaus.
Kurt Reinhaus wurde 1901 in Braunschweig geboren. Sein Vater war der gebürtige Rheinenser Eduard Reinhaus (hier geboren 1866), der seit etwa 1892 in Braunschweig als Kaufmann und als Hypotheken- u. Grundstücks-Vermittler tätig war. Seine Frau, Rebekka, geborene Falkenstein, Jahrgang 1867, war Braunschweigerin. In den Adressbüchern der Stadt Braunschweig zwischen 1930 und 1937 führt Kurt Reinhaus den Beruf „Handelsvertreter“.
Im Novemberpogrom 1938 kam es in ganz Deutschland zu heftigen Übergriffen gegen jüdischen Einwohner. Einer Quelle besagt, dass sich Kurt Reinhaus zu dieser Zeit zu Besuch in Rheine aufhielt und die Gestapo-Stelle in Braunschweig ihn dort verhaften ließ. Allerdings gibt es auch Quellen, die besagen, dass er direkt in Braunschweig verhaftet worden war. Gewiss ist dass er in einem Transport, der über Hannover ging, am 11. November 1938 mit vielen anderen jüdischen Männern in das Konzentrationslager Buchenwald bei Weimar kam. Die Häftlingskarteikarte zeichnet ihn als „A.J.-Häftling“, also „Aktionsjuden“ aus - eine von den Nationalsozialisten geschaffener Sammelbegriff für die verhafteten Männer aus der Pogromnacht, die in das KZ Buchenwald kamen. Er erhielt die Nummer 24105 und wurde in einem Sonderlager untergebracht. Nach der Auflösung des Sonderlagers im Frühjahr 1939 kam Kurt Reinhaus in das sogenannte „Große Lager“ und erhielt die Nummer 5224. Am 9. Mai 1939 wurde er aus dem Block 20 und dem KZ Buchenwald entlassen.
Aus dem Anmeldebuch der Stadt Rheine kann man entnehmen, dass „ Kurt-Israel Reinhaus“ zusammen mit seinen Eltern ab dem 16. Mai 1939 in Rheine gemeldet war. Die Stadt Rheine stellte ihm eine Kennkarte aus, die ihn mit einem großen „J“ und dem Namenszusatz „Israel“ als Juden auswies. Er musste die Kennkarte immer bei sich führen.
Was er in Rheine zwischen 1939 und 1941 machte, ist nicht bekannt. Seinen Beruf durfte er wahrscheinlich nicht mehr ausüben. Offen bleibt außerdem, warum Kurt Reinhaus aus Bayern deportiert wurde, obwohl er in Rheine gemeldet war. Im Abmeldebuch der Stadt Rheine ist nachzuvollziehen, dass Kurt Reinhaus am 27. November 1941 aus der Emsstadt weggezogen sei. In der Spalte „Verzogen nach“ steht die lapidare Bezeichnung „evakuiert zum Osten“. Zum Zeitpunkt dieses Eintrages durch einen Mitarbeiter des Einwohnermeldeamtes der Stadtverwaltung Rheine war Kurt Reinhaus bereits tot und in einem Massengrab verscharrt.