16/01/2024
Vor ein paar Tagen rief mich eine Frau an. Sie wollte einen Termin für eine Beratung wegen ihres alten Hundes. Als ich sie fragte, was mit dem Hund los sei, sagte sie nur kurz: "Er ist schon über 11 Jahre alt und ich denke, es ist an der Zeit, dass dieses Elend ein Ende hat. Ich fragte noch einmal, ob er krank sei?!? Nein, kam als Antwort... sie bräuchte nur einen guten Grund, damit der Hund vom TA erlöst werden könnte. Leider findet sie keinen TA, der sie versteht. Einer sagte ihr, sie solle sich bitte kein Tier mehr anschaffen und wenn er es verhindern könnte/könne, würde er es tun. Schließlich muss sie auf so vieles verzichten, seit er nicht mehr so weit laufen kann und auch sonst alles etwas langsamer geht. Sie braucht einen Hund, der mit ihr joggt, sie beim Reiten begleitet... Ich bekam Blutdruck und atmete laut und tief ein... Als ich noch einmal nachfragte, ob er krank sei, kam die Antwort, nein, er sei gesund und könne, wenn er z.B. zu älteren Menschen käme, noch gut zwei bis drei Jahre leben, aber sie brauche die Lebendigkeit und wolle sich nicht geatrisch kümmern. Dafür ist ihr das Leben zu wichtig. Das war der Satz, der mich nicht nur laut aufatmen ließ, sondern der mich sehr direkt werden ließ.
Ich erklärte ihr, dass ein alter Hund, ein altes Tier, es verdient, gut versorgt zu werden. Dass ein alter Hund ein Geschenk ist und dass ich keinen Tag missen möchte, an dem meine Hunde mich begleitet haben. Ja, und ich hatte bisher immer das große Glück, dass meine Hunde / Tiere bei mir alt werden durften. Ich erzählte ihr, wie dankbar ich war, jeden Tag in die Augen meiner fast 16-jährigen Hündin zu schauen und zu sehen, wie cool sie ihr Leben noch findet. Und vieles gäbe, wenn ich es noch könnte. Rückblickend haben wir eigentlich auf nichts verzichtet... Wir haben uns auf sie und ihr Alter eingestellt und es so möglich gemacht, dass sie überall mit hin konnte. Kiramaus ging so gerne ins Café - vom Parkplatz war es zu weit. Also hat uns Dirk fast bis vor die Tür gefahren. Sie hat sich sehr gefreut und war wie immer der Star im Cafe. Für Amigo fuhren wir eine halbe Stunde, damit er 10 - 15 Minuten in "seinem" Wald laufen konnte. Diese unendliche Freude zu sehen, die wir Menschen leider verloren haben, ist es wert. Als sie dann sagte, wirklich jetzt? Es ist ein Geschenk, sich um ein altes Tier zu kümmern? Sagte ich ihr, ja, denn man kann so viel von ihnen lernen, Demut zum Beispiel oder dass es immer einen Grund gibt, sich über etwas zu freuen. Zum Schluss sage ich ihr noch, dass sie sich gut überlegen soll, wovor sie weglaufen will? Der alte Hund ist es bestimmt nicht.
Heute habe ich eine lange E-Mail von ihr bekommen - sie hat wirklich über meine Worte nachgedacht und will jetzt einen Termin für sich. Es ist schön, wenn man bei Menschen etwas bewirken kann. Und das will sie auch. Denn jeder, der mich kennt, weiß, dass sie sich meine Worte nicht hinter dem Spiegel gesteckt hat ;-)