Stiftung Deutsches Institut

Stiftung Deutsches Institut Wissenschaftliches Institut der Deutschen in Südungarn

Die Stiftung Deutsches Institut (Ungarisch: Német Intézet Alapítvány) ist eine zivile Initiative junger, engagierter ungarndeutscher Forscher und Wissenschaftler aus Südungarn. Unser Ziel ist, die Erforschung und Darstellung der mehr als 300jährigen Geschichte, Baukunst, Etnographie und Sprache der deutschen Volksgruppe. Der Bestand unserer Sammlung beläuft sich mittlerweile auf über 28.000 Artike

l, darunter Dokumente, Fotografien, Tonmaterial und Gebrauchsgegenstäde. Neben dem archivarischen und musealen Schwerpunkt, möchten wir uns langfristig auch in anderen Bereichen der Kultur betätigen, wie Medien, Talentmanagement und Nachwuchsförderung. Unser Ziel ist, nicht nur die Wissenschaftlichkeit, sondern auch die breite Öffentlichkeit mit professionellen Inhalten zu erreichen. Für die Hilfe in der Vorbereitsungszeit (2020-2024) bedanken wir uns recht herzlich bei der Deutschen Selbstverwaltung Bonnhard und der Vorsitzenden, Frau Ilona Köhler-Koch. Bei Fragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung: [email protected]


Stiftung Deutsches Institut - Die neue Basis des Deutschtums in Südwestungarn

04/09/2026

Bonnhard liefert seit der Einführung der Nationalitätenwahlen 2014 konsequent die zweithöchste Stimmenzahl für die Deutsche Liste in Südungarn.

Die Stadt hat aktuell 17 Wahlkreise, urbane, wie auch ländliche Gebiete, zum deutschen Wahlergebnis trugen die im 20. Jahrhundert eingemeindete Dörfer bisher aber kaum bei.

Das von der Vertreibung schwer betroffene Majosch (Wahlkreis 15) weist in der Regel 11-15 Wähler auf, also um die 1,5-2% der dort abgegebenen Stimmen.

Tabod (Wahlkreis 17) hat eine höhere Aktivität, so erzielte die Deutsche Liste in den letzten drei Wahlen 4,5-8% der abgegebenen Stimmen. Wegen der geringen Bewohnerzahl bedeutet dies aber nur einige Wähler.

Wahlkreis 16 ist das Bermuda-Dreieck von Bonnhard, denn hier gab es bei den bisherigen Wahlen keine einzige Stimme für die Deutsche Liste. Als Erläuterung: Die Dörfer Bersching und Ladoman waren schwer von der Vertreibung und Abwanderung betroffen, sodass letzteres seit einer Weile keine ansässigen Bewohner mehr hat. Der Ortsteil Helleplatte (neben der Landstraße 6) hatte auch vor dem II. Weltkrieg nur ein Dutzend Häuser, welche Zahl sich seitdem halbierte.

Zu der Stadt selbst: Den seit dem 18. Jahrhundert bebauten Nordosten Bonnhards teilen aktuell die Wahlkreise 03 und 04 zwischen sich auf. Diese könnte man als einst deutscheste Gegend der Stadt bezeichnen, so waren sie primäre Schauplätze der Vertreibung. Ein Umstand, der trotz der Mischehen und dem freien Handel mit den Immobilien, auch 80 Jahre später bei den Nationalitätenwahlen gut erkennbar ist.

Im Wahlkreis 03 (Unteregasse u. Froschgasse), erzielte der damalige Kandidat, Emmerich Ritter 2014-2018 noch 3-4% der Stimmen, 2022-2026 waren es jedoch nur 2,8-1,9%. Die Mobilisierung dieses Wahlkreises lag 2014 noch über den Durchschnitt, so gaben 95% der registrierten Wahlbürger ihre Stimmen ab, seitdem geht es aber Berg ab: Zwischen 2018 und 2026 produzierte Wahlkreis 03 die niedrigste oder zweitniedrigste Aktivität von deutschen Wählern der Stadt (2018: 75%, 2022: 63%, 2026: 69%).

Wahlkreis 09, der nördliche und östliche Teil der Fáy Wohnsiedlung zeigt eine ähnliche Tendenz, diese Häuser stellen aber allgemein eine Herausforderung für jeden dar, der auf Stimmen hoft, so auch für die Parteien, denn hier lag die Teilnahme immer unter dem Durchschnitt.

Aus deutscher Hinsicht ist Wahlkreis 11, mit Sitz im Evangelischen Gymnasium und entlang der Oberen Majoschergasse (Kossuth L. u.) einer der aktivsten Gegenden der Stadt. Der Wahlkreis lieferte 2014 gleich beim Start das höchste Ergebnis aller Wahlkreise und 2018 gelang es der Deutschen Liste über 10% der Stimmen einzuholen.

Kein Zufall, denn hier leben einige der bekanntesten und sich am öffentlichen Leben der Stadt beteiligenden Ungarndeutschen, wie auch im benachbarten Wahlkreis 12, entlang der Neuen Gasse (Árpád u.) und Karl-Hoffer-Straße, welche Gegend bei den letzten drei Wahlen einen Anteil von 5-9% aufwies.

Die Albrechtsburg in Meissen, ca. 1900.Das Gebäudekomplex gilt als erster deutscher Schlossbau, bei dem der Wehrcharakte...
02/09/2026

Die Albrechtsburg in Meissen, ca. 1900.

Das Gebäudekomplex gilt als erster deutscher Schlossbau, bei dem der Wehrcharakter zugunsten repräsentativen Wohnens in den Hintergrund tritt. Nicht umsonst bezeichnet es der Sächsische Museumsbund als ein Meisterwerk spätgotischer Architektur.

Das Bild entstand aber noch vor dem neugotischen Ausbau der Domkirche (1903-1909), so fehlen die von Carl Schäfer entworfenen Doppeltürme, durch denen die Kirche auch heute noch 81 Meter vom Boden aus in die Höhe ragt.

Im Vordergrund die Altstadtbrücke, die im Laufe der Jahrhunderte mehrmals in Brand gesetzt und gesprengt wurde. Die Iteration im Bild ersetzte die 1866, während des Deutschen Krieges gesprengte Brücke und bestand zwischen 1867-1934.

Foto: Unbekannt (aus dem Nachlass der Familie Beuhne)

Wir bedanken uns für die großzügige Spende in der Höhe von 1200 € bei Herrn Dr. Alfred Hübner, dem ehemaligen Leiter des...
31/08/2026

Wir bedanken uns für die großzügige Spende in der Höhe von 1200 € bei Herrn Dr. Alfred Hübner, dem ehemaligen Leiter des Kulturamts der Stadt Pforzheim.

Die Zusammenarbeit mit Herrn Dr. Hübner unterstreicht, wie wichtig es ist, dass Ungarndeutsche auch im geisteswissenschaftlichen Bereich aktiver werden, und zeigen, dass sie Inhalte für ein breiteres, internationales Publikum darbieten können.

Die Summe ermöglichte uns die Digitalisierung und sachgerechte Lagerung des Dokumentennachlasses der Familie von Alfred Roepert, dem ehemaligen Stadtbaudirektor von Pforzheim.

Über den Erwarb des Materials schrieben wir noch letzten November: https://www.facebook.com/stiftungdeutschesinstitut/posts/pfbid02rckRRM4EnmcpYEc1MMgMMqdcQVqvHFAqQ3aXr4EKabW4yQg1cMNPLCDGANEeEqQjl?__cft__[0]=AZaRIWFv2I4WKY4EX5FbS0C4ls8VVDhxzQoTk_Jw1THsuI_G_5NDC7Z3GgyoNsWJZUSyoOmGRiHXmvLV1_bhgnZ_5xhGl2f3Z7-X9SsXd2QpVPOYevk89Diah6D3JhlMrJaOykSjDJ5S1u-r71mequUMF9ZwDFy8hNN80kvuOwuA4iPm9qm2z4zecAF7Iw-yMA1JSo3CR3IyZD3bqq5cmSdp&__tn__=%2CO%2CP-R

An diesem Tag vor 86 Jahren beschlossen Deutschland und Italien, dass Rumänien Nordsiebenbürgen an Ungarn abzutreten hat...
30/08/2026

An diesem Tag vor 86 Jahren beschlossen Deutschland und Italien, dass Rumänien Nordsiebenbürgen an Ungarn abzutreten hat. Der Zweite Wiener Schiedsspruch folgte den seit Anfang Sommer andauernden Grenzkonflikt und gescheiterten Verhandlungen zwischen Ungarn und Rumänien.

Mit dem Wechsel kamen neben 2 Millionen Rumänen und Ungarn auch um die 50-60.000 Deutsche sowie eine Anzahl von Juden unter ungarische Obhut. Die militärische Übernahme des neugewonnenen Territoriums von über 43.000 km2 erfolgte seitens ungarischer Truppen in der ersten Hälfte von September.

Am Unternehmen beteiligten sich auch deutsche Soldaten unserer Region, wie der 23-jährige Johann Kult aus Warasch (Bonyhádvarasd). Den feierlichen Einmarsch nach Neumarkt am Mieresch (Marosvásárhely) führte er mit seinen Kameraden des 18. Infaterieregiments durch und verbrachte gut zwei Wochen in der Hauptstadt des Szeklerlandes, von wo aus er Ende des Monats folgendes schrieb (Buchstabengetreu):

„Liebe Eltern, Eheweib und alle im ganzen Hause. Grüßend und kurz teile ich eich so wie wier heute gehört hab das wir am donnerstag in der früh weg gehen und komen zurück auf Szekszárd. Liebe Eltern diese Karte ist die letzte wo ich schreib von hier. Auf diese Kart braucht ihr nicht andworten. Wenn wir auf der Reise sind werde ich Schreiben, ender nicht andworten befor ich nicht wieder schreib. Ale fülmal gegrüst auf baldiges wiedersehn bis in 8 Tag“

Drei Jahre später, im Juni 1943 wurde er wieder zum Militär einberufen und ging an die Ostfront. Bei den schweren Gefechten rund um Budapest geriet er am 9. Februar 1945 in sowjetische Gefangenschaft und verbrachte den Frühling in Gran von wo aus man ihn Ende Mai nach Russland brachte, ins Lager 252 bei Beschitza im Gebiet Brjansk.

Heimkehren durfte er Ende 1948, aber Warasch war nicht mehr das selbe Dorf von dem er Jahre zuvor Abschied nahm. Ein Großteil der Deutschen wurde enteignet und vertrieben, an ihre Stelle Szekler aus der Bukowina angesiedelt. So zog er später mit seiner Frau und Tochter in den Komitatssitz Seksard, wo sie sich mit anderen Familien aus Warasch ein neues Leben aufbauten.

Nach dem Ultimatum der Sowjetunion an Rumänien, trat diese Ende Juni 1940 Bessarabian ab. Obwohl Ungarn das sowjetische ...
25/08/2026

Nach dem Ultimatum der Sowjetunion an Rumänien, trat diese Ende Juni 1940 Bessarabian ab. Obwohl Ungarn das sowjetische Angebot für den gemeinsamen Auftritt ablehtne, ermutigte die Vorgehensweise Moskaus die ungarische Regierung in ihrer eigenen, langandauernden Forderung für die Revision der 1920 gezogenen Grenzlinie mit Rumänien.

Mit der deutschen Offensive gegen Frankreich im Frühling desselben Jahres, erfolgte die Mobilisierung der rumänischen Streitkräfte schon vor diesen Gebietsforderungen, nach der sowjetischen Drohung wuchs die Militärpresenz in Siebenbürgen aber auf gut eine Million Soldaten, was Ungarn als klare Bedrohung wahrnahm.

Mit der Mobilmachung der eigenen Streitkräfte wurden bis zum 13. Juli 550.000 Soldaten an die rumänische Grenze verlegt, und obwohl Ungarn zahlenmäßig unterlag, liefen die Kriegsvorbereitungen im vollen Gange weiter.

Deutsche Soldaten unserer Region wurden ebenfalls einberufen, wie auch der 47-jährige Nikolaus Frey aus Badeseck (Links im Bild). Im Ersten Weltkrieg war er als Wartungsarbeiter beim Bau der Schießpulverfabrik in Wieselburg tätig, dem größten Rüstungsprojekt der Donaumonarchie. Wie viele der älteren Soldaten, wurde der Maurermeister 1940 im rückwärtigen Raum eingesetzt, so blieb er von der Zuspitzung der Grenzvorfälle verschont, ganz zur Freude seiner Familie. Er diente vom 5. Juli bis dem 1. August, laut seines Enkels bei der Eisenbahnstrecke zwischen Pörböly und Frankenstadt.

Deutschland bemühte sich um die Entschärfung des Konfliktes, da Rumänien und Ungarn ebenfalls wichtige Handelspartner des Reiches waren, so fanden im Juli und August mehrere Treffen zwischen den Repräsentanten der drei Länder statt, diese blieben aber ohne Erfolg.

Ende August entschloss sich die ungarische Militärführung für den Angriff und sandte schon die Richtlinien an die Kommandeure, der rumänische Botschafter in Berlin überbrachte aber die Bereitschaft seiner Regierung die Angelegenheit durch einen Schiedsspruch der Achsenmächte, Deutschland und Italien zu regeln.

(Foto im Besitz der Familie Frei)

Forschen in einem Archiv oder in einer Bibliothek in Deutschland ist auch im digitalen Zeitalter ein hochgeschätztes Pri...
20/08/2026

Forschen in einem Archiv oder in einer Bibliothek in Deutschland ist auch im digitalen Zeitalter ein hochgeschätztes Privileg für viele Geisteswissenschaftler in Ungarn.

1937 erkundigte sich Dr. Stefan Kozáky (1903-1986) bei Dr. Klemens Löffler, Direktor der Universitäts- und Stadtbibiliothek Köln über folgendes:

„Unterzeichneter, Prof. der deutschen Sprache und Literatur am Budapester Piaristengymnasium, unternehme ich zwischen dem 1. und 28. Juli l.J. eine Studienreise nach Deutschland und erlaube mir Nachzufragen, ob ich in dem angegebenen Zeitraum die Handschriftensammlung der Kölner Universität- und Stadtbibl. benützen können werde. Wenn Sie nicht antworten, So betrachte ich das als ein Ja. Wenn inzwischen gesperrt wird, so bitte ich ergebenst um die Mitteilung des äussersten Termins auf einer Postkarte.“

Als Sohn eines Ingenieurs in Budapest, trat Kozáky 1919 in den Orden der Piaristen ein, und beschäftigte sich in der Zwischenkriegszeit gut zwei jahrzehntelang mit dem Thema der europäischen Totentänze. 1925 bildete dies die Grundlage seiner Doktorarbeit an der ungarischen Musikakademie.

Als Lehrer mit deutsch-ungarischem Fach war der Kontakt mit dem deutschsprachigen Raum schon in der ersten Hälfte seines Lebens bedeutend. Er studierte germanische und finno-ugrische Sprachwissenschaft sowie ungarische Literaturgeschichte in Budapest, Berlin und Wien. 1926 verbrachte er am Wiener Collegium Hungaricum als Stipendiat und zwischen 1927 und 1929 unterrichtete er Ungarisch am Theresianium.

Die Zeit bis Ende 1944 verbrachte er wieder in Ungarn, wo er das Thema der Totentänze zu einem mehrbändigen Standardwerk ausarbeitete. Mit dem Voranrücken der Ostfront floh er Richtung Deutschland und nach einigen Zwischenstops fand er sein neues Zuhause schließlich in der Pfalz. Seinen Namen änderte er 1949 auf Cosacchi, denn laut eigener Begründung soll dies die ursprüngliche, italienische Form seines Nachnamens gewesen sein.

Sein musikalisches Talent vererbte er auch an seinen Sohn, Aloys Cosacchi (1955-) der Violinist und Geiger wurde.

Am 15. August wird Mariä Himmelfahrt begangen. Dieser Tag wird landläufig auch Maria Würzweih genannt, da Heilkräuterstr...
15/08/2026

Am 15. August wird Mariä Himmelfahrt begangen. Dieser Tag wird landläufig auch Maria Würzweih genannt, da Heilkräutersträuße sog. Würzbüschel in der Kirche gesegnet werden.

In deutschen katholischen Gegenden Südungarns wurde dieser Brauch jahrhundertelang praktiziert, ist heute aber vielerorts schon in Vergessenheit geraten. Es gibt in den letzten Jahren einige Beispiele zur Wiederbelebung dieses Brauches, jedoch ist wegen dem Klimawandel zu sehen, dass die Blütezeit der Pflanzen sich im Vergleich zu früheren Zeiten etwas verschoben hat und somit einige Kräuter früher abblühen und deshalb nicht mehr gesammelt werden können. Besonders bei etwas seltenen Pflanzen ist es auch der Fall, dass sie wegen der Urbanisierung einfach nicht mehr so zahlreich auf den Wiesen oder Waldränden auffindbar sind, wie noch vor hundert Jahren oder sogar teilweise ausgerottet wurden. Wegen Unwissens oder aus der Not heraus, dass einige Pflanzen nicht mehr auffindbar sind, können neulich auch Pflanzen in die Kräutersträuße hineingelangen, die eigentlich ursprünglich gar nicht hineingehörten.

Bauern hatten gute Kenntnisse über Heilpflanzen. Früher wurden für den Würzbüschel die Hauptheilkräuter für Haus und Vieh gesammelt, die man nicht zufällig, sondern nach einer bestimmten Ordnung zu einem Strauß gebunden hatte und in der Kirche in der Messe mit Weihwasser segnen ließ. Dieser Brauch ist uralten heidnischen Ursprungs und wurde später von der Katholischen Kirche übernommen. Den geweihten Kräutern wurden magische Kräfte zugesagt: sie wurden sterbenden ins Bett gelegt für einen sanften Tod, an das Vieh verfüttert, damit es gesund bleibt oder auch gegen Blitz und Donner auf den Dachboden gehängt um das Haus vor Gewitter zu schützen, als Umschlag verwendet oder Brühe zubereitet.

Die Kräuter wurden am 15 August in der Früh, mitten im Hochsommer gesammelt, da die Bauern wussten, dass sie dann die meisten Heilkräfte (eigentlich ätherischen Öle und Bitterstoffe) enthielten und diese somit besonders heilsam waren. Je nach Dorf konnte die Anzahl und Zusammensetzung der Kräuter des Würzbüschels variieren.

Foto: Heilkräutersammeln in Deutsch-Liebenau (Sudetenland), 1944.

Signatur: HU_DEIN_X_2023_1228_001

Neu im Archiv: Briefe aus dem KLV-Lager Apatin.Wegen den zunehmenden alliierten Luftangriffen verbrachte Hans Günther Be...
10/08/2026

Neu im Archiv: Briefe aus dem KLV-Lager Apatin.

Wegen den zunehmenden alliierten Luftangriffen verbrachte Hans Günther Beilich aus Jesterburg seine Schulzeit in verschiedenen KLV-Lagern. 1942 kam er das erste Mal nach Ungarn, wo man ihn und seine Kameraden in Grabotz (Komitat Tolnau) untergebracht hatte, gut 1000 km von ihrer Heimat entfernt.

Im Herbst wurden sie in die Reichsführerschule von Steinau an der Oder (Niederschlesien) verlegt und im Frühling 1943 traten sie ihren Weg wieder nach Süden an, diesmal bis Apatin.

Hans Günthers Briefe aus dem KLV-Lager 126 bieten Einblick in die Zeit zwischen April und September 1943. Das flache Gebiet entlang der Donau gefiehl ihm sehr, und er war aller Anschein nach beindruckt von der Rindzucht seiner Pflegeeltern. Freude fand er auch an den aus Deutschland zugesandten Briefmarkenserien, bis man ihm aus der KLV-Zentrale mitteilte: weitere Sendungen werden beschlagnahmt, da Briefmarken eigentlich Zahlungsmittel sind.

Hier muss man auch bemerken, dass dieses Kapitel der deutsch-deutschen Beziehungen unserer Region eher atypisch ist, denn zwischenmenschliche Kontakte verliefen bis dahin meist mit Österreich und Süddeutschland.

Vor dem Entsendungsprogramm der Kinderlandverschickung bedeutete Hamburg für die meisten Ungarndeutschen eine Hafenstadt, von wo aus man in die Neue Welt gelangen konnte. Für einige Pfarrer unserer Region waren die Hamburger Kinder ein regelrechter Kulturschock. In ihren Aufzeichnungen bemerken sie öfters, dass es sehr wenige katholische Schüler in den Gruppen gab, und dass einige garnicht aus gläubigen Familien stammten.

Binnen eines Jahres ist Apatin schon das vierte ungarische KLV-Lager, von woher wir Material für unser Archiv beziehen konnten und Interesse am Thema zeigen auch die beidseitigen Anfragen aus Deutschland und Ungarn, von Nachfahren der Schüler und deren Pflegeeltern.

Eine Postkarte an den bayerischen Konteradmiral Ernst von Mann Edler von Tiechler (1864-1934) vom k.u.k. Oberst Ferenc R...
05/08/2026

Eine Postkarte an den bayerischen Konteradmiral Ernst von Mann Edler von Tiechler (1864-1934) vom k.u.k. Oberst Ferenc Reményi (1868-1940).

Von Mann war ab Ende des 19. Jahrhunderts Kommandant einiger Torpedoboote, und zwischen 1909-1911 Leiter des Torpedoversuchskommandos der Kaiserlichen Marine. Die unmittelbare Vorkriegszeit verbrachte er als Kommandant des Großen Kreuzers SMS Moltke (abgebildet) und mit dem Einbruch des I. Weltkrieges nutzte er seine früheren Erfahrungen als Torpedoinspekteur in Kiel.

Der Korrespondenzpartner, Ferenc Reményi (ursprünglich Hofmann), stammt aus einer jüdischen Familie aus Oberungarn. Seine Liebe zu den Meeren und Ozeanen begann mit seinem Vater, der während seiner amerikanischen Emigration Teilnehmer von Expeditionen auf dem Gebiet des Mississippi und Panama war, sowie späterer Autor von zahlreichen Publikationen in den Themen Geografie und Marine.

Reményi Jr. trat in die Fußstapfen des Vaters, und begann seine eigene Weltreise zwischen 1892-1893 als Begleiter von Erzherzog Franz Ferdinand, über welche Zeit er detailierte und regelmäßige Berichterstattungen an die ungarischen Medien sandte.

Sein Schreiben an Konteradmiral von Mann verfasste er als frischgebackener Rentner und nur 8 Tage vor der Verleihung seines Adelstitels von Kaiser Karl I. Die oft dazugehörige Anglophilie der ungarischen Adeligen strebte er aber wohl kaum an (korrigiert):

Sopron, den 2. II. 17. Hochverehrter Herr Konteradmiral! Besten Dank für Ihre freundliche Zeilen vom 21/I. Es tat mir sehr leid, Sie nicht sehen zu können, aber ich begreife, dass Sie keine Minute zu verlieren hatten. Also auf Wiedersehen im Frieden, der infolge der endlichen Angriffen hain[?] des rücksichtslosen, schärfsten U-Boot-Krieges, den wir heute seit langem als die einzige wirklich zum Niederringen des zähen u. mächtigen feindes führende Kriegsmethode in greifbare Nähe rückt. Ich beglückwünsche Sie zu dieser Erfüllung Ihres Wunsches. Möge der völlige und zerschmetternde Sieg bald kommen und auch England endlich darben und samt seiner Weltherrschaft zugrunde gehen! Ihr herzlichst ergebener Kamerad
Reményi Oberst

Gleich zwei Studien von Mitgliedern unseres Kuratoriums erschienen vor kurzem in Deutschland in der Schriftenreihe des I...
21/07/2026

Gleich zwei Studien von Mitgliedern unseres Kuratoriums erschienen vor kurzem in Deutschland in der Schriftenreihe des Instituts für Kulturanalyse der Deutschen des östlichen Europa.

✨ Bea Márkus: Die Identität der deutschen Minderheit und ihre Erinnerungskultur in der Vergangenheit und der Gegenwart. Das Beispiel Nadasch/Mecseknádasd.

✨ Gabriella Sós: „Die Tatsache, dass ich Deutsch sprechen kann, muss einen großen Unterschied gemacht haben“ – Eine Fallstudie über sprachliche und nichtsprachliche Erfahrungen einer ungarndeutschen Pflegerin im deutschen Sprachraum.

Herzlichen Glückwunsch an die Autorinnen.

Das Sammelband beinhaltet außerdem weitere Arbeiten zum Thema Ungarndeutschtum und ist direkt beim Verlag erhältlich:
Prosser-Schell, Michael/Keményfi, Róbert/Marinka, Melinda (Hrsg.) (2026): Standortbestimmung, Intention und Perspektiven der Minderheitenkultur der Deutschen in Ungarn gegenwärtig. Schriftenreihe des Instituts für Kulturanalyse der Deutschen des östlichen Europa Bd. 27. Waxmann Münster New York.
https://www.waxmann.com/en/books/Standortbestimmung-Intention-und-Perspektiven-der-Minderheitenkultur-der-Deutschen-in-Ungarn-gegenwaertig

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Mecseknádasd
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