29/08/2026
Auf dem Bildschirm erscheint ein Planet mit gelber Tagseite, violetter Nacht und einem heißen Fleck östlich der Mitte. Es sieht aus, als hätte das James-Webb-Weltraumteleskop eine Wetterkamera auf eine ferne Welt gerichtet.
Genau das ist nicht passiert.
WASP-43b liegt rund 280 Lichtjahre entfernt und verschwindet neben seinem Stern als eigener Bildpunkt. Webb misst stattdessen die gemeinsame Infrarothelligkeit des Systems. Wenn der Planet hinter dem Stern verschwindet, fehlt sein Lichtanteil. Wenn er weiterzieht, zeigt er dem Teleskop nacheinander unterschiedliche Anteile seiner dauerhaft heißen Tag- und kühleren Nachtseite.
Aus dieser Folge entsteht eine Phasenkurve.
Bei WASP-43b dauerte ein Umlauf nur 19,5 Stunden. MIRI maß mehr als 24 Stunden lang ungefähr alle zehn Sekunden. Über 8.000 Helligkeitswerte zwischen 5 und 12 Mikrometern zeigten, wann mehr heiße oder kühlere Fläche ins Blickfeld kam. Daraus wurden im Mittel etwa 1.250 Grad Celsius für die Tagseite und 600 Grad für die Nachtseite rekonstruiert.
Auch die Lage des heißesten Bereichs steckt in der Kurve. Er liegt etwas östlich des Punktes, der die stärkste Sternstrahlung erhält. Die Atmosphäre transportiert Wärme also weiter, bevor sie ins All abgestrahlt wird.
Doch eine dunkle Nachtseite ist nicht automatisch nur kalt. Hohe Wolken können Infrarotstrahlung aus tieferen, wärmeren Schichten blockieren. Temperatur, Wolken und Chemie können ähnliche Helligkeitsmuster erzeugen. Deshalb braucht die Kurve ein Spektrum.
Verschiedene Wellenlängen reagieren auf unterschiedliche Moleküle und entkommen bevorzugt aus unterschiedlichen Druckbereichen. Wasser, Kohlenmonoxid oder Wolken verändern das Licht jeweils anders. Forschende können so mehrere Karten übereinanderlegen: nicht nur heiß und kalt entlang der Länge, sondern teilweise auch höher und tiefer in der Atmosphäre.
Noch mehr räumliche Information liefert die sekundäre Eklipse. Während der Stern den Planeten schrittweise verdeckt, verschwinden dessen Regionen nicht gleichzeitig. Fällt das Licht beim Eintritt anders ab, als eine gleichmäßig leuchtende Scheibe erwarten ließe, verrät die Reihenfolge etwas über die Lage heller und dunkler Zonen. Der Stern wird zur natürlichen Blende.
2025 entstand auf diese Weise aus JWST-Daten von WASP-18b die erste spektroskopische Eklipsenkarte, die horizontale und vertikale Temperaturstruktur zugleich rekonstruierte. 25 Wellenlängenbereiche zeigten ein besonders heißes Gebiet um den direkt bestrahlten Punkt und einen kühleren Ring nahe den sichtbaren Rändern der Tagseite.
Das ist ein großer Schritt. Es ist trotzdem kein Foto einzelner Wolken.
Eine Lichtkurve kann von mehreren Karten erzeugt werden. Feine Muster bleiben unsichtbar, wenn sie sich in der Gesamthelligkeit gegenseitig aufheben. Modelle müssen deshalb ihre räumliche Komplexität begrenzen, Alternativen vergleichen und Unsicherheiten mitführen. Die Karte zeigt die großräumige Struktur, die Daten und Physik gemeinsam tragen.
2026 kam eine weitere Messidee hinzu. Bei WASP-121b veränderten sich während zweier Transits die Kohlenmonoxid- und Wassersignale, weil der Planet während der Passage weiterrotierte. Anfang und Ende des Transits tasteten dadurch unterschiedliche Längengrade ab. Selbst der schmale Atmosphärenrand vor dem Stern wurde zu einer Quelle räumlicher Information.
Die ehrlichste Kurzfassung lautet deshalb:
Webb sieht keine Wetterkarte. Webb misst Licht so präzise, dass Forschende prüfen können, welche Wetterkarte dieses Licht erzeugt haben muss.
Das macht die Bilder nicht weniger erstaunlich. Es macht sie interessanter. Jede Farbe steht nicht nur für eine ferne Temperatur, sondern für eine Kette aus Messung, Spektrum, Geometrie, Modell und Unsicherheit.
KI-Transparenz: Benjamin Metzig verantwortet die Redaktion; generative KI diente als Werkzeug für Text und Bild.