21/07/2026
Danke für die schönen Jahre und jetzt zu verschenken?
Mir fällt in letzter Zeit immer häufiger auf, dass ältere Pferde im Internet zu verschenken angeboten werden.
Eine Sache die mich wirklich beschäftigt und ich es gerade wieder so gesehen habe.
Oft liest man dann Dinge wie:
„Nicht mehr voll belastbar.“
„Hat ein paar gesundheitliche Baustellen.“
„Nur noch bedingt reitbar.“
„Aus Zeit- oder Kostengründen abzugeben.“
Und ganz ehrlich: Mich macht das nachdenklich. Und manchmal auch wütend.
Natürlich ist in den vergangenen Jahren fast alles teurer geworden. Stallmiete, Futter, Hufbearbeitung, Tierarzt und Medikamente kosten viel Geld. Ein älteres Pferd kann sogar deutlich mehr kosten als ein junges und gesundes.
Aber Pferde waren noch nie günstig.
Wer sich ein Pferd anschafft, weiß doch, dass dieses Tier im besten Fall viele Jahre an seiner Seite bleibt. Und dass es irgendwann älter wird. Vielleicht nicht mehr geritten werden kann. Vielleicht spezielles Futter, Medikamente oder häufiger einen Tierarzt braucht.
Man kann nicht jede Krankheit vorhersehen. Man weiß auch nicht, was das Leben in zehn oder fünfzehn Jahren mit einem selbst macht.
Aber dass ein Pferd älter wird, darf doch keine Überraschung sein.
Viele dieser Pferde haben ihren Menschen jahrelang getragen. Sie waren auf Turnieren dabei, sind mit ins Gelände gegangen, haben schwierige Zeiten ausgehalten und ihrem Menschen unzählige schöne Momente geschenkt.
Solange sie funktioniert haben, waren sie Familienmitglied, Seelenpferd oder bester Freund.
Und wenn sie nicht mehr reitbar sind oder Geld kosten, ohne noch eine sportliche Leistung zu bringen, steht plötzlich „zu verschenken“ über ihrem Foto.
Das finde ich sehr, sehr schade.
Denn ein Pferd ist kein Hobbygerät, das man austauscht, wenn es seinen ursprünglichen Zweck nicht mehr erfüllt.
Ein Pferd ist auch kein Modell, das man gegen eine jüngere und gesündere Version ersetzt.
Verantwortung endet für mich nicht an dem Tag, an dem ein Pferd nicht mehr geritten werden kann. Vielleicht beginnt gerade dann der Teil, in dem wir zeigen, was uns dieses Tier wirklich bedeutet.
Bitte versteht mich nicht falsch:
Es gibt echte Notsituationen. Menschen werden schwer krank, verlieren ihre Arbeit, müssen sich trennen oder geraten durch Schicksalsschläge in eine Lage, die sie vorher nicht absehen konnten.
Wenn jemand wirklich alles versucht hat und seinem Pferd die notwendige Versorgung nicht mehr ermöglichen kann, dann kann eine verantwortungsvolle Abgabe die bessere Lösung sein. Das verurteile ich nicht.
Niemand von uns weiß, was morgen passiert.
Was ich allerdings immer wieder beobachte, ist etwas anderes:
Das ältere oder gesundheitlich angeschlagene Pferd wird aus angeblichen Kosten- oder Zeitgründen verschenkt. Und wenige Wochen oder Monate später wird bei Facebook oder Instagram stolz das neue Pferd vorgestellt.
Jünger. Gesünder. Reitbar.
Und dann fällt es mir ehrlich gesagt schwer, an eine reine finanzielle Notlage zu glauben.
Denn offenbar war noch genug Geld und Zeit für ein Pferd vorhanden, nur nicht mehr für dieses eine.
Vielleicht klingt das hart. Aber genau darüber sollten wir sprechen.
Wir erwarten von unseren Pferden Vertrauen, Verlässlichkeit und oft auch Leistung. Wir möchten, dass sie für uns da sind, dass sie mitmachen und uns sicher durch viele gemeinsame Jahre tragen.
Dürfen unsere Pferde dann nicht auch erwarten, dass wir für sie da sind, wenn es schwieriger wird?
Auch wenn sie nicht mehr reitbar, wenn sie Medikamente brauchen, wenn sie plötzlich mehr kosten, als sie uns sportlich „bringen“?
Ein älteres Pferd zu verschenken, nimmt einem die Verantwortung nicht einfach ab. Man gibt sie nur an einen anderen Menschen weiter – in der Hoffnung, dass dieser bereit ist, das zu tragen, was man selbst nicht mehr tragen möchte.
Für mich gehört auch der Lebensabend zur gemeinsamen Geschichte.
Nicht nur die Ausritte, Turniere und Erfolge. Auch die langsamen Schritte, die Tierarzttermine, das besondere Futter und die Tage, an denen man eben nichts mehr „leisten“ kann.
Ein Pferd muss sich seinen Platz nicht bis zum letzten Tag verdienen.
Wie seht ihr das? Gehört es für euch zur Verantwortung eines Pferdehalters, auch für den Lebensabend seines Pferdes zu sorgen? Oder findet ihr es in Ordnung, ein älteres oder nicht mehr reitbares Pferd abzugeben, um sich anschließend ein neues zu kaufen?
Es würde mich freuen wenn ihr meine Seite abonnieren würdet.
So verpasst ihr keinen Beitrag.
Übrigens gibt es Bücher von mir bei Amazon über Pferdethemen.
Liebe Grüße und ein schönes Wochenende
euer Tommy