01/09/2026
„Nutznießer des Systems.“
Ich verstehe, warum dieser Satz gerade so viele (Zahn)Ärztinnen und (Zahn)Ärzte ärgert.
Aber ich sehe noch einen weiteren anderen Punkt:
Unser Gesundheitssystem trägt Praxen heute nicht mehr so, wie es das vor 20 oder 30 Jahren getan hat.
Kosten sind gestiegen. Strukturen sind komplexer geworden. Anforderungen haben zugenommen.
Nur die Abrechnung läuft in vielen Praxen noch nach demselben Prinzip wie früher:
Behandeln. Standardpositionen abrechnen. Fertig.
Und genau da müssen wir umdenken.
Nicht, indem wir Leistungen erfinden.
Nicht, indem wir Patienten mehr verkaufen.
Sondern indem wir endlich wieder genau hinschauen:
Was habe ich tatsächlich gemacht?
Was ist bereits Inhalt der Position, die ich berechne?
Welche zusätzlichen Behandlungsschritte habe ich erbracht?
Und welche davon tauchen auf meiner Rechnung überhaupt nicht auf?
Ich sehe regelmäßig Praxen, die fachlich unglaublich viel leisten – und wirtschaftlich einen Teil dieser Leistung verschenken.
Deshalb glaube ich:
Wir können darüber diskutieren, ob (Zahn)Ärztinnen und (Zahn)Ärzte „Nutznießer“ dieses Systems sind.
Wir sollten aber mindestens genauso dringend darüber sprechen, wie Praxen innerhalb dieses Systems noch wirtschaftlich gesund bleiben können.
Denn wenn sich das System verändert, muss sich auch unser Umgang mit Abrechnung verändern.
Mich interessiert deshalb wirklich die Sicht der Praxisinhaber:
Trägt sich eine Praxis heute mit „ganz normaler Abrechnung“ noch so wie früher – oder merkt ihr die Veränderung längst deutlich?