20/08/2026
Das Erinnern im Alltag
Die tiefste Erfahrung von Verbundenheit zeigt ihren Wert für mich dort, wo das Leben wieder ganz gewöhnlich wird.
Morgens in der Küche.
Im Auto.
Beim Einkaufen.
In einer schwierigen Nachricht.
In einem Gespräch, das mich berührt.
In einem Moment, in dem alte Muster plötzlich wieder sehr vertraut erscheinen.
Genau dort beginnt das Erinnern.
Ich erinnere mich an die Weite, während es in mir eng wird.
Ich erinnere mich an Verbundenheit, während ich mich gerade allein fühle.
Ich erinnere mich an meine Würde, während ich auf die Reaktion eines anderen warte.
Ich erinnere mich an Liebe, während Angst in mir auftaucht.
Das bedeutet für mich, eine tiefe Erfahrung wirklich ins Leben zu holen.
Der Alltag wird dadurch menschlich.
Mit Müdigkeit.
Mit Ungeduld.
Mit Missverständnissen.
Mit Bedürfnissen.
Mit Grenzen.
Mit Tagen voller Leichtigkeit und Tagen, an denen alles schwerer fällt.
Und mitten darin kann ich mich erinnern:
Da ist mehr in mir als dieser eine Moment.
Ich kann innehalten.
Meinen Körper spüren.
Wahrnehmen, was gerade wirklich da ist.
Mich fragen, was jetzt stimmig ist.
Ich kann handeln.
Ich kann eine Grenze setzen.
Ich kann ein Bedürfnis aussprechen.
Ich kann eine Entscheidung korrigieren.
Ich kann Nähe zulassen.
Ich kann Raum nehmen.
Und ich kann all das aus Verbundenheit tun.
Denn Liebe bedeutet für mich immer weniger, mich selbst zu verlassen, um mit einem anderen verbunden zu bleiben.
Liebe bedeutet:
Ich bleibe bei mir und begegne dir von dort.
So kommt das Große ins Kleine.
In die Art, wie ich morgens mit mir spreche.
In die Sekunde, bevor ich automatisch antworte.
In ein klares Ja.
In ein klares Nein.
In ein späteres:
Ich habe noch einmal hingespürt. Für mich stimmt es jetzt anders.
In die Entscheidung, einen Augenblick länger den Himmel anzusehen.
In eine Berührung.
In einen Atemzug.
In die Bereitschaft, wirklich zuzuhören.
Das Erinnern braucht keinen außergewöhnlichen Zustand.
Es geschieht mitten im Leben.
Immer wieder.
Manchmal für Minuten.
Manchmal für einen einzigen Augenblick.
Und jeder dieser Augenblicke verändert ein kleines Stück davon, wie ich lebe.
Bis das, was ich einmal als außergewöhnliche Erfahrung kennengelernt habe, langsam vertrauter wird.
Eine Haltung.
Eine innere Ausrichtung.
Eine Weise, in der Welt zu sein.
Wach.
Berührbar.
Verbunden.
Frei.
Das ist für mich gelebtes Erinnern:
Das Leben kommt.
Und ich komme mir darin immer wieder selbst entgegen. 💞